LehreCheck: Tiroler Startup baut ein Matching für Lehrberufe
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Schluss mit Broschüren, die im Papierkorb landen: Die beiden Zillertaler Maximilian Petz und Patrick Bergher haben LehreCheck gegründet, eine digitale Plattform, die Jugendliche mit passenden Lehrberufen und Lehrbetrieben zusammenbringen soll. Für Schüler:innen, Eltern und Lehrkräfte ist sie kostenlos, sie ist auf das Smartphone ausgelegt und startet mit Schwerpunkt Tirol, ist aber von Anfang an in ganz Österreich nutzbar. Das Ziel der Gründer ist ein Imagewechsel. „Die Lehre ist ein erstklassiger Karriereweg mit unendlichen Möglichkeiten. Es wird Zeit, dass sie auch wieder den Stellenwert bekommt, den sie verdient“, sagt Bergher.
Die Gründer kennen die Lehre selbst
Hinter LehreCheck steht die Check Network GmbH mit Sitz in Fügen im Zillertal, die beiden Gründer sind auch die Geschäftsführer. Beide haben selbst eine Lehre gemacht. Patrick Bergher absolvierte laut der Website eine Doppellehre als Metallbau- und Elektrotechniker beim Verbund, holte die Berufsmatura nach und studiert heute Architektur. Maximilian Petz ist gelernter Industriekaufmann bei Binderholz und war danach im Vertriebsaußendienst tätig.
Die Idee entstand laut der Gründungsgeschichte bereits 2023. Ein Jahr später legten die beiden das Projekt zunächst auf Eis, weil sie zu viel Konkurrenz sahen. Im Sommer 2025 holten sie es wieder hervor. Weil das Geld für eine Programmierfirma fehlte, suchten sie einen Partner und fanden ihn im Herbst 2025. Als Unterstützer nennt die Website die Growth-Marketing-Agentur Klixpert, die an derselben Adresse in Fügen sitzt wie LehreCheck. Danach befragten die Gründer Schulen und Betriebe, im Sommer 2026 ging die Website online.
So funktioniert der Check
Das Herzstück sind drei kurze Tests, die aufeinander aufbauen. Laut der Website sind alle anonym:
- Stärkencheck: 22 Fragen in rund zwei Minuten. Das Ergebnis zeigt neun Stärken und ein Persönlichkeitsprofil, noch ganz ohne Berufsbezeichnungen.
- Bereichscheck: 28 Fragen in rund drei Minuten. Daraus ergeben sich die drei passendsten von zehn Arbeitswelten, etwa Werkstatt und Bau, IT und Digitales, Büro, Gesundheit und Pflege oder Natur und Tiere.
- Berufscheck: Weitere 28 Fragen gleichen Stärken, Interessen und Persönlichkeit mit über 350 Lehrberufen ab. Am Ende stehen die besten Treffer mit Match-Score, dazu offene Lehrstellen und Schnupperplätze aus der Region.

Zu jedem Lehrberuf zeigt die Plattform Dauer, Lehrlingseinkommen, Einstiegsgehalt nach der Lehre und Gehaltsvergleiche mit ähnlichen Berufen. Dazu kommt ein Zukunfts-Check, der zeigen soll, warum handwerkliche und soziale Kompetenzen auch im KI-Zeitalter gefragt bleiben. Eltern bekommen eigene Informationen zu Karrierepfaden in der dualen Ausbildung, Lehrkräfte können die Tests im Unterricht ab der 7. Schulstufe einsetzen. Material dafür gibt es laut den FAQ kostenlos, Vorbereitungszeit sei nahezu keine nötig.
Woher die Daten kommen
Die offenen Lehrstellen stammen aus bestehenden Jobportalen. Bei den Inseraten verweist LehreCheck etwa auf die AMS-Jobplattform und auf lehrlingsportal.at, inklusive Angabe, wann ein Inserat zuletzt gesehen wurde. Zusätzlich sollen sich Betriebe selbst registrieren können.
