Margelo: Wiener Software-Startup um 20 Mio. Euro an Callstack aus Polen verkauft
Trending Topics auf Google als bevorzugte Nachrichtenquelle festlegen.
Der polnische Software-Spezialist Callstack übernimmt das Wiener Engineering-Unternehmen Margelo. Wie die beiden Firmen soeben bekannt gaben, wird Margelo in der Transaktion mit mehr als 20 Millionen Euro bewertet. Beide Unternehmen arbeiten im selben technischen Feld: dem Cross-Platform-Framework React Native, mit dem sich Apps für iOS und Android aus einer gemeinsamen Codebasis bauen lassen.
Was Margelo macht
Margelo mit Sitz in Wien ist in der React-Native-Community vor allem durch seine Open-Source-Bibliotheken bekannt. Dazu zählen Nitro Modules, mit denen sich native Module in C++, Swift oder Kotlin schreiben lassen (nach Firmenangaben 34 Millionen Downloads), das Kamera-Framework VisionCamera (40 Millionen Downloads) und die Key-Value-Datenbank react-native-mmkv (67 Millionen Downloads). Auf seiner Website weist das Unternehmen insgesamt mehr als 420 Millionen npm-Downloads und über 800 Beiträge zum React-Native-Kern aus.
Das Geschäftsmodell besteht daneben aus Auftragsentwicklung und Performance-Optimierung für App-Anbieter. Als Referenzen nennt Margelo unter anderem Discord, Coinbase, Expensify, MetaMask, Rainbow, VSCO und WalletConnect. Laut eigener Darstellung arbeiten rund 39 Senior-Entwickler:innen für die Firma. Gegründet und geführt wird sie von Marc Rousavy, der in der React-Native-Szene auch als Maintainer der genannten Libraries bekannt ist.
Rousavy selbst beschreibt den Start vor fünf Jahren als Sprung ins kalte Wasser: „Ich habe Margelo vor 5 Jahren gegründet und hatte damals keine Ahnung von Business, ich habe sogar nach nur 3 Tagen mein Wirtschaftsstudium abgebrochen.“ Bekannt geworden sei die Firma über ihre Libraries: „Mit Open-Source-Libraries wie VisionCamera (40 Mio. Downloads) und react-native-mmkv (67 Mio. Downloads) haben wir uns einen Namen für High-End Performance Software gemacht und konnten schnell Kunden wie Discord, Coinbase, Expensify und VSCO für uns gewinnen.“
Den Schwenk stärker in Richtung Architektur datiert er auf 2024: „Vor zwei Jahren haben wir mit Nitro (34 Mio. Downloads) noch stärker auf Mobile Architecture gesetzt. Nitro wurde innerhalb kürzester Zeit breit von der Community angenommen und hat uns ermöglicht, noch mehr unserer Ideen umzusetzen.“
Was Callstack macht
Callstack wurde 2016 in Wrocław gegründet, wenige Monate nach der Veröffentlichung von React Native durch Meta. Das Unternehmen beschäftigt nach eigenen Angaben mehr als 200 Personen und betreut über 100 Enterprise-Kund:innen. Der Schwerpunkt liegt darauf, große Organisationen bei Einführung, Skalierung und Betrieb von React Native zu begleiten. Callstack ist außerdem Gründungsmitglied der React Foundation, jener Organisation, in die Meta die Verwaltung von React und React Native ausgelagert hat.
Finanziell wurde das Unternehmen zuletzt im Sommer 2025 gestärkt: Damals stieg der US-Fonds Viking Global Investors mit einem Wachstumsinvestment ein, das Callstack laut eigener Aussendung mit rund einer halben Milliarde Zloty (etwa 120 Millionen Euro) bewertete. Die aktuelle Übernahme wird als Folgeschritt dieser Wachstumsfinanzierung dargestellt.
Wie der Deal aussieht
Öffentlich gemacht wurde bislang nur die Bewertung von mehr als 20 Millionen Euro. Kaufpreis, Struktur der Gegenleistung und die Frage, wie viel davon in bar oder in Anteilen fließt, nennen die Unternehmen nicht. Auch zu einem Closing-Zeitpunkt oder zu behördlichen Freigaben gibt es keine Angaben.
Klar ist die personelle Seite: Marc Rousavy bleibt an Bord, verantwortet weiter die Weiterentwicklung der Margelo-Bibliotheken und arbeitet am gemeinsamen Angebot beider Firmen mit. Er selbst verweist zudem auf seine künftige Rolle als Gesellschafter und auf eine lange Vorgeschichte des Deals: „Mike Grabowski von Callstack und ich sind schon lange befreundet. Umso mehr freue ich mich darauf, weiterhin einen bedeutenden Anteil am Unternehmen zu halten und gemeinsam Mobile Technology auf ein völlig neues Level zu bringen.“ An sein Team gerichtet ergänzt er: „Ich möchte meinem gesamten Team dafür danken, dass es Margelo zu dem gemacht hat, was es heute ist.“
Die bestehenden Open-Source-Projekte bleiben laut Aussendung Open Source, ein Punkt, der in der Community bei Übernahmen von Library-Maintainern regelmäßig für Diskussionen sorgt.
Die Zukunftspläne
Callstack will mit dem Zukauf sein Technologie- und Open-Source-Portfolio verbreitern und international weiter wachsen. Margelos Technologie soll künftig demselben Kundenkreis angeboten werden, den Callstack im Enterprise-Segment bedient.
Beide Unternehmen begründen den Zusammenschluss mit der Veränderung, die KI in der Softwareentwicklung auslöst. Weil sich das reine Implementieren von Code durch KI-Werkzeuge beschleunige und verbillige, verschiebe sich der Wert der Arbeit stärker in Richtung Architektur, Performance, native Integration, Validierung und sichere Releases. Rousavy formuliert es so: Je stärker Softwareentwicklung agentisch werde, desto mehr brauche es eine belastbare technische Grundlage, auf der Teams gemeinsam mit Agents zuverlässige Software bauen können.
Callstack-CEO Mike Grabowski wiederum verweist auf die Kombination aus Margelos Performance-Technologie und der eigenen Erfahrung in komplexen Konzernumgebungen: Damit habe man Team und Reichweite, um mehr jener Probleme zu lösen, die über Erfolg oder Misserfolg von Software im Produktivbetrieb entscheiden.

