Seekabel ohne USA: Norweger planen direkte Datenautobahn von Europa nach Kanada
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Bulk Infrastructure sucht einen kanadischen Partner für ein ambitioniertes Seekabelprojekt. Der norwegische Betreiber von Glasfasernetzen und Rechenzentren will eine direkte Datenverbindung von Europa nach Kanada verlegen, und das ohne jede Berührung mit US-Territorium, berichtet Golem. Das Projekt trägt den Namen „Leif Erikson“, benannt nach dem Wikinger, der bereits vor über 1.000 Jahren die Route über den Atlantik nach Nordamerika nahm.
620 Mio. Dollar für Seekabel
Die geplante Route führt von Nordeuropa durch den Atlantik und landet in Happy Valley-Goose Bay in Neufundland und Labrador. Von dort soll eine rund 1.900 Kilometer lange Erdkabel-Trasse durch Quebec bis nach Montreal verlaufen. Weder das Seekabel noch die terrestrische Anbindung berühren US-Gebiet oder dortige Netzwerkknoten. Das Projekt verspricht laut Prospekt eine „direkte, sichere Datenübertragung mit hoher Kapazität für KI-, Telekommunikations- und Hyperscale-Märkte.“ Bislang läuft der Großteil des kanadischen Daten- und Sprachverkehrs über Glasfaserkabel durch die USA.
Bulk Infrastructure veranschlagt das Projekt mit rund 620 Millionen US-Dollar. Das Unternehmen sucht gezielt nach einem kanadischen Partner, der die Mehrheit der Eigentumsrechte übernimmt. Die Konstellation ist strategisch: BGO US Real Estate, eine Tochtergesellschaft des kanadischen Finanzkonzerns Sun Life Financial, hält über zwei Fonds bereits 65 Prozent an Bulk. In den vergangenen 15 Jahren hat Bulk rund 10.000 Kilometer Glasfaserkabel verlegt, sowohl unter Wasser als auch an Land. Die bestehenden Verbindungen nach Kanada dürften die Partnersuche erleichtern.
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Kanada will von USA unabhängig werden
Auf einem EU-Kanada-Gipfel Ende Oktober in Montreal standen Förder- und Durchführbarkeitsstudien für direkte Seekabelverbindungen zwischen Europa, Kanada und Asien oben auf der Agenda. Das Timing passt: Kanada drängt darauf, seine digitale Infrastruktur unabhängiger von den USA zu gestalten. Project Leif Erikson könnte genau diese Lücke schließen und gleichzeitig neue Kapazitäten für datenintensive AI- und Hyperscale-Anwendungen schaffen.
„Es muss ein kanadisches, souveränes Kabelsystem sein“, sagte Peder Nærbø, Gründer und CEO von Bulk Infrastructure, laut Bloomberg. Die Betonung auf Souveränität ist kein Zufall. In einer Zeit, in der Datenströme und digitale Infrastruktur zunehmend zu geopolitischen Machtfaktoren werden, positioniert sich das Projekt als Alternative zur US-dominierten Netzwerkarchitektur Nordamerikas. Für europäische und kanadische Akteure, die sensible Daten übertragen, könnte eine Route ohne US-Touchpoints attraktiv sein.
Der geopolitische Kontext verschärft sich: In den Sicherheits- und Handelsdoktrinen der Trump-Regierung wird Nordamerika unmissverständlich als US-Einflusszone definiert, in der Nachbarn wie Kanada strategisch untergeordnet werden sollen. Kanadas Premierminister Mark Carney hat erklärt, dass die USA versuchten, Kanada wirtschaftlich „zu brechen“ und als eigenständige Nation unterzuordnen. Ein eigenes, von den USA unabhängiges Datenkabel passt in diese Strategie der digitalen Souveränität.

