ElevenLabs verdoppelt Bewertung auf 22 Milliarden Dollar
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Bei ElevenLabs verdoppelt sich der Firmenwert schneller, als andere ein Software-Update installieren: Nach einem Secondary liegt die Bewertung bei 22 Milliarden US-Dollar, nur wenige Monate nach der Serie D über 11 Milliarden.
Das KI-Audio-Unternehmen hat soeben bekannt gegeben, ein Mitarbeiter:innen-Tender über 300 Millionen US-Dollar abgeschlossen zu haben. Angeführt wurde die Transaktion von Wellington und T. Rowe Price. Neu an Bord sind EQT, Goldman Sachs, GIC, OTPP, Sapphire Ventures sowie BDT & MSD. Mit dabei sind außerdem bestehende Geldgeber:innen wie Andreessen Horowitz, Lightspeed, ICONIQ, D.E. Shaw, Evantic, DISRUPTIVE und Alkeon.
Was ein Secondary bedeutet
Bei einem Tender Offer verkaufen Beschäftigte bestehende Anteile an neue oder bestehende Investor:innen. Frisches Kapital fließt dem Unternehmen dabei nicht zu, dafür markiert die Transaktion einen neuen Preis für die Anteile. ElevenLabs beschäftigt inzwischen über 800 Personen und will ihnen nach eigenen Angaben regelmäßig Liquidität ermöglichen. Bereits vor rund einem Jahr hatte das Unternehmen ein Secondary bei 6,6 Milliarden US-Dollar durchgeführt, damals mit 200 Millionen US-Dollar ARR. Zu Jahresbeginn folgte die Serie D über 500 Millionen US-Dollar bei 11 Milliarden US-Dollar, mit einem ARR von über 330 Millionen US-Dollar zum Jahresende 2025.
Vom Sprachmodell zur Agenten-Plattform
Getragen wird die Bewertung laut Unternehmen vom Geschäft mit Konversations-Agenten. ElevenAgents, die Plattform für Sprach- und Chat-Agenten, hat den ARR seit der Serie D mehr als verdreifacht. Die Agenten führen mittlerweile mehr als 15 Millionen Gespräche pro Woche, dreimal so viele wie zu Jahresbeginn. Enterprise-Kund:innen machen inzwischen 55 Prozent des Umsatzes aus. Genannt werden unter anderem Stripe, Deutsche Telekom, SevenRooms, Admiral sowie die Regierungen der Ukraine und Griechenlands. Zeitgleich hat ElevenLabs die Text-to-Speech-Modelle Eleven v4 und v4 Turbo veröffentlicht. Eine aktuelle Gesamtzahl für den ARR nennt die Mitteilung nicht. Zuletzt kolportiert wurden rund 500 Millionen US-Dollar im Frühjahr, was bei 22 Milliarden US-Dollar einem Bewertungsmultiplikator von etwa 44 entspräche. Kritische Stimmen verweisen darauf, dass ein Tender Offer keine Offenlegungspflichten einer Finanzierungsrunde mit sich bringt.
Konkurrenz und offene Fragen
ElevenLabs steht im Wettbewerb mit großen Anbietern wie OpenAI und Google, die eigene Sprachfunktionen und Voice-Cloning-Tools entwickeln. Dazu kommen spezialisierte Anbieter wie Cartesia und Deepgram, die vor allem bei Latenz und Infrastruktur für Sprachagenten punkten wollen.
Auch juristisch gibt es Gegenwind. Im Frühjahr reichten sieben Journalist:innen, Sprecher:innen und Podcaster:innen in Illinois eine Sammelklage gegen ElevenLabs ein. Sie werfen dem Unternehmen vor, ohne Einwilligung biometrische Stimmprofile aus öffentlich verfügbaren Aufnahmen extrahiert und für das Training kommerzieller Modelle verwendet zu haben. Grundlage ist das Biometric Information Privacy Act des Bundesstaates Illinois. Ähnliche Klagen richten sich gegen mehrere Tech-Konzerne, darunter Alphabet, Amazon, Apple, Meta, Microsoft und Nvidia. ElevenLabs hat sich zu den Vorwürfen in der Mitteilung zur Bewertung nicht geäußert, die Verfahren sind offen.
Blick nach vorn
ElevenLabs wurde 2022 von Mati Staniszewski und Piotr Dabkowski gegründet. Medienberichten zufolge peilt das Unternehmen Börsenreife innerhalb von zwei bis drei Jahren an. Bis dahin dürften Tender Offers ein zentrales Instrument bleiben, um Beschäftigten Liquidität zu verschaffen und den Anteilspreis neu zu markieren.

