Tesla x SpaceX: Kaltgas-Düsen lassen Roadster fliegen und heizen Fusionsgerüchte an
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Ein Sportwagen, der fliegt, weil eine Raketenfirma mitgebaut hat: Bei der Enthüllung des neuen Tesla Roadster stand SpaceX fast so sehr im Mittelpunkt wie das Auto selbst. Die Show fand auf dem SpaceX-Testgelände in McGregor, Texas, statt und begann mit dem Testlauf eines Raptor-Raketentriebwerks. Elon Musk teilte den Livestream auf X mit nur drei Worten: „Tesla x SpaceX“. Das genügte, um die Spekulationen über eine Fusion der beiden Konzerne neu anzufachen. Die gesamte Show gibt es im Livestream von Tesla zum Nachsehen:
So fliegt der Roadster
Hinter den Stunts stecken zwei Systeme. Das erste sind Ventilatoren im Heckdiffusor, die Luft unter dem Auto absaugen. Der Unterdruck presst den Roadster an den Boden, laut Tesla so stark, dass er sich sogar im Stand kopfüber an einer Wand halten kann. Bei der Fahrt die gekrümmte Rampe hinauf zeigte die Anzeige 4.700 Kilogramm Anpressdruck. In Kurven sollen damit mehr als 2 g möglich sein, sagte Teslas Engineering-Chef Lars Moravy.
Das zweite System sind Kaltgas-Düsen. Dabei wird nichts verbrannt: Komprimierte Luft wird in zwei Drucktanks aus kohlefaserummanteltem Metall gespeichert, sogenannten COPVs, die zusammen 600 Liter fassen und rund 250 Kilogramm Luft aufnehmen. Tesla hat laut eigenen Angaben jeden nutzbaren Hohlraum im Auto dafür verwendet. Die Luft entweicht über zehn Düsen. Vier davon sitzen im Heck und schieben das Auto nach vorne, die übrigen an den vier Ecken feuern nach unten, zum Abheben und für weiche Landungen. Elektrische Aktuatoren steuern die Düsen fein nach und stabilisieren das Auto in der Luft.
Die Schubkraft soll bei mehr als 80 Kilonewton liegen, genug, um laut Tesla mehr als 8.000 Kilogramm gegen die Schwerkraft zu halten. Das sei das Vier- bis Fünffache dessen, was die Reifen übertragen können. „Jedes Auto auf der Straße ist heute durch eine Sache begrenzt: die Haftung der Reifen“, schreibt Tesla. Die Düsen umgehen dieses Limit. Wie lange der Roadster fliegen kann, hängt von der Gasmenge ab, Tesla spricht nur von kurzen Strecken. Die Tanks sollen sich während der Fahrt wieder füllen. Das Auto werde sich „einfach aufpumpen“, sagte Musk. Wie lange das dauert, ließ Tesla offen. Bei den Demos saß eine „Starman“-Puppe am Steuer, der Roadster fuhr autonom.
Die Rolle von SpaceX
Damit die Düsen in der Atmosphäre funktionieren, waren laut Tesla neue Hardware und eine neue Steuerung nötig, entwickelt gemeinsam mit SpaceX. Ingenieur:innen beider Firmen hätten eng zusammengearbeitet, berichtet TechCrunch. Die COPV-Tanks sind ein Standardbauteil in SpaceX-Raketen, waren dort allerdings auch an mehreren Explosionen beteiligt. Die Idee selbst ist alt: Schon 2018 kündigte Musk ein „SpaceX-Paket“ für den Roadster an, mit rund zehn kleinen Raketendüsen rund um das Auto.
Musk zeigte sich nach der Show begeistert. „Fliegende Autos sind real“, sagte er und nannte den Roadster „besser als jedes James-Bond-Auto“. Als nächstes Ziel stellte er einen Sprung über den Snake River Canyon in Idaho in Aussicht.
Was das im Alltag bringt und wo man fliegen darf
Für den Alltag ist von der Raketentechnik wenig zu erwarten. Die straßenzugelassene Basisversion Performance hat keine Düsen, sie nutzt nur die Saugventilatoren und die aktive Aerodynamik. Die bringen auch auf normalen Straßen mehr Grip, beim Beschleunigen, Bremsen und in Kurven. Die Version Thrust mit Düsen am Heck nennt Tesla „rennstreckenbereit“, ob sie auf öffentlichen Straßen fahren darf, sagte Tesla nicht. Die fliegende Version Rocket ist ausdrücklich nicht für den Straßenverkehr zugelassen und nur auf Einladung erhältlich.
