Mutmaßliche chinesische Spionin hatte Zugang zu Nvidia-Chef Jensen Huang
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Der mächtigste Chip-Manager der Welt hatte offenbar eine Bekanntschaft, vor der ihn niemand gewarnt hat. Wie die New York Times berichtet, sind US-Geheimdienste zu dem Schluss gekommen, dass eine Managerin eines Nvidia-Kunden aus Singapur Informationen an Peking geliefert hat. Und diese Frau stand in engem Kontakt mit Nvidia-CEO Jensen Huang. US-Präsident Donald Trump soll darüber bereits vor rund einem Jahr informiert worden sein, unternahm aber nichts.
Wer ist Alice Huang?
Im Zentrum steht Alice Huang, auch bekannt als Huang Le. Mit dem Nvidia-Chef ist sie nicht verwandt. Die chinesische Staatsbürgerin war Managerin beim Rechenzentrumsbetreiber Megaspeed mit Sitz in Singapur. Laut der Times wurde sie nach dem Start des Unternehmens 2023 kurzzeitig als Geschäftsführerin geführt, später verschwand ihr Name aus den Firmenunterlagen. Ein chinesischer Investmentfonds beschrieb sie als frühere TV-Reporterin, die Times konnte das nicht bestätigen.
Die US-Behörden hatten Alice Huang ursprünglich aus einem anderen Grund im Visier. Sie überwachten sie im Rahmen von Ermittlungen gegen den Schmuggel von Hochleistungschips nach China. Dabei stießen sie auf ihre Kontakte zu einem US-Bürger, der sich später als Jensen Huang herausstellte. Die beiden sollen sich mehrfach getroffen haben, unter anderem auf einer Party rund um eine Tech-Messe in Taipeh im Jahr 2024. Eine Warnung, wie sie US-Bürger:innen bei solchen Fällen normalerweise erhalten, bekam der Nvidia-Chef laut Times nie.
Megaspeed und die verschwundenen Chips
Megaspeed betreibt Rechenzentren, kauft dafür Nvidia-Chips und vermietet die Rechenleistung weiter, unter anderem an Alibaba und andere chinesische Firmen. Laut der Times hat eine malaysische Schwesterfirma in weniger als zwei Jahren Nvidia-basierte Ausrüstung im Wert von mindestens 4,8 Milliarden Dollar (rund 4,3 Milliarden Euro) gekauft, eine ungewöhnlich hohe Summe für ein kleines, kaum bekanntes Unternehmen. Bezogen wurden die Chips teils über Aivres, den US-Ableger des chinesischen Konzerns Inspur, der auf einer US-Sanktionsliste steht.
Aufgeflogen ist das Ganze Ende 2024, als ein Beamter des US-Handelsministeriums ein Megaspeed-Rechenzentrum in Malaysia besuchte und dort Nvidia-Ausrüstung fand, die noch in Kartons verpackt war. Inzwischen ermittelt das US-Justizministerium. Der republikanische Senator Tom Cotton hatte bereits im Vorjahr eine Untersuchung gefordert. Megaspeed sei eine Abspaltung des chinesischen Cloud-Anbieters 7Road, der dem chinesischen Staat gehöre, so Cotton. Die Büros in Singapur und Malaysia seien nahezu leer, die Führungskräfte säßen überwiegend in China.
Worum es gegangen sein könnte
Was genau Alice Huang an Peking weitergegeben haben soll, ist nicht bekannt. Die Berichte lassen aber zwei Stoßrichtungen erkennen.
- Chips für China: Megaspeed steht im Verdacht, chinesischen Unternehmen trotz US-Exportbeschränkungen Zugang zu Nvidias leistungsstärksten KI-Chips verschafft zu haben. Ein guter Draht zum Nvidia-Chef wäre dafür wertvoll gewesen.
- Einblick in Washington: Laut der Times sorgten sich US-Beamte vor allem darüber, welche sensiblen Informationen sie über Nvidia oder über Trumps Haltung zu Chip-Exporten erfahren haben könnte. Jensen Huang gilt als enger Vertrauter des Präsidenten und hat sich immer wieder für lockerere Exportregeln eingesetzt.
Gerade Letzteres macht den Fall heikel. Die Trump-Regierung hat zuletzt den Verkauf von Nvidias H200-Chips an chinesische Käufer:innen unter Auflagen erlaubt, die USA kassieren dabei 25 Prozent. Für Peking ist jedes Detail über die Verhandlungslinie Washingtons bares Geld wert. Dass Nvidia das China-Geschäft zwischenzeitlich weitgehend aufgeben musste, zeigte sich etwa im März, als der Konzern die Produktion für den chinesischen Markt stoppte.
Nvidia: „Weder ungewöhnlich noch unerwartet“
Nvidia weist jeden Verdacht zurück. Die Kontakte von Jensen Huang zu Alice Huang seien weder ungewöhnlich noch unerwartet, Treffen mit Kund:innen gehörten zum Job eines CEO, sagte Sprecher John Rizzo. Huang spreche jedes Jahr mit Tausenden Führungskräften von Kunden, und diese bekämen keine sensiblen Firmeninformationen. Die Vorwürfe, Megaspeed habe Chips nach China umgeleitet, seien bereits im Vorjahr gründlich untersucht und widerlegt worden.
Jensen Huang selbst bezeichnete das Geschäft mit Megaspeed gegenüber Bloomberg als normal. Nvidia habe alle Einsätze seiner Grafikprozessoren bei Megaspeed geprüft und jeden einzelnen gezählt. Alice Huang arbeite inzwischen nicht mehr für das Unternehmen. Megaspeed hat externe Anwält:innen eingeschaltet und will mit den US-Behörden kooperieren. Die chinesische Botschaft in Washington spricht von „grundlosen Verleumdungen“.
Druck aus dem Kongress
Ganz ausgestanden dürfte die Sache damit nicht sein. Laut der Times zweifeln einzelne hochrangige Beamte im Weißen Haus daran, dass Jensen Huang nichts von den Aktivitäten seiner Gesprächspartnerin wusste. Die demokratische Senatorin Elizabeth Warren fordert, dass Huang und der Nvidia-Aufsichtsrat vor dem Kongress aussagen. Abgeordnete beider Parteien arbeiten an strengeren Regeln für den Export von KI-Technologie. An der Börse hielt sich die Reaktion in Grenzen: Die Nvidia-Aktie verlor am Donnerstag knapp ein Prozent und gab nachbörslich weiter nach.

