Nvidia steigt bei Agile Robots, Avelios, Mirelo und Reflex Aerospace ein
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Jensen Huang tourt mit dem Scheckbuch durch Europa, und nach Paris hat er nun in Berlin Station gemacht: Der Nvidia-Chef hat soeben geplante Beteiligungen an vier deutschen Tech-Firmen verkündet, nämlich am Robotik-Hersteller Agile Robots, am Klinik-Software-Startup Avelios Medical, am Audio-KI-Startup Mirelo und am Satellitenbauer Reflex Aerospace. Das gab Nvidia in einem Blogpost bekannt, nach einem Bühnengespräch mit Bundeskanzler Friedrich Merz im ehemaligen Kraftwerk in Berlin.
Die vier neuen Beteiligungen
Wie viel Geld fließt und wie groß die Anteile sind, verrät Nvidia nicht. Die vier Unternehmen decken sehr unterschiedliche Felder ab:
- Agile Robots: Das Münchner Robotik-Unternehmen baut KI-gesteuerte Roboter, von Roboterarmen bis zum humanoiden Agile ONE, für Fertigung, Logistik und Gesundheitswesen. Gegründet haben es 2018 die früheren DLR-Forscher Zhaopeng Chen und Peter Meusel. Agile Robots hat bereits mehr als 270 Millionen Dollar (rund 241 Millionen Euro) von Investoren wie dem SoftBank Vision Fund und Xiaomi eingesammelt und arbeitet seit dem Frühjahr mit Google DeepMind zusammen.
- Avelios Medical: Das Münchner Health-Tech-Startup entwickelt ein KI-natives Krankenhausinformationssystem, das klinische und administrative Abläufe bündelt und Ärzt:innen sowie Pflegekräfte entlasten soll. Zu den Kund:innen zählen die Sana Kliniken, das LMU Klinikum und die Medizinische Hochschule Hannover. Anfang 2025 holte Avelios eine Series A über 30 Millionen Euro, angeführt von Sequoia Capital.
- Mirelo: Das Berliner Startup von CJ Simon-Gabriel und Florian Wenzel entwickelt KI-Modelle, die passende Soundeffekte, Sprache und Musik zu Videos erzeugen. Ende 2025 sammelte Mirelo eine Seed-Runde über 41 Millionen Dollar (rund 36,6 Millionen Euro) ein, angeführt von Index Ventures und Andreessen Horowitz.
- Reflex Aerospace: Der Satellitenbauer, der in München eine eigene Fertigung betreibt, baut Hochleistungssatelliten, die in rund zwölf Monaten statt in Jahren startklar sein sollen. Im Vorjahr holte Reflex die laut eigenen Angaben größte Series A im europäischen New-Space-Sektor über 50 Millionen Euro.
Ganz neu ist Nvidia in Deutschland nicht. Der Konzern ist bereits am Berliner Automatisierungs-Unicorn n8n, an Neura Robotics aus Metzingen und am Bildgenerator Black Forest Labs aus Freiburg beteiligt.
Erst Paris, dann Berlin
In Frankreich hatte Nvidia erst vergangene Woche das Füllhorn ausgeschüttet und sich an Doctolib, Pigment, Genesis AI und Entalpic beteiligt. Beide Pakete sind Teil einer Zusage über fast 10 Milliarden Dollar (rund 8,9 Milliarden Euro), mit der Nvidia Unternehmen, Universitäten und Forschungseinrichtungen in ganz Europa unterstützen will. Zuvor hatte Nvidia laut The Next Web angekündigt, innerhalb einer Woche europäische Deals über weitere 2 Milliarden Dollar (rund 1,78 Milliarden Euro) zu verkünden.
Das passt zur politischen Begleitmusik. Bundesregierung und Nvidia haben am Rande des Invest in Germany Summit eine gemeinsame Absichtserklärung unterzeichnet, um KI-Modelle für sogenannte Physical AI voranzutreiben, also KI, die Maschinen und Roboter in der echten Welt steuert. Merz appellierte an den Mittelstand: „Öffnet eure Türen für KI, um eure Daten zu nutzen.“ Huang wiederum versicherte, KI werde das Wissen deutscher Ingenieur:innen nur verstärken, nicht ersetzen. Parallel kündigte Siemens eine Partnerschaft mit Nvidia für autonome Fabriken an.
Kritik an Nvidias Beteiligungen
Nvidias Investitionen stehen allerdings auch in der Kritik. Kritiker:innen werfen dem Konzern sogenannte Kreislauffinanzierung vor: Nvidia investiert in KI-Firmen, die mit dem Geld wiederum Nvidia-Chips kaufen. Damit verschwimme die Grenze zwischen Investment und Umsatz. Auch der Internationale Währungsfonds warnte vor zunehmender Kreislauffinanzierung entlang der KI-Wertschöpfungskette. Huang weist die Vorwürfe zurück: Die Beteiligungen seien im Vergleich zum Geschäft, das sie erzeugen, zu klein, und jede stehe für sich.

