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Regierung hat für den Dach-Fonds 23,23 Millionen Euro bis 2029 vorgesehen

State Secretary Elisabeth Zehetner and Economy Minister Wolfgang Hattmannsdorfer facing each other in a photo composite
State Secretary Elisabeth Zehetner and Economy Minister Wolfgang Hattmannsdorfer (photo composite). Photos: BMWET/Elias Pargan, BMWET/Holey (CC BY-ND 4.0)

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Er soll eine halbe Milliarde Euro groß werden und österreichischen Startups zur Skalierung verhelfen, aber zuerst muss er selbst noch skalieren: Für den geplanten Startup- und Scaleup-Dachfonds Österreichs sind in der laufenden Legislaturperiode (2027 bis 2029) Bundesmittel von 23,23 Mio. Euro vorgesehen, die übrigen rund 76,77 Mio. Euro des 100 Mio. Euro schweren Ankerinvestments werden von 2030 bis 2042 abgerufen.

Das geht aus einem Konzeptpapier aus dem Büro von Staatssekretärin Elisabeth Zehetner im Wirtschaftsministerium (BMWET) hervor, das Trending Topics vorliegt. Es liefert erstmals konkrete Zahlen zur Budgetwirkung, nennt die Mitglieder des Auswahlkomitees für das Fondsmanagement und legt fest, was die künftigen Fondsmanager:innen mitbringen und leisten sollen. Investiert wird breit gestreut: Mindestens in Höhe des Bundesanteils von bis zu 100 Mio. Euro soll Geld in österreichische Unternehmen fließen, der Großteil der angepeilten 500 Mio. Euro kann damit im Ausland angelegt werden.

Auf Anfrage von Trending Topics geht das Büro von Zehetner auf einzelne Zahlen des Papiers nicht ein. In der Stellungnahme heißt es: „Wir stimmen derzeit die letzten Details mit dem Finanzministerium ab, daher kann einzelnen Ausgestaltungsfragen noch nicht vorgegriffen werden.“ Sobald das Einvernehmen hergestellt sei, würden die Details und der weitere Zeitplan präsentiert.

Was der Dachfonds ist und wozu er dient

Österreich hat ein Problem mit Wachstumskapital: Die heimischen Fonds sind laut Konzeptpapier in den vergangenen Jahren zwar gewachsen, aber zu klein, um Unternehmen ab Series A nachhaltig zu begleiten. Die Folge ist die Abwanderung vielversprechender Firmen ins Ausland, mitsamt Wertschöpfung und Arbeitsplätzen. Das Büro von Zehetner formuliert es so: „Gerade in der Wachstumsphase fehlt dafür häufig das nötige Kapital.“

Der Dachfonds soll das ändern. Er ist als Fund-of-Funds konstruiert: Er investiert nicht direkt in Startups, sondern in Zielfonds, die ihrerseits Beteiligungen an einzelnen Unternehmen halten. Die Idee dahinter hat Trending Topics schon früh begleitet: Der Staat gibt als Ankerinvestor ein Signal, damit risikoscheue Geldgeber:innen wie Pensionskassen, Versicherungen und Banken mitziehen. Das Zielvolumen liegt bei rund 500 Mio. Euro, der Bund steuert bis zu 100 Mio. Euro bei, das entspricht etwa 20 Prozent.

Der Dachfonds ist laut Papier als GmbH & Co KG geplant, alternativ als luxemburgische SICAR. Die Laufzeit beträgt voraussichtlich 16 Jahre, die erste Ausschüttung wird etwa 8 bis 10 Jahre nach dem Start erwartet. Angepeilt wird eine jährliche Rendite von mehr als 10 Prozent. Die Mindestticket-Größe für Investor:innen liegt bei 5 Mio. Euro, bei großem Interesse kleinerer Geldgeber:innen eventuell bei 3 Mio. Euro.

Die Regierung hatte schon mit dem Regierungsprogramm Kurs auf den Fonds genommen, laut Industriestrategie soll er Anfang 2027 operativ werden – also bereits in einigen Monaten. Angesiedelt wird er bei der Austria Wirtschaftsservice (aws). Die aws soll laut Stellungnahme des Büros die Umsetzung übernehmen und das Ankerinvestment des Bundes verwalten. Investiert werden soll in professionell geführte Zielfonds, die Startups, Scaleups und universitäre Spin-offs finanzieren.

