Funding

Europas Startups holen im September 15,8 Milliarden Euro

Large group photo of the Mistral AI team cheering on a lawn
The Mistral AI team. © Mistral

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Nach dem Sommerloch kommt die Geldflut: Europas Tech-Unternehmen haben im September 15,8 Milliarden Euro an Risikokapital eingesammelt, fast fünfmal so viel wie im August. Das zeigt der aktuelle Monatsreport des Branchenmediums Tech.eu, der am vergangenen Freitag erschienen ist. Im August waren es lediglich 3,2 Milliarden Euro gewesen. Die Zahl der Finanzierungsrunden stieg im selben Zeitraum von 165 auf 300.

Der Aufschwung ist allerdings sehr ungleich verteilt. Zwei Mega-Deals stemmen mehr als ein Drittel der Summe, und fast die Hälfte des Geldes landet in Großbritannien.

Die wichtigsten Zahlen

  • Gesamtvolumen: 15,8 Milliarden Euro, ein Plus von fast 394 Prozent gegenüber August
  • Deals: 300 Finanzierungsrunden, rund 82 Prozent mehr als im Vormonat
  • Mega-Runden: 25 Unternehmen holten jeweils mehr als 100 Millionen Euro, drei Runden lagen über einer Milliarde Euro
  • Größter Deal: Mistral mit 3 Milliarden Euro in einer Series D bei einer Bewertung von mehr als 21 Milliarden Euro
  • Top-Branche: Cloud mit 5,5 Milliarden Euro, das entspricht 35 Prozent des Monatsvolumens
  • Top-Land: Großbritannien mit 7,3 Milliarden Euro in 65 Deals
  • Exits: 39 Transaktionen, davon acht in Deutschland, sechs in Frankreich und je drei in Großbritannien und Schweden

Mistral und Nscale machen den Monat

Den größten Brocken liefert das Pariser KI-Startup Mistral. Mit 3 Milliarden Euro hat es die größte Eigenkapitalrunde gestemmt, die je ein europäisches Tech-Unternehmen abgeschlossen hat. Angeführt wurde sie von Samsung Electronics, als Co-Leads waren PSG Equity und der Scaleup Europe Fund dabei, jenes Milliardenvehikel der EU-Kommission, das vom schwedischen Investmentkonzern EQT verwaltet wird und zuletzt etwa beim schwedischen Healthtech Tandem Health eingestiegen ist. Mistral will das Geld in Rechenkapazität, Infrastruktur und internationales Wachstum stecken. Technologisch muss das Unternehmen noch liefern: Sein neues Flaggschiff Mistral Large 4 kommt an die Spitze der offenen Modelle aus China bislang nicht heran.

Der zweite Milliarden-Deal ging an den Londoner KI-Cloud-Anbieter Nscale. Er sicherte sich vor seinem geplanten Börsengang an der New York Stock Exchange 3,36 Milliarden Dollar (rund 2,9 Milliarden Euro) über Wandelanleihen. Angeführt wurde die Runde vom Hedgefonds Third Point, auch Nvidia ist an Bord.

Zusammen kommen die beiden Unternehmen auf knapp 5,9 Milliarden Euro, also auf mehr als ein Drittel des gesamten Monatsvolumens. Das erklärt auch, warum Cloud die stärkste Branche war: Rechenzentren und GPU-Kapazitäten für KI sind derzeit das, wofür Investor:innen in Europa die größten Schecks ausstellen.

Großbritannien sammelt fast die Hälfte

Großbritannien bleibt mit 7,3 Milliarden Euro der mit Abstand größte Finanzierungsmarkt Europas, das sind rund 46 Prozent des Monatsvolumens. Aufs Jahr gerechnet sieht es ähnlich aus: Seit Jahresbeginn summieren sich Europas Tech-Finanzierungen laut Euronews auf fast 60 Milliarden Euro, die Hälfte davon entfällt auf britische Unternehmen.

Deutschland punktet vor allem bei den Exits, mit acht Transaktionen war es im September der aktivste Markt. Auch bei den Finanzierungen läuft das Jahr gut: Laut Deutschem Startup Monitor des Startup-Verbands haben deutsche Startups bis Ende September rund 8 Milliarden Euro Risikokapital eingeworben und damit bereits mehr als im gesamten Vorjahr. Zehn neue Unicorns sind dazugekommen, insgesamt zählt Deutschland damit 39 Startups mit Milliardenbewertung.

Und Österreich?

Auch hierzulande hat sich die Stimmung gedreht. Im ersten Halbjahr haben österreichische Startups 472 Millionen Euro eingesammelt, ein Plus von 329 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, laut EY Start-up-Barometer. Mit 97 Finanzierungsrunden gab es einen neuen Rekord, die größten Deals stemmten Waterdrop und Gropyus mit jeweils 100 Millionen Euro. Im europäischen Maßstab bleiben das allerdings kleine Summen: Mistral allein hat in einer einzigen Runde mehr als das Sechsfache dessen eingesammelt, was die gesamte heimische Szene im Halbjahr bekommen hat.

Zu bedenken ist allerdings: Monatswerte sind ein unruhiger Indikator. Ein oder zwei Mega-Deals verschieben das Bild massiv, und genau das ist im September passiert. Rechnet man Mistral und Nscale heraus, bleiben rund 9,9 Milliarden Euro. Das ist immer noch dreimal so viel wie im August, aber deutlich weniger spektakulär als die Schlagzeile.

Hinzu kommt die Frage, was überhaupt gezählt wird. Die Nscale-Runde besteht aus Wandelanleihen, die erst beim Börsengang in Aktien umgewandelt werden. Andere Datenanbieter:innen ordnen solche Instrumente teils anders ein. Bei 34 der 300 Deals ist die Höhe zudem unbekannt. Weil Tech.eu, Dealroom, PitchBook und Co mit unterschiedlichen Methoden arbeiten, lassen sich ihre Zahlen nur bedingt miteinander vergleichen.

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