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init schnappt sich norwegisches Startup Applied Autonomy für fahrerlose Busse

Autonomous bus of Kolumbus in Stavanger, operated with Applied Autonomy's xFlow
An autonomous bus without a safety driver in Stavanger, operated with Applied Autonomy's xFlow. © Applied Autonomy

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Für ein Startup in herausfordernder finanzieller Lage kommt die Rettung aus Karlsruhe: Der börsennotierte ÖPNV-Spezialist init hat die Mehrheit am norwegischen Startup Applied Autonomy übernommen, dessen Software Europas ersten fahrerlosen Linienbus in Stavanger steuert. Mit der Plattform xFlow will init nun autonome und herkömmliche Busflotten in einem gemeinsamen System betreiben, auch auf dem deutschen Markt.

67,74 Prozent für init, Kaufpreis geheim

init hat kürzlich 67,74 Prozent der Anteile an dem 2017 gegründeten Unternehmen aus Kongsberg erworben, wie init in einer Unternehmensmitteilung bekanntgab. Applied Autonomy wird Teil der Business Unit init Integrated Systems. Einen Kaufpreis nennen weder init noch Applied Autonomy.

Einen Hinweis auf die Größenordnung liefern die Zahlen: Applied Autonomy ist ein kleines Unternehmen mit zuletzt acht Mitarbeiter:innen. Der Umsatz lag laut norwegischem Firmenregister 2025 bei rund 6,2 Millionen Kronen (etwa 530.000 Euro) und hat sich damit seit 2022 halbiert. Unterm Strich stand ein kleiner Verlust. Im Sommer berichtete die norwegische Wirtschaftszeitung E24, dass der Wirtschaftsprüfer „wesentliche Unsicherheit“ über den Fortbestand des Unternehmens sah. Gründer und CEO Olav Madland hatte privat eine Million Kronen (rund 85.000 Euro) nachgeschossen, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Eine Kapitalerhöhung über 1,5 Millionen Euro war für September geplant, im Geschäftsbericht zeigte sich das Startup bereits offen für einen Verkauf.

Wenig Risikokapital, viel Förderung

Wie viel Geld Applied Autonomy insgesamt von Investor:innen aufgenommen hat, ist nicht öffentlich bekannt. Klassische Venture-Capital-Runden gab es offenbar nicht. Größte Eigentümerin ist die gemeinnützige Innovationsgesellschaft Kongsberg Innovasjon, deren CEO Svein-Olav Torø auch den Vorsitz im Board von Applied Autonomy innehat. Kurz nach der Gründung beteiligte sich laut CB Insights die norwegische Staatsbahn-Gruppe Vy als Minderheitsgesellschafterin, dazu kamen Programme wie EIT Urban Mobility. Öffentliche Förderungen summierten sich auf rund 3,7 Millionen Kronen (etwa 315.000 Euro). Madland selbst klagte gegenüber E24, wie schwierig es sei, in Norwegen Kapital aufzutreiben.

„Wir haben die Entwicklung des Unternehmens von Anfang an begleitet, und mit init als strategischem Investor gewinnt das Unternehmen einen starken Partner für den nächsten wichtigen Schritt: den Ausbau seiner internationalen Präsenz“, sagt Torø.

Was xFlow kann

Applied Autonomy baut keine Fahrzeuge, sondern die Software dahinter. Die herstellerunabhängige Plattform xFlow verbindet autonome Fahrzeuge mit der Leitstelle, überwacht sie in Echtzeit, ermöglicht Fernunterstützung, wenn kein Fahrer an Bord ist, koordiniert Fahraufträge und liefert Betriebsdaten an andere Systeme. In Deutschland nennt sich diese Rolle „Technische Aufsicht“. Gemeinsam mit dem init-Leitsystem MOBILE-ITCS sollen künftig autonome und konventionelle Busse in einer gemeinsamen Betriebsumgebung laufen.

Das Aushängeschild ist Stavanger. Dort fährt seit diesem Jahr der europaweit erste autonome Bus im regulären Linienbetrieb ohne Sicherheitsfahrer an Bord, mitten im städtischen Mischverkehr. Eine Leitstelle überwacht die Fahrt und greift bei Bedarf ein. „Stavanger zeigt, dass autonome Busse im Alltag funktionieren“, sagt Madland. „Der Fernbetrieb macht den Einsatz skalierbar. Verkehrsunternehmen können ihr Angebot sichern, auch wenn Fahrpersonal fehlt.“ xFlow läuft außerdem am Flughafen Rotterdam, in Eindhoven, im Schweizer Arbon und im schwedischen Skiort Sälen.

Busfahrermangel als Geschäftsmodell

Für init geht es vor allem um den deutschen Markt. Laut init fehlen allein in Deutschland mehr als 20.000 Busfahrer:innen bei einem Bestand von rund 87.500 Bussen, rund 40 Prozent des Personals dürften im nächsten Jahrzehnt in Pension gehen. Gleichzeitig leitet init das vom Bundeswirtschaftsministerium geförderte Projekt BRAVE10k, das die Voraussetzungen schaffen soll, um bis 2030 mehr als 10.000 autonome Fahrzeuge in den deutschen öffentlichen Verkehr zu bringen, von einheitlichen Zulassungsverfahren bis zu einem digitalen Zwilling für die Simulation des Betriebs.

Konkurrenz bei der Fernsteuerung

Ganz allein ist init mit dem Plan nicht. Die VW-Tochter MOIA bereitet in Hamburg einen Fahrdienst mit autonomen ID. Buzz vor, die Deutsche-Bahn-Tochter ioki bietet On-Demand-Software für Verkehrsbetriebe an. Auf die Fernsteuerung autonomer Fahrzeuge hat sich auch das Münchner Startup Fernride spezialisiert, das im Vorjahr vom Drohnenhersteller Quantum Systems übernommen wurde. Und bei Robotaxis liegen ohnehin Anbieter aus den USA und China wie Waymo, Baidu oder Pony.ai weit vorne.

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