Linzer KI-Startup NXAI verbündet sich mit deutschem Robotik-Unicorn Neura
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Ein Roboter, der jede Situation wie die erste behandelt, ist in der Fabrik wenig wert: Das deutsche Robotik-Unicorn Neura Robotics und das Linzer KI-Startup NXAI rund um Sepp Hochreiter haben soeben eine Partnerschaft verkündet, um Robotern ein Gedächtnis zu verpassen. Dafür kombinieren sie Neuras KI-Plattform für Roboter mit xLSTM, der KI-Architektur von NXAI. Zusätzlich soll ein eigenes NXAI-Modell auf Neuras Plattform Neuraverse landen.
Was die beiden vorhaben
Die Partnerschaft besteht aus zwei Teilen. Erstens entwickeln die beiden Unternehmen gemeinsam einen Gedächtnis-Baustein für Neuron AI, das KI-Modell, das Neura erst vergangene Woche vorgestellt hat. Es verarbeitet 3D-Bilder, Tastsinn, Geräusche, den Zustand des Roboters und Sprache. Zweitens will NXAI ein eigenes Modell auf Basis von xLSTM im Neuraverse anbieten. Unternehmen sollen es dort mit Neuras Werkzeugen auf ihre Aufgaben trainieren, in Neuras Trainingshallen, den Neura Gyms, testen und dann auf Robotern einsetzen können. Neuron AI bleibt dabei Neuras eigenes Modell und wird unabhängig weiterentwickelt.
Warum Gedächtnis so wichtig ist, erklären die Partner in ihrer Mitteilung: Ein Chatbot beantwortet Anfragen nacheinander, ein Roboter dagegen nimmt wahr, entscheidet und handelt viele Male pro Sekunde, unter Umständen eine ganze Schicht lang. Dafür braucht er ein Arbeitsgedächtnis, das festhält, ob ein Bauteil schon eingesetzt oder eine Tür bereits geöffnet wurde. Ein längerfristiges, episodisches Gedächtnis soll ihm zudem erlauben, auf Erfahrungen aus früheren Durchläufen zurückzugreifen. „Ein Roboter, der im Alltag und in der Industrie wirklich hilft, muss sich erinnern“, sagt Neura-Gründer und CEO David Reger.
xLSTM: Hochreiters Antwort auf den Transformer
Dass ausgerechnet NXAI dafür ins Spiel kommt, liegt an Hochreiters Forschungsgeschichte. Der Professor an der Johannes Kepler Universität Linz hat in den 1990er-Jahren gemeinsam mit Jürgen Schmidhuber das Long Short-Term Memory (LSTM) entwickelt, ein neuronales Netz mit eingebautem Gedächtnis, das lange etwa in der Spracherkennung von Smartphones steckte. Mit dem Siegeszug der Transformer-Architektur, auf der ChatGPT und Co. basieren, geriet LSTM in den Hintergrund.
Mit xLSTM hat Hochreiter die Technik 2024 neu aufgelegt. Der Vorteil gegenüber Transformern: Der Rechenaufwand wächst nur linear mit der Länge der Eingabe, und das Modell hält einen kompakten Zustand, den es mit jedem neuen Datenpunkt aktualisiert, statt die gesamte Vorgeschichte neu zu verarbeiten. Das macht xLSTM schnell und sparsam, also interessant für Maschinen, die ohne Cloud direkt vor Ort rechnen müssen. „xLSTM ist dafür gebaut, ist schnell, speichereffizient und kann den Zustand über lange Sequenzen halten“, sagt Hochreiter, der bei NXAI Chief Scientist ist.
Zwei Unternehmen mit großen Ambitionen
NXAI wurde Ende 2023 in Linz gegründet, beteiligt waren damals neben Hochreiter die Agentur Netural X und die Pierer Digital Holding. Im Vorjahr stiegen zwei deutsche Investoren mit zusammen knapp 32 Prozent ein. Bekannt wurde NXAI zuletzt vor allem mit dem Zeitreihen-Modell TiRex, aus NXAI ging zudem das Startup Emmi AI hervor, das Mistral heuer übernommen hat.
Neura Robotics wurde 2019 von David Reger in Metzingen gegründet und baut kognitive Roboter, vom Roboterarm bis zum Humanoiden 4NE1. Mitte des Jahres führte der Stablecoin-Konzern Tether eine Series C über bis zu 1,2 Milliarden Euro an, an der sich auch Nvidia und Amazon beteiligten. Die Bewertung lag laut Medienberichten bei rund 6 Milliarden Euro.
Starke Konkurrenz aus den USA und Frankreich
Mit dem Gedächtnis-Thema sind die beiden nicht allein. Google bringt mit seinen Gemini-Modellen Robotern das Planen über viele Schritte bei, Nvidia bietet mit Isaac GR00T offene Modelle für humanoide Roboter an, und US-Startups wie Physical Intelligence, Figure AI und Skild AI entwickeln eigene KI-Gehirne für Roboter, finanziert mit Milliarden. Auf NXAIs zweitem Standbein, den Zeitreihen-Modellen, wird es ebenfalls enger: Mistral hat kürzlich mit Timestral vier eigene Modelle vorgestellt, die etwa Stromverbrauch, Serverlast oder Sensordaten aus Maschinen vorhersagen und damit auf dieselben Industriekund:innen zielen wie NXAIs TiRex. Auf der Rangliste fev-bench liegt Timestral laut Mistrals eigenen Zahlen klar vor TiRex-2, das dort nur Platz sieben erreicht. Wie gut der gemeinsame Gedächtnis-Baustein funktioniert, muss sich erst zeigen: Ergebnisse oder einen Zeitplan nennen Neura und NXAI nicht, auch für Neuron AI hat Neura bisher keine Benchmark-Werte veröffentlicht.

