Preiskampf: OpenAI jagt Anthropic die Firmenkund:innen ab
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Der KI-Preiskrieg zeigt Wirkung, und zwar zugunsten von OpenAI: Bei Unternehmen, die KI-Modelle über die Plattform OpenRouter einkaufen, hat OpenAI seinen Rückstand auf Anthropic binnen eines Jahres praktisch aufgeholt. Laut einem Bericht des Wall Street Journal teilten sich die beiden Rivalen im September die Ausgaben von rund 120.000 Unternehmen, die Produkte beider Anbieter nutzen, nahezu zur Hälfte. Zu Jahresbeginn entfiel noch rund drei Viertel davon auf Anthropic.
Billigere Modelle als Hebel
OpenRouter leitet Anfragen an KI-Modelle je nach Preis und Leistung an verschiedene Anbieter weiter, Stripe hat die Plattform im Sommer für 7,5 Milliarden Dollar gekauft. Ihre Daten zeigen damit recht direkt, wofür Firmen tatsächlich Geld ausgeben. Den Preiskampf angeheizt hat laut WSJ vor allem OpenAIs günstige Modellreihe GPT-5.6: Den Preis für die kleinste Variante Luna senkte OpenAI um 80 Prozent, für das mittlere Modell Terra um 20 Prozent.
Für viele Firmen wird der Preis zum entscheidenden Kriterium, weil die KI-Ausgaben mit jedem zusätzlichen Einsatz durch Mitarbeiter:innen und KI-Agenten schnell wachsen. Statt nur auf das stärkste Modell zu setzen, kombinieren sie mehrere Anbieter und nutzen für einfache Aufgaben wie Zusammenfassungen günstigere Modelle. Der Softwareanbieter Retool etwa gibt nach eigenen Angaben für OpenAI-Modelle rund 20 Prozent weniger aus als für vergleichbare Anthropic-Modelle. „Die Flitterwochen, in denen man nur bei einem Modellanbieter bleibt, sind vorbei“, zitiert das WSJ einen Firmenkunden.
Engpässe und Datenschutz-Debatte bei Anthropic
Anthropic hat zusätzlich mit hausgemachten Problemen zu kämpfen. Die starke Nachfrage nach Claude Code führte zu Kapazitätsengpässen und Ausfällen. Dazu kam Kritik an einer 30-tägigen Speicherung von Nutzerdaten aus Sicherheitsgründen, die Anthropic bei einem im Juni gestarteten Modell eingeführt hatte. Kund:innen mit sensiblen Daten wehrten sich, Anthropic gab manchen Firmen daraufhin mehr Kontrolle über die gespeicherten Daten. Auch günstige chinesische Open-Weight-Modelle erhöhen den Preisdruck.
OpenAI hatte im Frühjahr seinen Fokus klar auf Unternehmen und Produktivität verschoben, Nebenprojekte wie die Video-App Sora wurden eingestellt. „Wir dürfen diesen Moment nicht verpassen, weil wir von Nebenschauplätzen abgelenkt sind“, sagte die damalige Applikationschefin Fidji Simo laut WSJ intern.
Anthropic kontert mit Preissenkungen
Ganz verloren ist der Vorsprung nicht. Laut Daten des Finanzdienstleisters Ramp lagen OpenAIs Ausgaben Mitte September kurzzeitig vor jenen von Anthropic, am folgenden Wochenende hatte Anthropic aber wieder knapp die Nase vorn. Zudem reagiert Anthropic mit eigenen Preissenkungen: Das neue kleine Modell Claude Haiku 5.5 kostet für die meisten Anfragen nur noch ein Zehntel des Vorgängers und liegt preislich gleichauf mit OpenAIs kleinem Modell.
Die Aussagekraft der Zahlen ist begrenzt. Die Kundschaft von OpenRouter besteht vor allem aus KI-Startups und Tech-Firmen, ein vollständiges Bild des Unternehmensmarkts liefern die Daten nicht. Für beide Konzerne steht dennoch viel auf dem Spiel: Anthropic bereitet laut Berichten einen Börsengang für November vor, OpenAI peilt das kommende Jahr an. Beide müssen dafür nachhaltige Umsätze vorweisen, um Bewertungen von mehr als 1 Billion Dollar (rund 890 Milliarden Euro) zu rechtfertigen.