Musk selbst wich bei der Frage nach der Zulassung aus. Der Roadster werde „ein echtes Auto, das auf den Straßen fährt“, sagte er zunächst, schränkte dann aber ein, er sei sich „nicht sicher, ob das in allen Rechtsordnungen legal ist“. Auf die Nachfrage aus dem Publikum antwortete er: „Hängt von deiner Straße ab.“ Realistisch bleiben für die Flugfunktion damit private Gelände, Rennstrecken und Shows. Eine Zulassung als Luftfahrzeug durch die US-Luftfahrtbehörde FAA hat Tesla nicht, und für Europa hat sich Tesla zur Zulassung der Düsen noch nicht geäußert.
Auch praktisch gibt es Grenzen. Kritiker:innen bei Electrek bezweifeln, dass sich die Düsen öfter als alle paar Minuten einsetzen lassen, und warnen, dass die Gasstrahlen auf Rennstrecken Steine und Schmutz Richtung Publikum schleudern könnten. Axios schreibt, es sei schwer vorstellbar, welchen praktischen Zweck ein fliegender Sportwagen erfüllen soll, die Technik für Aerodynamik und Traktion könne aber auch in anderen Autos landen. Musk räumte ein, der Roadster sei „nicht unbedingt ein auf Sicherheit optimiertes Auto“.
Kommt die Fusion noch heuer?
Die enge Zusammenarbeit fällt in eine Phase, in der Analyst:innen offen über einen Zusammenschluss spekulieren. Laut Barclays-Analyst Dan Levy könnte ein Deal noch in diesem Jahr kommen, wie Axios berichtet. Als wahrscheinlichste Variante sieht Barclays eine Übernahme von Tesla durch SpaceX, bezahlt in Aktien und mit einem Aufschlag für die Tesla-Aktionär:innen. Teslas Hauptversammlung muss bis spätestens Anfang Dezember stattfinden. Wird ein Deal Ende Oktober oder Anfang November angekündigt, könnte er dort bereits abgesegnet werden. Andernfalls rechnet Barclays mit sechs bis zwölf Monaten.
Die Größenordnungen sind gewaltig. Barclays bewertet SpaceX mit rund 2,1 Billionen Dollar (rund 1,87 Billionen Euro) und Tesla mit rund 1,5 Billionen Dollar (rund 1,34 Billionen Euro). SpaceX war erst im Juni an die Börse gegangen und hatte bereits im Februar Musks KI-Firma xAI geschluckt. Für Musk ginge es vor allem um Kontrolle: Bei SpaceX hält er rund 48 Prozent der Anteile und rund 82 Prozent der Stimmrechte, bei Tesla rund 20 Prozent. Nach einer Fusion käme er laut Barclays auf rund 37 Prozent der Anteile und 56 Prozent der Stimmen. Musk hatte wiederholt erklärt, er wolle rund 25 Prozent an Tesla, um die KI- und Robotik-Strategie zu bestimmen.
Als Begründung sehen die Analyst:innen vor allem KI. Teslas Robotaxis und der Roboter Optimus ließen sich mit SpaceX‘ KI-Modell Grok verbinden, dazu kämen Starlink und Teslas Energiespeicher für Rechenzentren im All. Auch Musks geplante Chipfabrik Terafab, die beide Firmen mit Rechenleistung versorgen soll, wäre in einem Konzern leichter umzusetzen.
Was dagegen spricht
Bestätigt haben weder Tesla noch SpaceX Gespräche. Für einen Deal müssten die Aktionär:innen und Aufsichtsgremien beider Firmen zustimmen, außerdem die Wettbewerbsbehörden. Barclays nennt weitere Hürden: SpaceX hat viele Aufträge der US-Regierung, Tesla dagegen ein großes Geschäft in China, was Fragen der nationalen Sicherheit aufwerfen könnte. Und finanziell passen die Firmen nicht ohne Weiteres zusammen. Laut Analyst:innen-Konsens von Bloomberg soll Tesla im Jahr 2030 rund 12 Milliarden Dollar (rund 10,7 Milliarden Euro) an freiem Cashflow erwirtschaften, während SpaceX rund 17 Milliarden Dollar (rund 15,2 Milliarden Euro) verbrauchen dürfte. Electrek, das den Roadster seit Jahren kritisch begleitet, sieht die Show auch als Inszenierung, die die beiden Marken vor einer möglichen Fusion enger verknüpfen soll.

