Bumble: Einst 14 Milliarden Dollar wert, jetzt für 1,3 Milliarden verkauft
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Bumble wischt die Börse nach links: Die Dating-App geht von der Börse und wird für rund 1,3 Milliarden Dollar (etwa 1,16 Milliarden Euro) von Ithaca Holdings übernommen. Die Käuferin zahlt 6,05 Dollar (etwa 5,38 Euro) pro Aktie in bar, wie Bumble in einer Pflichtmitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC bekannt gab. Das ist ein Bruchteil dessen, was Anleger:innen einst für das Unternehmen bezahlt haben: Beim Börsengang 2021 war Bumble rund 14 Milliarden Dollar (etwa 12,5 Milliarden Euro) wert.
Aufschlag, aber nicht für alle
Für die verbliebenen Aktionär:innen ist der Deal trotzdem möglicherweise ein Gewinn. Der Kaufpreis liegt laut Bumble rund 138 Prozent über dem Schlusskurs vom vergangenen Freitag. Wer beim Börsengang 2021 zum Ausgabepreis von 43 Dollar eingestiegen ist, verliert dagegen rund 86 Prozent. Die Aktie legte am Montag um 50 Prozent zu und stieg am Dienstag noch einmal um 56 Prozent auf 5,95 Dollar, berichtet Reuters. Zum Wochenstart lag der Börsenwert noch bei rund 582 Millionen Dollar (etwa 518 Millionen Euro).
Die nötige Zustimmung der Aktionär:innen ist bereits fix: Der Finanzinvestor Blackstone, der rund 14 Prozent hält, und Gründerin Whitney Wolfe Herd haben schriftlich eingewilligt. Ein Sonderausschuss des Aufsichtsrats hatte den Deal empfohlen, der Board stimmte einstimmig zu, Wolfe Herd enthielt sich. Bumble-Chair Ann Mather spricht vom „besten Ergebnis für unsere Aktionäre“. Einen Termin für den Abschluss nennt Bumble nicht, noch ausständig sind behördliche Genehmigungen.
Neue Chefs, Gründerin bleibt an Bord
Hinter Ithaca Holdings stehen Ravi Gupta und John Hegeman. Ihre Firma versteht sich als langfristige Holding für etablierte Tech-Unternehmen, die mit neuester Technologie und operativer Erfahrung erneuert werden sollen. Nach dem Abschluss übernehmen die beiden als Co-CEOs die Führung von Bumble. „Technologie sollte im Dienst unserer tiefsten Quelle der Erfüllung stehen, der menschlichen Verbindung“, sagen sie.
Wolfe Herd, die Bumble 2014 gegründet hat, soll weiterhin aktiv eingebunden bleiben, ein konkreter Titel nach dem Deal wird in der Mitteilung nicht genannt. Sie hatte sich 2023 als CEO zurückgezogen und war im März 2025 an die Spitze zurückgekehrt, um die schwächelnde App wieder auf Kurs zu bringen. „Ich glaube wirklich, dass das Beste noch kommt“, so die Gründerin.
Weniger zahlende Nutzer:innen, sinkende Umsätze
Der Turnaround ist bisher nicht geglückt. Im zweiten Quartal sank die Zahl der zahlenden Nutzer:innen um 16,4 Prozent auf 3,2 Millionen, die Umsätze gehen seit fast zwei Jahren zurück. Bumble versuchte gegenzusteuern: mit Preiserhöhungen, längeren Fristen für Antworten, KI-Tools zum Verfassen von Nachrichten und Offline-Events. Zudem testet das Unternehmen einen KI-Assistenten, der bei der Partnersuche helfen soll.
Selbst das Markenzeichen der App fiel: Heuer schaffte Bumble das „Women first“-Prinzip ab, bei dem nur Frauen den ersten Schritt machen konnten. Das Quartalsergebnis für Q3 will Bumble zwar noch bei der SEC einreichen, auf eine Ergebnispräsentation und einen Call mit Analyst:innen verzichtet das Unternehmen aber.
Badoo, Fruitz und Co.
Bumble ist mehr als eine App. Zum Konzern gehört auch Badoo, die 2006 gestartete Dating-App des Unternehmers Andrey Andreev, in dessen Firmengruppe Bumble 2014 entstanden ist. Nachdem Blackstone 2019 die Mehrheit übernommen hatte, wurden beide Apps unter dem Dach von Bumble Inc. gebündelt. Danach ging Bumble selbst auf Einkaufstour: 2022 kaufte der Konzern die französische Dating-App Fruitz, bei der Nutzer:innen mit Obstsorten signalisieren, was sie suchen. Dazu kamen die Paar-App Official und 2024 die Community-App Geneva.
Viel ist davon nicht geblieben. Official wurde im Mai 2025 eingestellt, Fruitz im Juli 2025 an einen Dritten verkauft, wie aus dem Jahresbericht von Bumble hervorgeht. Die Freundschafts-App Bumble For Friends wurde 2025 in den USA als BFF neu gestartet, Umsatz brachte sie bis Jahresende aber noch keinen.
Match zieht davon
Besser läuft es bei der Konkurrenz. Die Match Group, zu der Tinder und Hinge gehören, entwickelt sich laut Reuters deutlich stärker, vor allem dank ihrer Nischen-Apps und des internationalen Wachstums von Hinge. Auch Tinder experimentiert mit neuen Erlösmodellen und hat etwa ein exklusives Abo um 499 Dollar im Monat eingeführt. Gleichzeitig wächst die Konkurrenz abseits der Apps: Startups wie der Wiener Offline-Dating-Club „Find Your Needle“ setzen bewusst auf Begegnungen ohne Swipen.
KI als Chance für die Branche
Ob Bumble privat leichter die Wende schafft, ist offen. Liesel Sharabi, Forscherin an der Arizona State University, sieht in KI jedenfalls einen Wendepunkt für die gesamte Branche: „Im Dating-Bereich gab es schon länger nicht viel Innovation, und jetzt, da KI da ist, werden die Apps gezwungen sein, innovativ zu werden“, sagt sie gegenüber Reuters.

