Nvidia steigt bei Doctolib, Pigment, Genesis AI und Entalpic ein
Trending Topics auf Google als bevorzugte Nachrichtenquelle festlegen.
Jensen Huang hat in Paris das Scheckbuch gezückt: Nvidia beteiligt sich an vier französischen Tech-Firmen, darunter das Gesundheits-Scaleup Doctolib. Das gab der Chipkonzern in einem Blogpost zu seinen Aktivitäten in Frankreich bekannt. Neben Doctolib geht es um den Robotik-Spezialisten Genesis AI, die Planungssoftware Pigment und das Materialforschungs-Startup Entalpic. Wie viel Geld fließt und wie groß die Anteile sind, verraten weder Nvidia noch die Startups. Laut Les Echos handelt es sich um Minderheitsbeteiligungen.
Die vier neuen Beteiligungen
Huang verkündete die Deals bei einem Empfang an der Place Vendôme, zu dem auch Frankreichs Wirtschaftsminister Roland Lescure kam. Die vier Unternehmen decken sehr unterschiedliche Felder ab:
- Doctolib: Die Plattform für Arzttermine war 2022 bei einer Finanzierungsrunde mit 5,8 Milliarden Euro bewertet. Inzwischen baut Doctolib KI-Agenten, die Ärzt:innen Arbeit abnehmen, und einen digitalen Gesundheitsbegleiter für Patient:innen. Nvidias Einstieg soll laut Doctolib die Arbeit an diesen KI-Tools unterstützen.
- Genesis AI: Das Robotik-Startup mit Standorten in Paris und der San Francisco Bay Area entwickelt Foundation Models für Allzweck-Roboter, dazu Simulationssoftware und eigene Hardware. Gegründet haben es Zhou Xian und der frühere Mistral-Forscher Théophile Gervet. 2025 holte Genesis AI eine Seed-Runde über 105 Millionen Dollar (rund 93 Millionen Euro), im Sommer berichtete Bloomberg über Gespräche für rund 500 Millionen Dollar (rund 445 Millionen Euro) bei einer Bewertung von etwa 3 Milliarden Dollar (rund 2,67 Milliarden Euro).
- Pigment: Die Pariser Software hilft Unternehmen bei Finanzplanung, Prognosen und Szenarien und gilt als Herausforderer von Excel. Gegründet haben Pigment Eléonore Crespo und der frühere Criteo-CTO Romain Niccoli, zu den Kund:innen zählen Unilever, Datadog und Kayak. Zuletzt sammelte Pigment 2024 in einer Series D 145 Millionen Dollar (rund 129 Millionen Euro) ein.
- Entalpic: Das Pariser Startup nutzt KI, um neue Materialien auf atomarer Ebene zu entwickeln, etwa für die Halbleiterfertigung und Elektronik der nächsten Generation. 2024 holte Entalpic eine Seed-Runde über 8,5 Millionen Euro.
10 Milliarden Dollar für Europa
Ganz neu ist Nvidia im französischen Ökosystem nicht. Der Konzern ist bereits am Quantencomputing-Startup Alice & Bob, am Audio-KI-Startup Gradium und am Photonik-Chiphersteller Scintil Photonics beteiligt. Insgesamt hat Nvidia nach eigenen Angaben fast 10 Milliarden Dollar (rund 8,9 Milliarden Euro) in Europas Tech-Ökosystem zugesagt.
Paris war erst der Auftakt einer Europa-Tour, die Huang auch nach London und Berlin führt. Dort findet kommende Woche Nvidias Entwicklerkonferenz GTC statt. Innerhalb einer Woche will Nvidia europäische Deals über weitere 2 Milliarden Dollar (rund 1,78 Milliarden Euro) verkünden, zusätzlich zu den 8 Milliarden Dollar (rund 7,12 Milliarden Euro) im vergangenen Jahr, berichtet The Next Web. „Europa muss ins Rennen einsteigen“, sagte Huang in Paris. Sein Rezept dafür sind offene KI-Modelle, die günstiger und anpassungsfähiger seien.
Konzerne als Großinvestoren
Auch andere Konzerne kaufen sich in Europas KI-Szene ein. Beim französischen KI-Champion Mistral führte zuletzt Samsung eine Runde über 3 Milliarden Euro an, die das Unternehmen mit mehr als 21 Milliarden Euro bewertet. Die Runde davor hatte der niederländische Chipanlagenbauer ASML angeführt.
Kritik an Nvidias Beteiligungen
Nvidias Investitionen stehen allerdings auch in der Kritik. Kritiker:innen werfen dem Konzern sogenannte Kreislauffinanzierung vor: Nvidia investiert in KI-Firmen, die mit dem Geld wiederum Nvidia-Chips kaufen. Damit verschwimme die Grenze zwischen Investment und Umsatz. Genannt werden dabei vor allem große Deals wie jene mit OpenAI und CoreWeave. Auch der Internationale Währungsfonds warnte vor zunehmender Kreislauffinanzierung entlang der KI-Wertschöpfungskette. Huang weist die Vorwürfe zurück: Die Beteiligungen seien im Vergleich zum Geschäft, das sie erzeugen, zu klein, und jede stehe für sich. „In der KI ist Rechenleistung Umsatz“, so der Nvidia-Chef.

