Nachhaltige Rasur

NASH: Österreichisches Startup will mit Holz-Rasierern Plastikmüll vermeiden

Two smiling men in gray zip hoodies hold wooden-handled NASH razors to their cheeks in front of green trees
NASH founders Thomas Grüner and Thomas Schoß.

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Wer sich morgens rasiert, hat vielleicht schon Plastikmüll verursacht, bevor er seinen Kaffee getrunken hat: Zwei österreichische Gründer wollen genau diese Gewohnheit aufbrechen.

NASH (kurz für Natural Shaving) heißt die Marke von Thomas Grüner und Thomas Schoß. Die beiden sind seit über zehn Jahren in der österreichischen E-Commerce-Szene unternehmerisch aktiv. Ihre Vision laut NASH: eine Zukunft, in der Produkte des Alltags natürlich, preiswert und ohne unnötigen Plastikmüll auskommen. Gestartet wird beim Rasieren.

Griff aus Biokomposit, Verpackung aus Gras

Herzstück ist ein Werkstoff, den das Unternehmen „flüssiges Holz“ nennt: Biokomposit. Er wird in Skandinavien aus Holzfasern und biobasierten Polymeren hergestellt. Die Fasern fallen laut NASH als Beiprodukt der Holzverarbeitung an, für den Rohstoff müssen also keine zusätzlichen Bäume gefällt werden. Gegenüber herkömmlichem Kunststoff wie ABS soll die CO2-Bilanz um bis zu 75 Prozent niedriger ausfallen. Aus Biokomposit bestehen der Rasierergriff und die Station.

Bei der Verpackung setzt NASH auf Graspapier aus Deutschland. Die Fasern stammen von eigens angebauten Wiesen, die nicht für die Nahrungsmittelproduktion genutzt werden. Die Herstellung braucht laut Unternehmen weniger Wasser und Energie als bei Papier und Karton, die Verpackung ist biologisch abbaubar. Die feste Rasierseife kommt ohne Plastik aus, die Versandkartons sind recycelbar. Die Seife sei „grundsätzlich auch für empfindliche Haut geeignet, da sie auf natürlichen Inhaltsstoffen basiert“, heißt es seitens der Gründer, die zugleich raten, die Inhaltsstoffe auf mögliche Unverträglichkeiten zu prüfen. Sie hält je nach Nutzung und Bartwuchs etwa zwei bis drei Monate.

Dazu kommt ein Designanspruch. Gemeinsam mit zwei Produktdesignern aus Hamburg entstand ein Rasierer, der im Badezimmer sichtbar stehen soll, statt im Schrank zu verschwinden. Das Produkt wurde mit dem German Innovation Award 2025 in der Kategorie Beauty & Care ausgezeichnet. Die feste Rasierpflege erhielt von Dermatest die Note „sehr gut“. Pro Kauf pflanzt NASH außerdem einen Baum.

Das Geschäftsmodell: Klingen zu nachvollziehbaren Preisen

Die Gründer kritisieren das klassische Modell der Branche, in dem der Griff günstig verkauft wird und die Ersatzklingen über Jahre ein Vielfaches kosten.

NASH setzt auf Direktvertrieb ohne Handelsaufschläge und verspricht eine transparente Preislogik. Das Rasier-Set Gentlemen kostet im Onlineshop aktuell 49,99 Euro statt der durchgestrichenen 87,25 Euro. Ersatzklingen gibt es laut NASH ab 1,50 Euro pro Stück, ohne Abozwang: Die 8er-Box kostet 17,99 Euro, die 16er-Box 29,99 Euro und die 24er-Vorteilsbox 41,99 Euro. Zur Preisgestaltung heißt es seitens der Gründer: „Bei uns gibt es keine teuren Werbebudget für Fußballer und keine hohen Margen für Zwischenhändler. Dafür bekommst du eine komfortable und saubere Rasur zum fairen Preis.“ Der Versand ist gratis und dauert in Österreich und Deutschland in der Regel ein bis drei Werktage, dazu gibt es 60 Tage Geld-zurück-Garantie. Ein Abo ist nicht nötig: „Wir bieten auch noch gar kein Abo an“, heißt es seitens der Gründer, nachbestellt werden Klingen und Kosmetik bei Bedarf. Entwickelt wurde das Produkt in eineinhalb Jahren, gemeinsam mit Designer:innen, Dermatolog:innen und Werkstoffspezialist:innen.

Woran NASH als Nächstes arbeitet

Die größte offene Baustelle liegt bei den Wechselklingenköpfen. Rasierklingen stellen hohe technische Anforderungen an die Rohstoffe, biobasierte Materialien haben andere Eigenschaften, etwa bei der Toleranz für Abweichungen. Hochwertige Klingenköpfe aus rein biobasierten Rohstoffen sind laut NASH derzeit noch nicht möglich. Finanziert werden soll die weitere Entwicklung mit den Erlösen aus den Verkäufen.

Die Innovationspipeline umfasst vier Projekte:

  • High-Performance-Biokomposite: für den Einsatz in Wechselklingenköpfen
  • Verschlusssystem: ein eigenes System für Wechselklingen
  • Klingenreinigung: für noch längere Haltbarkeit der Klingen
  • Bio-Rasurkosmetik: für Männer und Frauen

Der Wettbewerb

Der Markt für Nassrasierer wird seit Jahren von wenigen Großkonzernen geprägt, Gillette und Wilkinson Sword stehen in jedem Drogeriemarktregal. Auch im Nachhaltigkeitssegment ist NASH nicht allein. Das deutsche Unternehmen Razeco gibt an, als erstes Unternehmen weltweit Klingenköpfe von Systemrasierern aus zu 99 Prozent biobasiertem Material herzustellen, und wurde dafür beim Green Product Award ausgezeichnet. Hier stehen sich also zwei Aussagen gegenüber: NASH nennt biobasierte Klingenköpfe derzeit noch nicht machbar, Razeco führt sie bereits im Programm. Daneben setzen Anbieter wie Mühle auf Rasierer aus Metall, deren Klingen und Griffe sich über das Metallrecycling verwerten lassen, und Shavent auf plastikfreie Schwingkopfrasierer mit Standardklingen.

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