Trumps „Super Intelligence“ löst Run auf .si-Domains aus
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Ein Wort des US-Präsidenten, und plötzlich ist Slowenien das neue Anguilla. Seit Donald Trump künstliche Intelligenz in „Super Intelligence“ umbenennen lässt, stürmen Domain-Investor:innen und Unternehmen die Endung .si, die Länderendung Sloweniens und damit der Heimat von First Lady Melania Trump. Seit Trumps Rede vor der UN-Generalversammlung vor gut einer Woche werden täglich mehr .si- als .ai-Domains registriert, wie eine Auswertung des österreichischen Hosting-Anbieters Domaintechnik auf Basis von Daten der Plattform domainnamestat.com zeigt.
Vom Truth-Social-Post zur Executive Order
Den Anfang machte Trump mit der Frage auf Truth Social, ob man „Artificial Intelligence“ umbenennen solle, weil das Wort „artificial“ die Technologie falsch klingen lasse. Wenige Tage später kündigte er vor der UN-Generalversammlung an, die US-Regierung werde KI künftig „Super Intelligence“ nennen, kurz SI. Mittlerweile hat er eine Executive Order unterzeichnet, nach der alle Bundesbehörden die neuen Begriffe verwenden sollen. Auch im Dialog mit China ist schon von „Super Intelligence“ die Rede.
.si überholt .ai
Die Zahlen sind eindeutig. An einem normalen Septembertag kamen bisher rund 100 neue .si-Domains dazu. Am Tag nach Trumps UN-Rede waren es 3.234, mehr als 30-mal so viele. In der Woche danach wurden 17.621 neue .si-Domains registriert, aber nur 7.209 neue .ai-Domains, also knapp zweieinhalbmal so viele. Der Gesamtbestand wuchs innerhalb von elf Tagen von 241.846 auf 262.319 Domains, ein Plus von 8,5 Prozent.
Ganz neu ist die Idee allerdings nicht. Schon im Mai wurden laut Domaintechnik rund dreimal so viele .si-Domains registriert wie in einem normalen Monat, weil Investor:innen darauf setzten, dass sich „SI“ als Abkürzung für Superintelligenz durchsetzt. Dazu kommt ein praktischer Vorteil: .si-Domains stehen weltweit offen, ohne Wohnsitz in Slowenien, und lassen sich für ein einzelnes Jahr registrieren. Eine .ai-Domain gibt es dagegen nur mit mindestens zwei Jahren Laufzeit.
Vor allem Spekulation
Wer da kauft, sind vor allem Spekulant:innen. Laut dem Sicherheitsunternehmen Netcraft standen rund 52 Prozent der über den US-Registrar Dynadot registrierten .si-Domains kurz darauf wieder zum Verkauf, darunter Namen wie donaldjtrump.si. Die Preisvorstellungen sind ambitioniert: build.si wird für 10 Millionen Dollar (rund 8,5 Millionen Euro) angeboten, seed.si für 8 Millionen Dollar. Tatsächlich genutzt werden die wenigsten Adressen. Von 35 öffentlich dokumentierten .si-Verkäufen im ersten Halbjahr gingen nur zwei an Unternehmen, die die Domain selbst verwenden, etwa das KI-Startup Recursive, das für recursive.si 20.000 Dollar bezahlte.
Der Boom hat auch eine Schattenseite. Auf der Tastatur liegt das „s“ direkt neben dem „a“, eine .si-Adresse ist also nur einen Tippfehler von der .ai-Adresse eines bekannten KI-Dienstes entfernt. Mehr als 44.000 .si-Domains tragen laut Netcraft denselben Namen wie eine bestehende .ai-Domain. Die Sicherheitsforscher:innen warnen, dass Kriminelle solche Doppelgänger für Phishing nutzen könnten.
Kein zweites Anguilla
Für Slowenien selbst dürfte der Hype kein großes Geschäft werden. Die nationale Registry Register.si bestätigt zwar einen „starken, aber stabilen Anstieg“ der Nachfrage, dementiert aber Berichte über Millionengewinne: Die Einnahmen pro Domain seien gering. Das Branchenmedium Domain Name Wire schätzt den zusätzlichen Umsatz im September auf rund 300.000 Euro. Gleichzeitig rät die Registry Marken- und Firmeninhaber:innen, sich ihre .si-Domain „so bald wie möglich“ zu sichern.
Ganz anders sieht es bei der Karibikinsel Anguilla aus, der die Endung .ai gehört. Sie nahm damit 2025 rund 85,3 Millionen Dollar (etwa 73 Millionen Euro) ein, das entspricht 47 Prozent des Staatshaushalts. Wie der KI-Boom die Insel reich gemacht hat, zeigt, was eine Domainendung bewirken kann, wenn sich der Begriff dahinter dauerhaft durchsetzt. Ob „SI“ das schafft oder nur eine Mode aus dem Weißen Haus bleibt, ist offen.