Die EcoAustria-Studie im Auftrag des Ministeriums rechnet bei 500 Mio. Euro Gesamtvolumen und 100 Mio. Euro öffentlichem Anker mit folgenden Effekten:

  • BIP: plus 0,2 Prozent
  • Wertschöpfung: plus 300 Mio. Euro kurzfristig, plus 1 Mrd. Euro langfristig
  • Beschäftigung: 1.500 bis 2.500 zusätzliche Arbeitsplätze
  • Gründungen: mittelfristig bis zu 180 zusätzliche Unternehmensgründungen

Nur 23 Mio. Euro bis 2029: So wird das Budget geschont

Der Clou liegt in der Abrufstruktur. Das Fondsmanagement ruft das staatliche Kapital über die aws nicht auf einmal ab, sondern verteilt über die gesamte Laufzeit. Dadurch bleibt die jährliche Belastung niedrig. Bei einem operativen Start 2027 rechnet die aws laut Papier in den Jahren 2027 bis 2029 mit einem budgetwirksamen Mittelbedarf von 23,23 Mio. Euro. Das sind im Schnitt rund 7,7 Mio. Euro pro Jahr.

Die restlichen rund 76,77 Mio. Euro des Ankerinvestments werden erst in den Jahren 2030 bis 2042 abgerufen und damit erst dann budgetwirksam. Auf diese 13 Jahre verteilt, wären das im Schnitt knapp 5,9 Mio. Euro jährlich (ebenfalls eigene Rechnung). Die aktuelle Regierung aus ÖVP, SPÖ und Neos ist regulär bis 2029 im Amt, dann steht die nächste Nationalratswahl an. Den Großteil des Geldes muss also erst eine künftige Regierung bereitstellen. Verteilt sich der Restbetrag gleichmäßig auf die 13 Jahre bis 2042, müsste eine Regierung, die 2029 gewählt wird und volle fünf Jahre im Amt bleibt, grob gerechnet knapp 30 Mio. Euro für den Fonds einplanen.

Bezahlt werden soll der Anker nach dem Konzept weitgehend aus Rückflüssen:

  • Bestehende aws-Initiativen: realisierte und künftige Rückflüsse aus Eigenkapitalinitiativen der aws, etwa dem Gründerfonds
  • Dachfonds selbst: künftige Rückflüsse aus den Erträgen des Fonds
  • Auffangnetz: Reichen diese Mittel nicht, springt das Ordinarium der Untergliederung 40 im BMWET ein
  • Rücklagen: Die erwarteten Mittel für 2027 bis 2029 lassen sich nach Angaben des Papiers bereits jetzt nahezu vollständig aus dafür vorgesehenen aws-Rücklagen decken

Die Bedeckung erfolgt formal aus dem Bundesfinanzrahmen 2027 bis 2030 beziehungsweise 2028 bis 2031. Mehrkosten sind laut Konzeptpapier nicht zu erwarten.

Rechtlich gibt es eine Besonderheit: Weil der Fonds langfristig investiert, verlangt das Konzept schon vor dem Start der Laufzeit eine verbindliche Zusage (Hard Commitment) über die volle Höhe von 100 Mio. Euro, ähnlich wie beim Gründerfonds I. Sie wird in einem Abwicklungsvertrag zwischen dem BMWET und der aws festgeschrieben, und dafür braucht es das Einvernehmen des Finanzministeriums. Eine beihilfenrechtliche Prüfung ist bei einem Bundesanteil von 20 Prozent laut Papier nicht erforderlich, der Anteil staatlicher Institutionen muss aber jederzeit unter 50 Prozent bleiben.

Zur Einordnung der Größenordnung: Der letzte bundesweite Fördercall für Photovoltaik und Stromspeicher nach dem Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG) im Jahr 2026 hat 38,5 Mio. Euro zur Verfügung, ursprünglich vorgesehen waren nur 8 Mio. Euro. Über alle PV-Calls des Jahres 2026 zusammen stehen 128,5 Mio. Euro bereit. Die 23,23 Mio. Euro für den Dachfonds in den Jahren 2027 bis 2029 liegen damit unter dem Volumen dieses einen Förderaufrufs.

Welche Minister und Staatssekretär:innen involviert sind

Federführend ist das Wirtschaftsministerium, also Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) und Staatssekretärin Elisabeth Zehetner (ÖVP), in deren Büro das Konzeptpapier entstanden ist. Beide haben laut Papier bereits Gespräche mit Banken, Versicherungen und Pensionskassen geführt, die Resonanz sei durchwegs positiv. Politische Unterstützung an der Spitze gilt dem Konzept zufolge als förderlich für erfolgreiches Fundraising.

Das Finanzministerium ist über den Abwicklungsvertrag eingebunden, denn ohne dessen Einvernehmen gibt es keine rechtsverbindliche Zusage. Laut Zehetners Büro laufen derzeit die Abstimmungen über die letzten Details mit dem Finanzministerium. Das Fondskonzept selbst hat die aws erarbeitet.

