Meta-Tochter Manus launcht mit „My Computer“ einen Konkurrenten zu OpenClaw
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Die Agent-Strategie von Mark Zuckerberg nimmt Gestalt an: Nach dem Zukauf des auf KI-Agenten spezialisierten Startups Manus aus China und der Übernahme von Moltbook bringt das neue Tochterunternehmen etwas auf den Markt, das doch sehr an OpenClaw erinnert.
Denn die Meta-Tochter Manus hat eine neue Funktion vorgestellt, die KI-Agenten direkt auf den lokalen Computer der Nutzerinnen und Nutzer bringt. Die Funktion namens „My Computer“ ist Teil der neuen Manus-Desktop-Anwendung und steht ab sofort für macOS und Windows zur Verfügung. Beobachter ziehen dabei Parallelen zu OpenClaw, dem persönlichen KI-Assistenten von Peter Steinberger, der kürzlich zu OpenAI gewechselt ist (und den Zuckerberg eigentlich bei sich haben wollte).
Zuletzt hat etwa auch Perplexity mit „Personal Computer“ eine sehr ähnliche Anwendung an den Start gebracht, und vor allem in China sind Tech-Unternehmen bereits voll auf den OpenClaw-Zug aufgesprungen (mehr dazu hier).
Was „Mein Computer“ können soll
Bislang arbeitete Manus ausschließlich in einer cloudbasierten Sandbox, also einer isolierten Online-Umgebung mit eigenem Dateisystem, Browser und Kommandozeile. Mit „My Computer“ verlässt der Agent diese Grenzen und erhält direkten Zugriff auf lokale Dateien, Anwendungen und Ressourcen des Nutzerrechners. Die Steuerung erfolgt über Terminal-Befehle, die Manus eigenständig ausführt.
Die Einsatzmöglichkeiten reichen von einfachen Dateiorganisationsaufgaben bis hin zur vollständigen Softwareentwicklung. Als Beispiele nennt das Unternehmen das automatische Sortieren tausender Fotos in kategorisierte Unterordner oder das massenhafte Umbenennen von Rechnungsdateien nach einem einheitlichen Schema. Aufgaben, die manuell Stunden dauern würden, sollen so in Minuten erledigt sein.
Darüber hinaus kann Manus über die Kommandozeile auf alle lokal installierten Entwicklungswerkzeuge zugreifen, darunter Python, Node.js, Swift und Xcode. Das Unternehmen demonstrierte dies mit der Entwicklung einer vollständigen Mac-App für Echtzeit-Meetingübersetzung, die in rund zwanzig Minuten ohne manuelles Öffnen von Xcode oder eigenhändiges Schreiben von Code entstand.
Lokale Rechenleistung nutzen
Ein weiterer Schwerpunkt der neuen Funktion ist die Nutzung brachliegender Hardware. Nutzerinnen und Nutzer können Manus anweisen, die lokale GPU für das Training von Machine-Learning-Modellen oder für Inferenzaufgaben einzusetzen. Ein dauerhaft eingeschalteter Rechner, etwa ein Mac mini, lässt sich so in einen rund um die Uhr verfügbaren KI-Assistenten verwandeln, auf den von jedem Gerät weltweit zugegriffen werden kann.
Manus kombiniert dabei Cloud-Intelligenz mit lokaler Rechenleistung. So ist es möglich, vom Smartphone aus eine Aufgabe zu erteilen, die der heimische Rechner dann eigenständig ausführt, während der Nutzer unterwegs ist.
Integration mit bestehenden Diensten
„My Computer“ ergänzt die bereits vorhandene Integration von Manus mit Diensten wie Google Calendar und Gmail. Ein konkretes Szenario: Eine Nutzerin benötigt unterwegs dringend eine Vertragsdatei vom heimischen Rechner. Manus kann das Dokument remote lokalisieren und es direkt über das verknüpfte Gmail-Konto an den Empfänger versenden. Lokale Datei und Cloud-Dienst werden dabei nahtlos verbunden.
