LegalTech

Legora und Harvey launchen fast gleichzeitig dasselbe Produkt

Legora founder and CEO Max Junestrand leaning against a wall
Legora founder and CEO Max Junestrand. © Legora

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Großartige Köpfe denken offenbar gleich, oder zumindest gleich schnell: Die beiden Legal-AI-Startups Legora und Harvey haben innerhalb eines Tages ein nahezu identisches Produkt vorgestellt, unter exakt demselben Namen. Beide heißen „Intake“, beide richten sich an Rechtsabteilungen in Unternehmen, und beide werden als „Eingangstür“ für juristische Anfragen beworben. Legora aus Stockholm war am vergangenen Dienstag zuerst dran, Harvey aus San Francisco folgte einen Tag später.

Was die beiden Intake-Produkte können

Die Idee ist bei beiden dieselbe: Mitarbeiter:innen aus allen Abteilungen schicken ihre rechtlichen Fragen, Vertragsprüfungen oder Freigaben an eine zentrale Stelle, und ein KI-Agent übernimmt die Vorarbeit. Routinefälle erledigt die Software selbst, alles andere bereitet sie für die Jurist:innen auf.

Legoras Intake ist bereits in Slack verfügbar. Mitarbeiter:innen erwähnen Legora dort direkt in einer Nachricht. Ein Agent fragt fehlende Informationen nach, macht aus jeder Anfrage eine nachverfolgbare Aufgabe und erstellt anhand der Vorgaben der Rechtsabteilung einen ersten Entwurf, den ein:e Anwält:in prüft, bevor etwas zurückgeht. Konkurrierende Tools würden Anfragen nur sortieren und weiterleiten, betont Legora.

Harveys Intake erfasst Anfragen in den Tools, die Mitarbeiter:innen ohnehin nutzen, und leitet sie an den passenden Agenten, die passende Lösung oder die zuständige Jurist:in weiter. Verträge landen automatisch in Harveys Vertragsanalyse, wo auch Mitarbeiter:innen ohne eigene Harvey-Lizenz den Stand verfolgen können. Entwickelt hat Harvey das Produkt gemeinsam mit den Rechtsabteilungen von Carvana, GE Aerospace und Dentsu. „Intake gibt dem Unternehmen eine einzige Eingangstür zur Rechtsberatung“, sagt Harveys Chefjurist John LaBarre laut dem Fachmedium Artificial Lawyer. Zugang gibt es zunächst im Rahmen eines Early-Access-Programms.

Spott und Markenrecht

Aufgefallen war die Doppelung zuerst Artificial Lawyer, das trocken anmerkte, große Köpfe würden eben gleich denken. Die Leser:innen des britischen Portals Legal Cheek waren weniger gnädig. Der meistbewertete Kommentar vermutet, beide hätten ihre KI den Produktnamen aussuchen lassen. Ein anderer weist darauf hin, dass auch die LinkedIn-Postings zum Launch fast gleich formuliert waren. Laut dem Branchenmedium The Lawyer reagierte zudem ein dritter Legal-Tech-Anbieter amüsiert, der bereits ein Produkt mit ähnlichem Namen im Angebot hat.

Einen Rechtsstreit um den Namen dürfte es kaum geben. „Intake“ beschreibt schlicht, was das Produkt tut, und solche Begriffe lassen sich nur schwer als Marke schützen, schreibt das Portal LawFuel. Kund:innen kaufen ohnehin meist die gesamte Plattform samt aller Module.

Der Kampf um die Rechtsabteilungen

Hinter dem Zufall steckt ein harter Wettbewerb. Beide Firmen wollen über die großen Kanzleien hinaus in die Rechtsabteilungen von Konzernen vordringen, einen Markt, der noch weitgehend offen ist. Harvey arbeitet nach eigenen Angaben bereits mit mehr als 1.600 Rechtsabteilungen zusammen, darunter fünf der zehn größten US-Konzerne. Bei Legora machen Unternehmenskund:innen in Großbritannien rund die Hälfte aus, die Nutzung durch Rechtsabteilungen wächst laut Legora mehr als dreimal so schnell wie jene durch Kanzleien.

Auch finanziell liefern sich die beiden ein Rennen. Harvey sammelte erst im September 550 Millionen Dollar (rund 491 Millionen Euro) bei einer Bewertung von 15,6 Milliarden Dollar (rund 13,9 Milliarden Euro) ein. Legora wurde im Frühjahr bei einer Finanzierungsrunde über 550 Millionen Dollar mit 5,55 Milliarden Dollar (rund 4,95 Milliarden Euro) bewertet, laut Financial Times verhandelt das Startup inzwischen über eine Bewertung von mindestens 10 Milliarden Dollar (rund 8,9 Milliarden Euro).

Allein sind die beiden in dem Markt nicht. Auch OpenAI arbeitet direkt mit Rechtsabteilungen, etwa jener des US-Telekomkonzerns AT&T. Dazu kommen Anbieter von Software für Vertragsmanagement, die ebenfalls KI-Agenten einbauen, und in Deutschland Startups wie Noxtua, das zuletzt mehrheitlich an Rechtsverlage ging.

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