Pre-IPO-Investments für Anthropic kommen an die Wiener Börse
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Wer auf Anthropic wetten will, kann das jetzt schon vor dem Börsengang tun, und zwar in Wien: Der Krypto-ETP-Anbieter 21shares hat das erste Pre-IPO-Produkt auf Anthropic in Europa gestartet. Das 21shares Anthropic Synthetic ETP mit dem Kürzel CLAU notiert am Vienna MTF, dem multilateralen Handelssystem der Wiener Börse. Es bildet die implizite Bewertung des Claude-Herstellers vor dessen geplantem Börsengang ab. Anthropic-Aktien stecken allerdings keine darin.
So funktioniert das Produkt
Statt echter Anteile nutzt 21shares eine Konstruktion aus der Kryptowelt:
- Basiswert: Das ETP bildet den Kaiko Anthropic USD Reference Rate ab, einen Index des Krypto-Datenanbieters Kaiko. Dessen täglicher Referenzpreis stammt von den Anthropic-Perpetual-Futures der Kryptobörse Binance, also Derivaten ohne Ablaufdatum, mit denen Trader:innen auf die Bewertung von Anthropic wetten.
- Struktur: Das Engagement läuft über Total Return Swaps, Hebel gibt es keinen. Gegenpartei ist FalconX, der Krypto-Prime-Broker, dem 21shares gehört. Herausgeber ist eine eigene Zweckgesellschaft namens 21shares x FalconX Limited.
- Kosten: Die jährliche Gebühr liegt bei 1 Prozent, beim Ausstieg fallen 2 Prozent an. Dazu können laut Produktseite Finanzierungs- und Handelskosten der Perpetual Futures kommen.
- Nach dem Börsengang: Das ETP wandelt sich nicht in Aktien um und wird auch nicht abgerechnet. Stattdessen orientiert sich der Referenzpreis dann am offiziellen Börsenkurs von Anthropic, der Handel in Wien läuft weiter.
Noch ist das Produkt winzig. Zum Start verwaltete es laut Produktseite rund 49.000 Dollar (rund 44.000 Euro), ein Anteil kostete knapp 9,90 Dollar (rund 8,80 Euro). In den USA, Kanada, Australien und Japan wird das ETP nicht angeboten, in der Schweiz und Großbritannien nur an professionelle Anleger:innen.
Kaufen lässt sich das ETP über Banken und Online-Broker, die Zugang zum Vienna MTF bieten. Auf seiner Produktseite listet 21shares eine ganze Reihe europäischer Broker, über die seine ETPs erhältlich sind. Aus Österreich sind etwa DADAT Bank und easybank dabei, aus Deutschland unter anderem comdirect, ING, Flatex, Scalable Capital, Smartbroker, justTRADE und finanzen.net zero. Dazu kommen internationale Plattformen wie Trading 212, Degiro, eToro, Interactive Brokers, Saxo Bank und Swissquote. Ob CLAU bei einem bestimmten Broker bereits handelbar ist, sollten Anleger:innen allerdings im Einzelfall prüfen.
„Traditionelle Investor:innen, die an dieser Wertschöpfung teilhaben wollen, haben ein wachsendes Zugangsproblem“, sagt Duncan Moir, President und Chief Investment Officer von 21shares. Man übertrage Werkzeuge aus der Welt digitaler Assets auf alternative Investments.
Wie viel Anthropic wert sein soll
Anthropic bereitet einen der größten Börsengänge der Geschichte vor und hat dafür bereits seinen Börsenprospekt eingereicht. Wie hoch die Bewertung ausfällt, ist offen. Die Binance-Futures, an denen sich das ETP orientiert, ließen Anfang September auf eine Bewertung von rund 1,93 Billionen Dollar (rund 1,72 Billionen Euro) schließen, berichtete Trending Topics. Das war doppelt so viel wie bei der letzten Finanzierungsrunde. Auf regulierten Sekundärmärkten wie Hiive und Forge, wo echte Mitarbeiter:innen-Anteile den Besitzer wechseln, lagen die impliziten Bewertungen damals zwischen 830 Milliarden und 1,2 Billionen Dollar.
Wer CLAU kauft, steigt damit zu einer impliziten Bewertung von rund 2 Billionen Dollar (rund 1,79 Billionen Euro) ein. Aktuell notiert der Anthropic-Kontrakt auf Binance bei rund 2.007 Dollar. Binance rechnet mit geschätzt einer Milliarde Anthropic-Aktien, ein Dollar Kontraktpreis entspricht damit einer Milliarde Dollar Bewertung. Das ist gut doppelt so viel wie bei der letzten Finanzierungsrunde, der Series H, die Anthropic mit 965 Milliarden Dollar (rund 859 Milliarden Euro) bewertete. Allerdings ist die Aktienzahl nur eine Schätzung von Binance: Anthropic hat weder die Zahl der Aktien noch einen Ausgabepreis festgelegt. Weicht die tatsächliche Aktienzahl ab, verschiebt sich auch die implizite Bewertung.
Kritik und Risiken
Mit Anthropic hat das Produkt nichts zu tun. 21shares betont selbst, dass das ETP weder mit Anthropic verbunden ist noch von Anthropic unterstützt wird. Anthropic hat zuletzt generell vor Angeboten Dritter gewarnt: Wer Anteile über Forwards oder tokenisierte Wertpapiere verkaufe, betreibe entweder Betrug oder biete ein womöglich wertloses Produkt an. Das ETP hält allerdings gar keine Anteile, sondern bildet nur den Preis von Derivaten ab.
Die Risiken liegen woanders. Da es keinen öffentlichen Aktienkurs gibt, spiegelt der Preis der Binance-Futures nur die Erwartungen der Händler:innen wider. Zudem hängt das Produkt an FalconX als Gegenpartei, was 21shares als möglichen Interessenkonflikt offenlegt. Auch die Bewertung selbst ist umstritten: Das Research-Haus New Constructs nannte den kolportierten Weg zu einer Bewertung von 2 Billionen Dollar den „lächerlichsten Börsengang des Jahres 2026“. Laut Produktseite kann der Unterschied zwischen der Bewertung vor und nach dem Börsengang „in beide Richtungen erheblich“ ausfallen.
Andere Wege zu Pre-IPO-Wetten
Auch andere Anbieter wollen Privatanleger:innen an noch nicht börsennotierten KI-Firmen beteiligen. Neben den Perpetual Futures auf Binance und der dezentralen Börse Hyperliquid verkauft die Plattform PreStocks tokenisierte Anteile auf Solana, die laut eigenen Angaben über Zweckgesellschaften abgesichert sind. Robinhood hatte 2025 in Europa Tokens auf OpenAI und SpaceX ausgegeben, von denen sich OpenAI umgehend distanzierte.