Zusätzlich lassen sich wiederkehrende Aufgaben als geplante Routinen einrichten, etwa das tägliche Aufräumen des Download-Ordners oder die wöchentliche Erstellung eines Zusammenfassungsberichts aus lokalen Daten.
Sicherheit und Kontrolle
Angesichts der weitreichenden Zugriffsrechte betont Manus den Kontrollaspekt ausdrücklich. Jeder Terminal-Befehl erfordert die ausdrückliche Zustimmung der Nutzerin oder des Nutzers, bevor er ausgeführt wird. Zur Wahl stehen zwei Modi:
- „Always Allow“: Für vertrauenswürdige, wiederkehrende Aufgaben, bei denen keine manuelle Bestätigung nötig ist
- „Allow Once“: Für eine einzelne, kontrollierte Ausführung mit vorheriger Prüfung
„You are the commander; Manus is the executor. That relationship will never change.“ (Manus, offizielle Ankündigung)
Parallelen zu OpenClaw
Zahlreiche Beobachter sehen in „My Computer“ deutliche Ähnlichkeiten zu OpenClaw, dem persönlichen KI-Agenten von Peter Steinberger. Steinberger hat OpenClaw kürzlich in eine Stiftung überführt und ist zu OpenAI gewechselt, wo er das Thema KI-Agenten für Endnutzer vorantreiben soll. Auch Meta-Chef Mark Zuckerberg hatte versucht, Steinberger für sein Unternehmen zu gewinnen, unterlag jedoch OpenAI-Chef Sam Altman.
Beide Produkte versprechen persönliche KI-Agenten mit dauerhaftem Gedächtnis, die komplexe Aufgaben eigenständig planen und ausführen. Manus positioniert sich dabei als niedrigschwelligere Alternative: Während OpenClaw laut komplexere Einrichtungsprozesse, Sicherheitsrisiken und unvorhersehbare Kosten mit sich bringt, setzt Manus auf einfache Bedienung über vertraute Oberflächen wie Telegram, und künftig auch WhatsApp, Slack und Discord.
Metas Strategie hinter dem Kauf
Der Kauf von Manus für mehr als zwei Milliarden Dollar, abgeschlossen Ende 2025, ist Teil einer umfassenderen Neuausrichtung von Meta im KI-Bereich. Der Konzern steht unter erheblichem Druck: Die eigene Llama-Modellreihe gilt als nicht konkurrenzfähig gegenüber den Angeboten von OpenAI, Google und Anthropic; mittlerweile wird sogar überlegt, zwischenzeitlich Gemini zu lizensieren.
Hinzu kommt der Abgang von KI-Chef Yann LeCun sowie der milliardenschwere Kauf von Scale AI, der bislang keine sichtbare Trendwende gebracht hat.
Mit Manus kauft Meta kein eigenes Sprachmodell, sondern ein erfolgreiches Geschäftsmodell. Manus baut auf Fremdmodellen auf, darunter Angebote von Anthropic, Alibaba (Qwen) und OpenAI, und verkauft die agentenbasierte Steuerungsschicht als Abo-Service an kleine und mittlere Unternehmen. Nur acht Monate nach dem Launch im März 2025 erreichte das Startup einen annualisierten Umsatz von 100 Millionen Dollar, mit einem monatlichen Wachstum von konstant über 20 Prozent.
Langfristig plant Meta, die Manus-Technologie in seine eigenen Produkte zu integrieren und über die Milliarden Nutzer seiner Plattformen zu skalieren; Anbindungen an Meta’s Anzeigen-Services oder Instagram wurden bereits eingerichtet.
Das Ziel ist klar: Der Konzern will im Wettbewerb um autonome KI-Systeme, die vollständige Arbeitsabläufe übernehmen können, nicht länger das Nachsehen haben. Ob die Rechnung aufgeht, bleibt abzuwarten, denn Manus verfügt über keine eigene Modellkompetenz und ist damit weiterhin von externen Anbietern abhängig.
