Studie

Nur 9 Prozent wollen gründen: Unternehmertum wird in Österreich vor allem vererbt

Presentation of the study by Stiftung Unternehmerische Zukunft at weXelerate in Vienna
The Stiftung Unternehmerische Zukunft presented its new study at weXelerate in Vienna. © Stiftung Unternehmerische Zukunft

Trending Topics auf Google als bevorzugte Nachrichtenquelle festlegen.

Österreich hätte genug Gründer:innen, sie trauen sich nur nicht: Drei von zehn Menschen im Land können sich vorstellen, ein Unternehmen zu gründen, konkret planen es aber nur neun Prozent. Das zeigt eine neue Studie von Peter Hajek Public Opinion Strategies im Auftrag der Stiftung Unternehmerische Zukunft, für die 1.500 Menschen in Österreich befragt wurden. Der stärkste Hebel für den Schritt in die Selbstständigkeit liegt dabei nicht in Bildung oder Einkommen, sondern im Elternhaus.

Das Elternhaus macht den Unterschied

Wer ohne unternehmerische Eltern aufwächst, kann sich zu 27 Prozent eine Gründung vorstellen. Mit zumindest einem unternehmerischen Elternteil sind es 47 Prozent. Noch deutlicher wird der Abstand bei der konkreten Absicht: sieben gegenüber 18 Prozent. Insgesamt haben nur 20 Prozent der Befragten zumindest einen selbstständigen Elternteil, unter den Gründungsbereiten sind es 30 Prozent.

Auch Vorbilder außerhalb der Familie wirken, allerdings anders. Wer Unternehmer:innen persönlich kennt, kann sich eine Gründung öfter vorstellen (38 statt 24 Prozent) und würde eine nahestehende Person doppelt so oft aktiv bestärken (35 statt 17 Prozent). Auf die konkrete Gründungsabsicht schlägt der persönliche Kontakt aber nicht durch. Kurz gesagt: Bekannte wecken das Interesse, das Elternhaus führt zur Umsetzung.

„Drei von zehn Menschen in Österreich können sich vorstellen, ein Unternehmen zu gründen. Das ist mehr unternehmerisches Potenzial, als die Gründungszahlen vermuten lassen“, sagt Markus Raunig, Vorstand der Stiftung Unternehmerische Zukunft, die im Vorjahr an den Start ging. Dieses Potenzial wachse mit jedem unternehmerischen Vorbild, das Menschen aus der Nähe erleben.

Sicherheit schlägt Chance

Was hält die Menschen ab? Spontan nennen die Befragten vor allem das wirtschaftliche Risiko (23 Prozent) und fehlendes Kapital (17 Prozent). Bürokratie und schwierige Rahmenbedingungen (je zehn Prozent) sowie die Steuer- und Abgabenbelastung (acht Prozent) folgen erst danach. Dahinter steckt eine Grundhaltung: 78 Prozent ist Sicherheit wichtiger als Chancen.

Die Stimmung im Land ist ohnehin gedrückt. 69 Prozent sehen Österreich auf dem Weg in die falsche Richtung, die wirtschaftliche Lage bewerten die Befragten im Schnitt mit 4,0 auf einer sechsteiligen Skala. Reformen, die sich erst in Jahren auszahlen, haben es in diesem Klima schwer. Die Stiftung setzt deshalb nicht auf die Politik, sondern auf Eigeninitiative bei Bildung, Vorbildern und Sichtbarkeit.

Und selbst wer gründen will, denkt meist klein: 83 Prozent der Gründungsbereiten können sich in erster Linie ein Ein-Personen-Unternehmen oder eine freiberufliche Tätigkeit vorstellen. Beim Scheitern ist die Bevölkerung dagegen nachsichtiger als ihr Ruf, 79 Prozent sprechen sich für eine zweite Chance aus. „Das liegt nicht an fehlendem Talent. Es sind das wirtschaftliche Risiko, das fehlende Startkapital und eine Grundstimmung, die Sicherheit über Chancen stellt“, sagt Studienautor Peter Hajek.

