Zentralbanken kaufen, doch der Goldpreis fällt weiter
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Ausgerechnet in einer handfesten geopolitischen Krise verliert die klassische Krisenwährung an Wert: Gold kostet aktuell nur noch rund 4.100 Dollar (rund 3.650 Euro) je Feinunze, seit Anfang September ging es laut Daten des Finanzdienstes LSEG um rund sieben Prozent nach unten. Gegenüber dem Rekordhoch von knapp 5.600 Dollar (rund 4.980 Euro) Ende Jänner hat das Edelmetall rund 27 Prozent eingebüßt. Der Grund ist eine Kettenreaktion aus Ölpreis, Inflation und Zinsen, wie der aktuelle Marktbericht des österreichischen Edelmetallhändlers philoro zeigt.
Der September brachte die Korrektur
Nach einem starken August hatten viele auf den Sprung über 4.700 Dollar (rund 4.180 Euro) gehofft. Stattdessen verlor Gold im September auf Dollar-Basis rund 6,5 Prozent. Im Jahresvergleich liegt es laut philoro aber trotzdem noch rund 14 Prozent im Plus. Silber erging es ähnlich: Es gab im September rund 6,4 Prozent nach, notiert gegenüber dem Vorjahr aber weiterhin mehr als 30 Prozent höher.
„Der September zeigt, dass geopolitische Unsicherheit Gold nicht automatisch stützt. Wenn sie über Ölpreise und Inflation zu höheren Zinsen führt, gerät auch der Goldpreis kurzfristig unter Druck“, sagt Rudolf Brenner, geschäftsführender Gesellschafter von philoro.
Drei Notenbanken drehen an der Zinsschraube
Den größten Druck machte die Geldpolitik. Gleich drei große Notenbanken haben im September ihre Leitzinsen angehoben:
- EZB: Die Europäische Zentralbank erhöhte den Leitzins auf 2,5 Prozent.
- Fed: Die US-Notenbank zog wenige Tage später auf 3,75 bis 4,00 Prozent nach, es war die erste Erhöhung seit 2023.
- Bank of Japan: Sie hob den Leitzins auf 1,25 Prozent an, den höchsten Stand seit 1995.
Für Gold ist das Gegenwind, denn das Edelmetall wirft selbst keine Zinsen ab. „Wenn Staatsanleihen, Sparprodukte oder andere verzinste Anlagen wieder höhere Erträge bieten, wird Gold kurzfristig für manche Anleger weniger attraktiv“, heißt es im philoro-Bericht. Dazu kommt ein starker Dollar, der Gold für Käufer:innen außerhalb der USA verteuert.
Der Ölpreis als Brandbeschleuniger
Hinter den Zinserhöhungen steckt der Nahostkonflikt. Mit der Meerenge Bab al-Mandab ist der zentrale Zugang zum Roten Meer und zum Suezkanal zum Risiko geworden, auch die Straße von Hormus bleibt ein Unsicherheitsfaktor. Die Folge zeigt sich beim Öl: Ende Juni kostete ein Fass der Sorte Brent noch knapp 74 Dollar, Ende September waren es laut philoro wieder fast 100 Dollar. Auch Diesel wurde deutlich teurer.
Die höheren Energiepreise treiben die Inflation. In der Eurozone stieg die Teuerung im August von 2,9 auf 3,2 Prozent, in Österreich von 2,8 auf 3,2 Prozent. In Deutschland lag sie bei 2,9 Prozent, wobei Energie um 10,5 Prozent und Heizöl sogar um fast 50 Prozent teurer wurde. Im September kletterte die Inflation in der Eurozone laut Schnellschätzung bereits auf 3,8 Prozent. Die OECD rechnet für die G20-Staaten heuer mit durchschnittlich 4,1 Prozent Inflation, bei einem weltweiten Wirtschaftswachstum von 2,9 Prozent. „Das Bild bleibt damit zweigeteilt: mehr Wachstum als befürchtet, aber hartnäckigere Inflation“, heißt es bei philoro.
Unter dem Ölpreis-Schock leidet nicht nur Gold. Auch Bitcoin, das manche als digitales Gold sehen, fiel zuletzt unter 84.000 Dollar.
Zentralbanken und ETFs kaufen weiter
Ganz ins Bodenlose fällt der Goldpreis trotzdem nicht, denn große Käufer bleiben am Markt. Die Zentralbanken stockten ihre Reserven laut World Gold Council im August netto um 39 Tonnen auf, seit Jahresbeginn summieren sich die gemeldeten Nettokäufe auf 170 Tonnen. Größter Käufer war erneut China mit 20 Tonnen, gefolgt von Usbekistan und Polen mit je acht Tonnen. Polen hält laut philoro inzwischen rund 640 Tonnen Gold, 90 Tonnen mehr als zu Jahresbeginn. Mit den Käufen machen sich die Notenbanken unabhängiger vom US-Dollar und anderen westlichen Währungen.
Auch Anleger:innen greifen zu. In Gold-ETFs flossen laut World Gold Council allein im September rund 10 Milliarden Dollar (rund 8,9 Milliarden Euro), im gesamten dritten Quartal waren es mit 31 Milliarden Dollar (rund 27,6 Milliarden Euro) so viel wie nie zuvor. Am stärksten war die Nachfrage in Europa und Nordamerika.
Den Abwärtstrend stoppen können diese Käufe bisher nicht, sie bremsen ihn aber. Kurzfristig bleibt das Risiko, warnen Marktbeobachter:innen: Fällt der Preis weiter, könnten gerade die neuen ETF-Käufer:innen enttäuscht aussteigen und die Korrektur verstärken. Der langfristige Blick auf Gold bleibt laut philoro trotzdem intakt.

