Neuer Tesla Roadster kann fliegen, kommt aber erst 2028
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Neun Jahre gewartet, und dann hebt er ab: Tesla hat in der Nacht auf Freitag auf einem SpaceX-Testgelände in McGregor, Texas, die zweite Generation seines Elektro-Sportwagens Roadster gezeigt. Das Auto fuhr eine gekrümmte Wand hinauf, schwebte mithilfe von Kaltgas-Düsen und sprang mit einer Drehung über eine Reihe geparkter Tesla-Fahrzeuge. Gebaut werden soll es ab 2028. „Wirklich. Echt jetzt“, versicherte Tesla von der Bühne aus.
Was bei der Show zu sehen war
Vor dem eigentlichen Auftritt zündete SpaceX ein Raptor-Triebwerk. Dann fuhr der Roadster eine geschwungene Rampe bis in rund 21 Meter Höhe hinauf, fast kopfüber, gehalten von Ventilatoren, die Luft unter dem Auto absaugen. Anschließend sprang er mit einem Kickflip über Cybercab, Cybertruck, Semi, Model Y und Model 3. Am Steuer saß eine „Starman“-Puppe, das Auto fuhr autonom. Das sei so, „um sicherzugehen, dass wir niemanden umbringen“, sagte Elon Musk.
Beim Beschleunigungstest von 0 auf 96 km/h (60 mph) zeigte Tesla zunächst eine Aufnahme mit rund einer Sekunde, live waren es dann 0,81 Sekunden. Musk nannte das Auto den „besten der letzten von Menschen gefahrenen Autos“ und kündigte an, Tesla wolle damit über den Snake River Canyon in Idaho springen. Die gesamte Show gibt es im Livestream von Tesla zum Nachsehen:
Drei Versionen, eine davon nur auf Einladung
Nach dem Livestream veröffentlichte Tesla die Konfigurationen auf X, wie Electrek zusammenfasst:
- Performance: Die straßenzugelassene Basisversion mit zwei Sitzen, aktiver Aerodynamik und Saugventilatoren beschleunigt in unter 1,6 Sekunden auf 96 km/h.
- Thrust: Die Rennversion mit zwei Sitzen hat zusätzlich Kaltgas-Düsen am Heck und schafft den Sprint in unter 0,9 Sekunden. Sie kommt nur in limitierter Stückzahl.
- Rocket: Der Einsitzer mit Düsen rund um das Auto kann abheben und sich in der Luft drehen. Laut Tesla braucht er weniger als 0,59 Sekunden auf 96 km/h und fährt mehr als 370 km/h. Er ist nur auf Einladung erhältlich und nicht für öffentliche Straßen zugelassen.
Die Technik dahinter stammt laut Tesla aus der Zusammenarbeit mit SpaceX. Zehn Düsen werden aus zwei kohlefaserummantelten Drucktanks mit zusammen 600 Litern gespeist, die rund 250 Kilogramm Luft fassen. Die Schubkraft soll bei mehr als 80 Kilonewton liegen, also ein Vielfaches dessen, was die Reifen übertragen können. Die Tanks sollen sich während der Fahrt wieder füllen lassen, wie lange das dauert, sagte Tesla nicht. Die Ventilatoren sollen in Kurven mehr als 2 g ermöglichen. Optisch orientiert sich der Roadster am Aufklärungsflugzeug SR-71 und am Kampfjet F-35, gesteuert wird per Yoke und Steer-by-Wire, die Karosserie besteht aus Magnesium, Titan und Kohlefaser.
Weniger Reichweite, weniger Sitze als versprochen
Gegenüber dem Prototyp von 2017, den Trending Topics damals vorgestellt hat, hat sich einiges verändert. Statt rund 1.000 Kilometern Reichweite nennt Tesla nun mehr als 480 Kilometer. Aus dem versprochenen Viersitzer ist ein Zweisitzer geworden, beim Topmodell sogar ein Einsitzer. Die Höchstgeschwindigkeit liegt mit mehr als 370 km/h unter den einst angekündigten über 400 km/h. Bei der Beschleunigung übertrifft der neue Roadster die damals versprochenen 1,9 Sekunden dagegen deutlich. Wie lange Tesla für die Enthüllung gebraucht hat, zeigt unser Rückblick vom Vortag.
Preis weiter offen
Einen Preis nannte Tesla für keine der Versionen. Die Reservierungen sind aber wieder offen: Sofort fällig werden 5.000 Dollar (rund 4.500 Euro), weitere 45.000 Dollar (rund 40.100 Euro) innerhalb von zehn Tagen, sonst verfällt die Reservierung. Insgesamt sind das 50.000 Dollar (rund 44.600 Euro), genau so viel wie 2017. Für die Thrust-Version verlangt Tesla 250.000 Dollar (rund 223.000 Euro) Anzahlung. 2017 lag der Basispreis bei 200.000 Dollar (rund 178.000 Euro).
Finanziell spielt der Roadster für Tesla eine kleine Rolle. Seth Goldstein, Analyst bei Morningstar, rechnet mit rund 2.000 verkauften Exemplaren pro Jahr, bei zuletzt rund 1,6 Millionen ausgelieferten Fahrzeugen insgesamt. Musk selbst sagte, der Roadster bewege beim Umsatz „nicht massiv etwas“. Er sieht ihn als Aushängeschild neben KI, Robotaxis und dem Roboter Optimus.
Die Konkurrenz
Mit den Beschleunigungswerten liegt Tesla auf dem Papier vor allen Serienautos. Der Rimac Nevera R, eines der schnellsten Elektroautos am Markt, braucht laut Hersteller 1,72 Sekunden auf 100 km/h und kostet rund 2,1 Millionen Euro. Den Rekord bei der Höchstgeschwindigkeit hält der Yangwang U9 von BYD mit 496 km/h. Das Prinzip der Saugventilatoren nutzt bereits der britische McMurtry Spéirling, der damit auf Rennstrecken Rekorde aufgestellt hat. Ferrari ist mit dem vollelektrischen Luce ab 550.000 Euro im Spiel, setzt aber auf einen Viertürer mit fünf Sitzen.
Kritik an der Technik
Electrek, das die Verzögerungen seit Jahren begleitet, hält die Vorführungen für echt, die Leistungsdaten aber für unbestätigt. In einer technischen Einordnung heißt es, Schub nach oben bringe beim Fahren keinen Vorteil, weil die Reifen dadurch weniger Grip hätten. Die Düsen am Heck und an den Seiten könnten dagegen tatsächlich beim Beschleunigen und in Kurven helfen. Offen seien die Fragen, wie oft sich die Düsen nutzen lassen, wie schnell der Schub einsetzt und ob die Gasstrahlen auf Rennstrecken Schmutz in Richtung Publikum schleudern. Auch Musk räumte ein, der Roadster sei „nicht unbedingt ein auf Sicherheit optimiertes Auto“ und vermutlich nicht in allen Ländern straßenzulässig.