Die richtigen Gründungen zählen

Mehr Gründungen allein bringen allerdings noch kein Wachstum, betont das Wirtschaftsforschungsinstitut EcoAustria in einer Einordnung der Studie. In den USA gehen rund 20 Prozent der neu geschaffenen Arbeitsplätze auf Neugründungen zurück, rund 50 Prozent auf wachstumsstarke und meist junge Unternehmen. Entscheidend sei, dass Kapital und Fachkräfte zu den innovativeren Firmen wandern können.

„Wachstum entsteht nicht durch mehr Gründungen an sich, sondern durch die richtigen“, sagt Monika Köppl-Turyna, Direktorin von EcoAustria und Vorstandsmitglied der Stiftung. „Wer bestehende Strukturen schützt, bremst diese Dynamik. Das wirkt sich in einem strukturell niedrigen Wachstumsumfeld wie dem österreichischen besonders stark aus.“

Unternehmertum fehlt in der Schule

Einig sind sich die Befragten bei der Schule: 80 Prozent wollen, dass junge Menschen dort stärker lernen, wie man ein Unternehmen gründet oder führt. Die Realität sieht anders aus. Nur 17 Prozent sagen, in der Schule genug über Wirtschaft gelernt zu haben, nur 15 Prozent haben dort erfahren, was Unternehmer:innen leisten. Wie unsichtbar das Thema ist, zeigt eine offene Frage: 49 Prozent fällt spontan keine einzige Unternehmerin und kein einziger Unternehmer namentlich ein.

„Wer Unternehmertum einmal aus der Nähe erlebt, traut sich mehr zu“, sagt Lisa-Marie Fassl, Investorin, Mitgründerin von Fund F und ebenfalls Vorstandsmitglied der Stiftung. Die Stiftung bringe deshalb Gründer:innen in die Schulen und begleite Erwachsene auf dem Weg in die Selbstständigkeit. „Österreich muss unternehmerischer werden, denn die Politik kann allein weder Wachstum noch Arbeitsplätze schaffen.“

Weniger Gründungen, dafür nachhaltiger

Ganz so düster, wie die Umfrage nahelegt, sehen andere Erhebungen den Gründungsstandort nicht. Der Global Entrepreneurship Monitor bescheinigte Österreich zuletzt zwar ebenfalls eine niedrige Gründungsabsicht und eine hohe Angst vor dem Scheitern, verwies aber auch auf eine hohe Quote etablierter Unternehmen. „In Österreich wird zwar weniger häufig gegründet, dafür jedoch nachhaltig erfolgreicher“, sagte Florian Haas, Head of Start-up bei EY Österreich, zu den Ergebnissen. Im aktuellen GEM-Länderbericht landet Österreich beim Gründungsumfeld auf Platz 26 von 53 Ländern. Als Stärken hebt der Bericht Infrastruktur, öffentliche Förderprogramme und Technologietransfer hervor. Als Schwächen nennt er unter anderem die fehlende Gründungsbildung an Schulen, wenig privates Wachstumskapital und eine starke Vorliebe für sichere Anstellungen.

Rank My Startup: Erobere die Liga der Top Founder!
Werbung
Werbung

Specials unserer Partner

Die besten Artikel in unserem Netzwerk

Deep Dives

Wasner + Steinschaden | Der KI Podcast

News, Modelle, Strategien
#glaubandich CHALLENGE: SVAN triumphiert in Klagenfurt

#glaubandich CHALLENGE 2027

Österreichs größter Startup-Wettbewerb - Top-Investoren mit an Bord
© Wiener Börse

IPO Spotlight

powered by Wiener Börse

RankMyStartup.com

Steig' in die Liga der Top Founder auf!

2 Minuten 2 Millionen | Staffel 13

Alle Startups | Alle Deals | Alle Hintergründe

Future{hacks}

Zwischen Hype und Realität

Trending Topics Tech Talk

Der Podcast mit smarten Köpfen für smarte Köpfe

Weiterlesen

Newsletter

Founders Dispatch

Zwei Mal pro Woche kostenlos in die Inbox: die wichtigsten Startups, Deals und Tech-Entwicklungen aus Europa, handgeschrieben von der Redaktion.

Jederzeit abbestellbar. Mehr über den Newsletter