Wer das Fondsmanagement auswählt

Die aws schreibt die Managementrolle international aus. Die Entscheidung trifft ein fünfköpfiges Auswahlkomitee aus internationalen Expert:innen, inklusive einer Investorenvertretung. Alle Mitglieder gelten als politisch unabhängig und wurden von der aws ausgewählt:

  • Franz Hörhager (Österreich): Gründungspartner, Chairman und CEO der Wiener Beteiligungsgesellschaft Accession Capital Partners, zuvor langjährig bei der Bank Austria Gruppe und der Creditanstalt
  • Hubert Cottogni (Italien): zuletzt Director und Head of Mandate Management beim Europäischen Investitionsfonds (EIF)
  • Wiebke Schloemer (Deutschland): Division Director der Weltbank-Tochter IFC für den Westbalkan und den Südkaukasus sowie Head of Office von IFC Austria in Wien, zuvor Leiterin der IFC-Aktivitäten in der Türkei und Zentralasien
  • Christoph Junge (Dänemark): Managing Director und Head of Fund Investments beim dänischen Export- und Investitionsfonds EIFO, in dem der frühere Dachfonds-Geber Vækstfonden aufgegangen ist
  • Marne Lepert (Frankreich): langjährige Erfahrung beim Recruiting von Management- und Fondsteams

Idealerweise gewinnt die aws einen General Partner, also ein bereits bestehendes, international erfahrenes Managementteam mit eigener Gesellschaft. Das Büro von Zehetner bestätigt diese Linie: „Wir streben ein internationales Management an. Entscheidend sind internationale Erfahrung und ein überzeugender Track Record. Die Ausschreibung soll durch ausgewiesene Expertinnen und Experten begleitet werden.“

Wie so eine Auswahl aussehen kann, zeigt der EU-Scaleup-Europe-Fund mit einem Zielvolumen von 5 Mrd. Euro: Dort hat der Europäische Innovationsrat (EIC) nach einem offenen Interessenbekundungsverfahren den schwedischen Investor EQT als Fondsmanager gewonnen, wie Trending Topics berichtete. Bewertet wurden Investitionserfahrung im Scaleup-Bereich, die Fähigkeit zur Kapitaleinwerbung und die Bereitschaft, den Fonds mit einem in der EU ansässigen Team zu führen. EQT steuert zudem eigenes Kapital zum Fonds bei, die Mitbewerber Eurazeo und Atomico unterlagen.

Was vom Fondsmanagement erwartet wird

Das Management besteht aus zwei bis drei Schlüsselpersonen, insgesamt je nach Fondsgröße aus sechs bis acht Personen. Sie sind Eigentümer:innen und Geschäftsführer:innen der Komplementär-GmbH und sollen bevorzugt selbst am Dachfonds beteiligt sein (Skin in the game). Sie legen die Investitionsstrategie fest, die von den Investor:innen genehmigt werden muss, und treffen die Investitionsentscheidungen.

Die Vergütung folgt Branchenstandards: eine Management Fee von rund 1 Prozent des Fondsvolumens plus eine erfolgsabhängige Gewinnbeteiligung (Carry) von etwa 5 bis 10 Prozent bei einer Hurdle Rate von etwa 6 bis 8 Prozent.

Inhaltlich soll breit diversifiziert werden, auch außerhalb Österreichs und Europas. Der Standortbezug entsteht durch die Ansiedlung des Dachfonds in Österreich: Mindestens in der Höhe des staatlichen Ankerinvestments soll Geld in österreichische Unternehmen fließen. Die Zielfonds sollen in Europa ansässig sein und Schlüsseltechnologien in den Mittelpunkt stellen, Fonds mit Defence-Komponente und anderen aufkommenden Technologien sind möglich. Besonderes Potenzial sieht das Papier in Österreich bei KI und Digitalisierung, Life Sciences und Quanten-Computing.

Kontrolliert wird das Management von zwei Gremien:

  • Investmentkomitee: etwa fünf unabhängige Marktexpert:innen, die nicht am Fonds beteiligt sind, vom Management bestellt werden und bei Investitions- und Desinvestitionsentscheidungen beraten. Die Letztentscheidung liegt beim Fondsmanagement.
  • Investorenbeirat: etwa fünf Vertreter:innen der größten Investor:innen. Sie überwachen das Management, genehmigen Investitionen außerhalb der Strategie, eine Verlängerung der Laufzeit und den Ersatz bei einem Ausfall von Schlüsselpersonen. Die aws hätte bei 20 Prozent Anteil ein Nominierungsrecht für eine Person, die marktnah und politisch unabhängig sein muss.
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