Stromausfall bei Google Cloud legt Revolut, ING und Spotify lahm
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Ein Stromproblem in einem Londoner Rechenzentrum, und plötzlich können Millionen Menschen nicht mehr mit ihrer Karte bezahlen: Ein Ausfall bei Google Cloud hat am Dienstag Revolut, die deutsche ING und eine ganze Reihe weiterer Dienste stundenlang lahmgelegt. Google entschuldigte sich bei allen Betroffenen. Der Vorfall zeigt einmal mehr, an wie wenigen Cloud-Anbietern ein großer Teil des Internets hängt.
Ein „Power Event“ in London
Betroffen war die Google-Cloud-Region europe-west2 in London. Mehrere Dienste meldeten dort laut Google „erhöhte Fehlerraten und zeitweise Netzwerkausfälle“. Als Ursache nannte Google später ein „Power Event“, also ein Problem mit der Stromversorgung. Erste Störungen fielen ab etwa 7 Uhr britischer Zeit auf, gegen Mittag meldete Google, dass die meisten Anwendungen in der Region wieder hochfahren. Bis alle abhängigen Dienste wieder rund liefen, dauerte es laut Tom’s Guide noch länger. Hinweise auf einen Cyberangriff gibt es nicht.
„Wir entschuldigen uns bei allen, die von der Störung betroffen sind“, ließ Google mitteilen.
Diese Dienste fielen aus
Am härtesten traf es Revolut. Kund:innen konnten sich teils nicht einloggen, keine Überweisungen tätigen, nicht mit der Karte zahlen und kein Geld am Automaten abheben. Auch der Handel mit Aktien und Krypto sowie Revolut Business waren betroffen. Auf Downdetector meldeten allein am Vormittag mehr als 1.500 Menschen Probleme. „Wir können bestätigen, dass das Geld und die Daten all unserer Kund:innen sicher sind“, erklärte Revolut.
Daneben waren unter anderem betroffen:
- Banken: Die ING in Deutschland, wo Kund:innen zeitgleich nicht ins Online-Banking kamen (auch die ING nutzt Google-Cloud-Dienste), dazu Lloyds, Halifax und HSBC in Großbritannien sowie die Finanz-App Emma.
- Streaming: Spotify verzeichnete gegen Mittag einen deutlichen Anstieg an Störungsmeldungen.
- Logistik: Paketdienst DPD und die Sendungsverfolgung der britischen Royal Mail.
- Öffentliche Dienste: Die App des britischen Gesundheitsdienstes NHS und Livestreams britischer Gerichte.
Vor genau einem Jahr fiel AWS aus
Ein Einzelfall ist das nicht. Fast auf den Tag genau vor einem Jahr legte ein Ausfall bei Amazon Web Services (AWS), dem größten Cloud-Anbieter der Welt, einen beträchtlichen Teil des Internets lahm. Auslöser war damals ein DNS-Problem bei der Datenbank DynamoDB in der wichtigen US-Region us-east-1 in Virginia. Die Folgen waren über viele Stunden weltweit zu spüren:
- Apps und Games: Snapchat, Fortnite, Roblox und der Messenger Signal waren gestört.
- Smart Home: Amazons Sprachassistentin Alexa und die Ring-Türklingeln funktionierten nicht mehr richtig.
- Finanzen: Die Bezahl-App Venmo und die Kryptobörse Coinbase fielen aus, in Großbritannien auch die Apps der Lloyds Banking Group und die Website der Steuerbehörde HMRC.
- Lernen und KI: Duolingo und die KI-Suchmaschine Perplexity waren ebenfalls betroffen.
Und auch AWS blieb seither nicht verschont. Im März wurden zwei Rechenzentren in den Vereinigten Arabischen Emiraten bei Drohnenangriffen beschädigt, was Dutzende Dienste in der Region störte. Im November 2025 hatte zudem ein Konfigurationsfehler bei Cloudflare das halbe Internet ins Stolpern gebracht, von ChatGPT über X bis zu Shopify-Shops.
Die Abhängigkeit von wenigen Anbietern
Das Muster ist immer dasselbe: AWS, Microsoft Azure und Google Cloud teilen sich den Großteil des Cloud-Markts, und viele Unternehmen setzen auf nur einen Anbieter oder sogar nur eine Region. Fällt dort der Strom aus oder geht eine Konfiguration schief, trifft es gleich Dutzende Firmen und Millionen Nutzer:innen auf einmal.
Für Banken ist das besonders heikel. In der EU müssen sie seit Jänner 2025 nach der Verordnung DORA nachweisen, wie sie mit dem Ausfall wichtiger IT-Dienstleister umgehen, große Cloud-Anbieter stehen als kritische Dienstleister unter direkter Aufsicht der EU-Finanzbehörden. Wer seine Systeme über mehrere Regionen oder Anbieter verteilt, ist besser geschützt, zahlt dafür aber deutlich mehr. Wie Revolut seine Infrastruktur aufgestellt hat und warum der Ausfall einer einzelnen Londoner Region so weitreichende Folgen hatte, ließ das Fintech bisher offen.