Für die Datenbank mit den Lehrberufen setzt LehreCheck auf KI. Laut dem KI-Hinweis der Plattform hilft sie dabei, große Datenmengen zu strukturieren und veraltete Informationen aufzuspüren. Jeder so vorbereitete Datensatz werde aber von der Redaktion händisch geprüft. Auch das Matching basiert auf Algorithmen, die die Angaben aus den Tests auswerten. Endgültige Entscheidungen treffe die KI dabei nicht, sie diene als „digitaler Kompass“. Zusätzlich gibt es eine semantische Suche, in der Jugendliche in eigenen Worten beschreiben können, was ihnen Spaß macht. Bei den Gehaltsangaben handelt es sich laut der Plattform um Durchschnittswerte.
Ein Teil der Inhalte entsteht ganz analog: In der Videoreihe „Anpacken oder Abkacken“ arbeiten die Gründer selbst einen halben Tag in einem Betrieb mit und filmen den echten Arbeitsalltag.
Wie LehreCheck Geld verdienen könnte
Für Jugendliche, Eltern und Lehrkräfte soll LehreCheck kostenlos bleiben. Bei den Betrieben ist das Bild noch offen. Auf die Frage „Was kostet mich das?“ antworten die FAQ derzeit nur mit „Bald Verfügbar“. Aktuell können sich Betriebe lediglich kostenlos und unverbindlich auf eine Warteliste setzen lassen. Viele Funktionen für Unternehmen sind als „bald verfügbar“ markiert, etwa direkte Bewerbungen über die Plattform.
Wohin die Reise gehen dürfte, lässt sich aus den FAQ für Betriebe und Personalabteilungen ablesen. Folgende Bausteine werden dort beschrieben und eignen sich als mögliche Bezahlprodukte:
- Matching und Bewerbungen: Betriebe werden Jugendlichen vorgeschlagen, deren Profil passt. Bewerbungen sollen per WhatsApp-Benachrichtigung eintreffen, der Eignungstest soll Absagen und „Ghosting“ beim Schnuppern reduzieren.
- Employer Branding als Service: Betriebe laden Fotos hoch oder lassen sich jemanden schicken, der filmt. LehreCheck übernimmt laut eigener Aussage die „Übersetzung in die Sprache der Jugend“ und die Verbreitung, Profilaufbau und laufende Content-Erstellung lassen sich auslagern.
- Auswertungen für HR: Personalabteilungen sollen sehen, wie viele Aufrufe und Bewerbungsklicks ihre Inhalte erzielen.
- Anbindung an HR-Systeme: Bewerberdaten sollen sich direkt in bestehende Systeme übernehmen oder DSGVO-konform exportieren lassen.
Denkbar sind damit klassische Modelle von Recruiting-Plattformen: kostenpflichtige Betriebsprofile im Abo, bezahlte Sichtbarkeit bei passenden Jugendlichen, Gebühren pro vermittelter Bewerbung oder Content-Pakete wie die Betriebsvideos. Bestätigt haben die Gründer davon noch nichts. Von Recruiting-Agenturen grenzen sie sich jedenfalls klar ab: LehreCheck biete richtige Berufsorientierung und könne Jugendlichen dadurch transparent zeigen, wie der Alltag in einem Betrieb aussieht, heißt es in den FAQ.
Ein Markt mit vielen Playern
Die Konkurrenz, die die Gründer 2024 noch abschreckte, ist tatsächlich groß. Das AMS betreibt eine eigene Lehrstellenbörse und Werkzeuge zur Berufsorientierung, die Wirtschaftskammer informiert über ihr Berufsinformationsportal BIC.at. Lehrstellen sammelt auch lehrlingsportal.at, dessen Inserate LehreCheck selbst einbindet. Mit Videos aus dem Berufsalltag ist whatchado seit Jahren am Markt und kooperiert etwa mit Jobiqo bei Video-Job-Ads. Für die Zeit nach der Lehrstellensuche gibt es spezialisierte Anbieter wie die Plattform Ausbildex, die Betriebe bei der Lehrlingsausbildung selbst unterstützt.
LehreCheck setzt dagegen auf die Kombination aus Tests, regionalen Lehrstellen und einer Tonalität, die sich klar an Gen Z richtet. Wie gut das Matching funktioniert, wird sich erst zeigen, wenn genug Betriebe an Bord sind und die Funktionen für Unternehmen live gehen.

