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DropForce: Wiener Startup baut Drohnen im Koffer, holt sechsstelliges Investment

The two DropForce founders with the STURM 01 drone
The DropForce founders with the STURM 01 drone. © DropForce

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Drohnen bestellen war gestern, Drohnen drucken soll morgen sein: Das Wiener Startup DropForce Systems will FPV-Drohnen nicht in einer zentralen Fabrik bauen, sondern direkt dort, wo sie gebraucht werden. Dafür hat es mit der STURM 01 eine Drohne entwickelt, die sich ohne Löten zusammenbauen lässt, und eine mobile Fertigungszelle, die in einen Transportkoffer passt. Mit an Bord ist BarnVentures, das mit 20 Prozent eingestiegen ist. Gemeinsam mit der LNX GmbH haben die Business Angels einen guten sechsstelligen Betrag investiert.

Hinter BarnVentures stehen die Gründer Filip Zganjer und Florian Bauer, die unter diesem Dach eine der größten Digitalgruppen Österreichs aufgebaut haben. Laut DropForce bringen beide Investoren neben Kapital auch unternehmerische Erfahrung und ihr Netzwerk ein. Bis dahin hatten die Gründer die Entwicklung aus eigenen Mitteln finanziert.

Vom Lichtshow-Projekt zur FPV-Drohne

Hinter DropForce stehen die Luftfahrttechniker Jakub Hamdard (CEO) und Christian Mühl (CTO), die beide an der HTL Eisenstadt Luftfahrttechnik gelernt haben. Hamdard arbeitete unter anderem als Design Engineer für Satellitenantriebe beim österreichischen Raumfahrt-Startup ENPULSION und als Projektleiter bei Diamond Aircraft. Mühl war in der Produktionstechnik beim österreichischen Drohnenhersteller Schiebel tätig sowie bei Airborne Technologies und Diamond Aircraft. Die DropForce Systems GmbH wurde Anfang 2026 in Wien gegründet.

Ursprünglich wollten die beiden eine eigene Drohnenflotte für Lichtshows aufbauen, weil ihnen chinesische Showdrohnen zu teuer und zu unzuverlässig waren. Nach vier eigenen Prototypen stellten sie fest, dass nicht der 3D-Druck der Engpass war, sondern die Montage, vor allem das Löten der Elektronik. Beim fünften Prototyp konstruierten sie die Drohne deshalb vom Montageprozess her neu.

Stecken statt löten

Die STURM 01 ist ein modularer FPV-Quadrokopter. Die zentrale Platine ist zugleich Teil der tragenden Struktur, Flight Controller und Motorregler hat DropForce selbst entwickelt. Elektronik wird gesteckt, Mechanik verschraubt, die übrigen Strukturteile kommen aus dem 3D-Drucker. Der Zusammenbau dauert laut Unternehmen je nach Erfahrung zehn bis 15 Minuten.

Entscheidend ist für DropForce der Produktionstakt: Ein 3D-Drucker braucht rund 20 Minuten für die Teile einer Drohne. Während die nächste Einheit gedruckt wird, lässt sich die vorherige montieren. Im Dauerbetrieb soll ein Drucker so die Teile für gut 70 Drohnen pro Tag liefern. Wer mehr Kapazität braucht, stellt weitere Drucker auf.

Als Flugsoftware nutzt DropForce derzeit die Open-Source-Systeme ArduPilot und Betaflight, eine eigene Firmware ist in Entwicklung. Zusätzliche Fähigkeiten sollen über Missionsmodule kommen, Module für FPV-Flug und Lichtshows gibt es bereits.

Die Fabrik im Koffer

Den zweiten Teil des Konzepts nennt DropForce Tactical Case: einen Transportkoffer mit 3D-Drucker, Stromversorgung und Werkzeug, der von einer Person bedient werden kann. Die Idee dahinter: Statt beschädigte oder verlorene Drohnen über Bestellung und Lieferkette zu ersetzen, sollen Anwender:innen Bausätze lagern und Ersatzgeräte vor Ort selbst produzieren. „Drohnen gehen im Einsatz kaputt oder verloren. Ersetzt werden sie trotzdem wie Flugzeuge: über Bestellung, Lieferzeit und Beschaffung“, heißt es bei DropForce. Langfristig sind größere Fertigungszellen mit mehreren Druckern in Vans oder Containern geplant.

Geld verdienen will das Startup mit dem Verkauf fertiger Drohnen und Fertigungszellen, vor allem aber mit dem laufenden Nachschub an Bausätzen, Komponenten und Missionsmodulen. Die Plattform ist als Dual-Use-System gedacht. Als zivile Einsatzfelder nennt DropForce Katastrophenschutz, Suche und Rettung, den Schutz kritischer Infrastruktur sowie Training, als institutionelle Kund:innen Streitkräfte, Einsatzorganisationen und Betreiber kritischer Infrastruktur.

Europäisch mit Einschränkungen

DropForce tritt mit dem Anspruch „European Sovereign UAV Systems“ auf, geht mit dem Begriff aber selbst vorsichtig um. Platinenlayout und Elektronik gehören dem Startup, für die Fertigung baut es eine europäische Lieferkette auf. Motoren und Standardkomponenten kauft DropForce jedoch zu, vor allem bei Seltene-Erden-Magneten bestehen weiterhin starke Abhängigkeiten von China. Als vollständig europäische Drohne bezeichnet das Unternehmen die STURM 01 deshalb nicht. „Unser Ziel ist, so viel wie möglich in Europa fertigen zu lassen“, heißt es.

Offen ist auch, wie sich das Konzept im Markt bewährt. Technisch gibt es eine flugfähige Drohne und eine funktionierende Fertigungszelle, zahlende Kund:innen nennt DropForce noch nicht. Derzeit sucht das Startup Pilotkund:innen, die Drohne und Fertigungszelle testen. Eine Patentanmeldung ist in Vorbereitung, für die nächste Wachstumsphase prüft DropForce weitere Finanzierung oder einen strategischen Partner.

Ein Markt voller Kapital

DropForce bewegt sich in einem Markt, in den derzeit viel Geld fließt: Europäische DefenseTech-Startups steuern heuer auf einen Funding-Rekord von rund 10,5 Milliarden Dollar (rund 9 Milliarden Euro) zu, das meiste Geld fließt in Drohnen. Große Player wie Helsing, Quantum Systems, Stark Defence oder ARX Robotics haben dabei hohe Summen eingesammelt. Als direkten Konkurrenten dieser Unternehmen sieht sich DropForce nicht. „Wir setzen an einer anderen Stelle an: bei der Frage, wie eine Drohne gebaut wird und wo“, sagen die Gründer. Während andere größere Fluggeräte oder stationäre Produktionssysteme entwickeln, konzentriert sich DropForce auf einen kleinen FPV-Quadrokopter und eine Fertigung, die in einen Koffer passt.

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