PlusMarie: Wiener Fintech finanziert Wärmepumpe und Pool auf Raten
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Wärmepumpe auf Raten statt Sparbuch plündern: Das neue Wiener Fintech PlusMarie will kleinen Handwerksbetrieben ermöglichen, ihren Kund:innen Finanzierungen anzubieten, ohne selbst Kreditprozesse und Bankvergleiche aufbauen zu müssen. Das Startup wurde im Sommer gegründet, ist seit Ende August am Markt und arbeitet nach eigenen Angaben bereits mit rund 30 Handwerksbetrieben und mehreren etablierten Banken zusammen, darunter bank99, Bank Austria, Oberbank und easyleasing.
Erst das Projekt, dann das Geld
Den Unterschied zu klassischen Kreditvergleichen sieht Mitgründer Michael Bayer im Ansatz. „Die meisten Finanzierungsplattformen fragen, wie viel Geld man braucht, und organisieren es. Da wir auf den Heimverbesserungsmarkt spezialisiert sind, fragen wir zuerst nach dem Projekt und helfen mit der optimalen Lösung“, sagt er gegenüber Trending Topics. Für PV-Anlagen und Wärmepumpen sei Leasing oft günstiger als ein Kredit, häufig werde die Rate auch an die erwartete Stromersparnis angepasst. „Bei Swimmingpools ist es öfter so, dass Leute bei der Hypothek am Haus Spielraum haben, dann schulden wir die Hypothek um.“
Auch für Privatkund:innen
Neben dem Weg über Betriebe können Privatkund:innen ihre Vorhaben auch direkt über plusmarie.at finanzieren. Am häufigsten nachgefragt werden laut PlusMarie PV-Anlagen, Klimaanlagen, Pools, Bäder, Fenster und Sonnenschutz, Dächer, Heizungen, Wärmepumpen und Gärten. Je nach Projekt prüft die Plattform Kredit, Leasing oder Hypothek und begleitet auch Umschuldungen bestehender Hypotheken.
Für die Kund:innen ist der Vergleich kostenlos und unverbindlich. PlusMarie selbst ist keine Bank: Den Vertrag schließt man direkt mit jener Partnerbank ab, deren Angebot man wählt. Verbindlich wird es erst mit der Unterschrift. Die Banken bieten über PlusMarie nach Angaben des Startups dieselben Zinssätze wie über andere Finanzierungsplattformen. Die Provision fließe nur indirekt in den Zinssatz ein, durch den Wettbewerb mehrerer Banken um eine Finanzierung könne diese unterm Strich sogar günstiger ausfallen. Unterlagen wie Ausweis und Einkommensnachweise lassen sich im Antrag nachreichen.
Statusupdates für Betriebe
Die zweite Zielgruppe sind die Betriebe selbst. Im österreichischen Heimverbesserungsmarkt gibt es mehr als 20.000 davon, die meisten mit weniger als zehn Mitarbeiter:innen. „Wenn ein Betrieb seine Kunden zu einer anderen Vergleichsplattform schickt, weiß er nicht, ob und wann der Kunde das Geld bekommt“, so Bayer. PlusMarie liefert Statusupdates und ermöglicht Betrieben damit, direkt Ratenzahlung anzubieten. Bisher gehe das meist nur über eine direkte Kooperation zwischen Betrieb und Bank, „dann hat der Endkunde aber keine Vergleichsmöglichkeit“.
Zusätzlichen Druck bringt die Novelle des Verbraucherkreditgesetzes, die Ende November in Kraft tritt. Betriebe, die selbst Raten anbieten, müssen dann die Bonität ihrer Kund:innen prüfen und dokumentieren und dürfen Raten nur gewähren, wenn die Rückzahlung wahrscheinlich ist. Ohne eigene Kredit- und Rechtsabteilung sei das kaum machbar, argumentiert PlusMarie.
Erste Bank und Raiffeisen im Visier
Noch fehlen die beiden größten Bankengruppen des Landes unter den Partnern. „Ich möchte nichts verschreien, aber wir hoffen, bald die Kooperation mit einer davon bekanntgeben zu können“, sagt Bayer zu Erste Bank und Raiffeisen. Manche Banken seien flexibler, wenn es darum gehe, auch Konsumfinanzierungen mit Partnern wie PlusMarie umzusetzen. Das Ziel ist ambitioniert: „Ich denke, dass wir zum gleichen Zeitraum 2027 vermutlich 10 oder mehr Bankpartner haben.“
Das Geschäftsmodell ist klassisch: PlusMarie erhält von den Banken eine Vermittlungsprovision in Prozent der Finanzierungssumme. Hinter dem Startup stehen Michael Bayer und Matthias Hausberger, die beide an der WU Wien studiert haben. Bayer war danach vier Jahre bei Morgan Stanley in London, Hausberger vier Jahre im Produktmanagement beim Berliner Softwareunternehmen Contentful.
Die Konkurrenz
PlusMarie tritt gegen etablierte Kreditvergleichsportale an und gegen Banken, die direkt mit Betrieben kooperieren. In Deutschland verfolgt das Berliner Climate-Fintech Bees & Bears einen ähnlichen Ansatz: Handwerksbetriebe können darüber direkt im Beratungsgespräch Ratenzahlungen für Solaranlagen, Wärmepumpen und Batteriespeicher anbieten. Das Startup hat sich dafür einen Finanzierungsrahmen von 500 Millionen Euro gesichert. Direkt in Österreich aktiv ist bereits das Berliner Energie-Fintech Cloover, das Installationsbetrieben eine Software- und Finanzierungsplattform für PV-Anlagen, Wärmepumpen, Speicher und Wallboxen bietet. Cloover hat ein Büro in Wien eröffnet und will hierzulande heuer Anlagen im Wert von rund 50 Millionen Euro finanzieren. Das 2023 gegründete Unternehmen ist nach eigenen Angaben profitabel und kommt auf eine Runrate von mehr als 300 Millionen Euro, gemessen am Wert der über die Plattform verkauften Anlagen.

