IWF warnt vor Schuldenspirale beim KI-Ausbau
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Der KI-Boom läuft zunehmend auf Pump, und das macht den Internationalen Währungsfonds (IWF) nervös: In seinem soeben veröffentlichten Global Financial Stability Report stellt der IWF eine Korrektur bei KI-Werten an die Spitze der Risiken für die Finanzmärkte, noch vor steigenden Anleiherenditen und Cyberangriffen. Es gebe „keinen Platz für Selbstzufriedenheit“, schreiben die IWF-Ökonomen Athanasios Vamvakidis und Jason Wu in einem Blogbeitrag zum Bericht.
KI-Korrektur als Risiko Nummer eins
KI stützt inzwischen Wirtschaft und Börsen weltweit, über Investitionen in Rechenzentren, Chips und Infrastruktur sowie über die hohen Gewinne der Konzerne, die den Boom treiben. Fallen diese Investitionen schwächer oder weniger nachhaltig aus als erwartet, oder bleiben die Gewinne aus, droht laut IWF eine Korrektur bei KI-Aktien und anderen KI-nahen Anlagen. Verstärkt würde sie durch steigende Schulden und eine starke Konzentration der Risiken.
Wie stark sich der Hebel aufgebaut hat, zeigen zwei Zahlen aus dem Bericht. Die großen Cloud-Konzerne (Hyperscaler) stellen inzwischen 10 Prozent aller weltweit begebenen Anleihen mit Investment-Grade-Rating, zuvor war es weniger als 1 Prozent, wie Unite.AI zusammenfasst. Gleichzeitig sinkt ihr freier Cashflow, weil die Ausgaben für KI so stark wachsen. Auch Anleger:innen setzen mehr auf Kredit: Bei gehebelten ETFs entfallen inzwischen 28 Prozent auf Einzelaktien, nach 16 Prozent zuvor. Die Aktienpositionen von Hedgefonds plus Wertpapierkredite sind zudem von rund 10 auf rund 15 Prozent der Wirtschaftsleistung der Industriestaaten gewachsen.
Wie schnell die Stimmung kippen kann, haben zuletzt die Kurseinbrüche bei KI- und Chipaktien gezeigt. Im Sommer hatten bereits Expert:innen der EZB vor dem Platzen einer KI-Blase gewarnt.
Der Kreislauf der KI-Finanzierung
Besonders kritisch sieht der IWF die zirkuläre Finanzierung in der KI-Branche. Er hat dafür 14 öffentlich bekannte Deals seit 2023 untersucht. Darin haben Hyperscaler rund 300 Milliarden Dollar (rund 268 Milliarden Euro) an Eigenkapital in KI-Firmen gesteckt und rund 650 Milliarden Dollar (rund 580 Milliarden Euro) an Schulden bereitgestellt. Im Gegenzug haben sich die KI-Firmen verpflichtet, künftig 1,4 Billionen Dollar (rund 1,25 Billionen Euro) bei ihren Geldgebern auszugeben, etwa für Rechenzentren, Rechenleistung und Cloud-Dienste. Rund 320 Milliarden Dollar der Schulden liegen laut Bericht bei den finanzierten Firmen selbst, teils mit Garantien der Investoren oder außerhalb der Bilanz.
Das Problem liegt in der gegenseitigen Abhängigkeit. Die Empfänger sind finanziell meist deutlich schwächer als die Hyperscaler, die sie finanzieren. Gerät einer von ihnen in Schwierigkeiten, sinken die erwarteten Umsätze der Geldgeber, damit der Wert ihrer Beteiligungen und auch die Sicherheit der Kredite, die an diesen Deals hängen. Der IWF spricht von „Wrong-Way-Risk“: Die Investments verlieren genau dann an Wert, wenn auch die daran geknüpften Einnahmen wegbrechen.
Der IWF empfiehlt deshalb, Hebel und Liquiditätsrisiken im KI-Sektor zu begrenzen, etwa über Kapitalanforderungen für einzelne Sektoren und Konzentrationsgrenzen für Bankkredite.
Die Gegenseite
Der IWF selbst betont, dass die Hyperscaler in ihrem Kerngeschäft hohe Gewinne schreiben, über starke Cashflows und gute Kreditratings verfügen und dass ihre Investor:innen finanziell im Allgemeinen solide aufgestellt sind. Weil die KI-Gewinne die Prognosen zuletzt immer wieder übertroffen haben, sind die Kurs-Gewinn-Verhältnisse sogar gesunken. Auch an der Wall Street sehen viele keine Blase: Analyst:innen von Goldman Sachs und Morgan Stanley halten entsprechende Sorgen für verfrüht, und ein Indikatorenmodell von JPMorgan kommt laut Tech Times zu dem Schluss, dass der KI-Boom die Kriterien einer Blase noch nicht erfüllt.

