Das sind die 100 Regionen Europas, die von der Klimakrise am meisten gefährdet sind
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Bevor Brüssel seine Liste vorlegt, hat Wien schon eine: Das Klimarisiko-Startup refinq hat soeben „The refinq 100“ veröffentlicht, ein Ranking aller 1.165 NUTS-3-Regionen der EU nach physischer Klimaexposition, wie das Unternehmen in einer Aussendung mitteilt. Anlass ist die Rede zur Lage der Union, in der Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen einen Klimaresilienz-Rahmen für Oktober angekündigt hat, samt einer Liste der 100 am stärksten gefährdeten Gebiete Europas. refinq kommt der Kommission damit um einige Wochen zuvor.
Italien dominiert die Liste
Drei Länder stellen drei Viertel der Top 100: Italien mit 40 Regionen, Spanien mit 22 und Griechenland mit 12. Die restlichen 26 Plätze verteilen sich auf sechs weitere Mitgliedstaaten, 18 der 27 EU-Länder tauchen in den Top 100 gar nicht auf. Die zehn exponiertesten Regionen (kombinierter Wert für 2080 in einem Hochemissionsszenario, Skala 0 bis 100):
- Ferrara, Italien: 97,4 (Hitze)
- Bouches-du-Rhône, Frankreich: 95,6 (Hitze)
- Pisa, Italien: 94,6 (Hitze)
- Giurgiu, Rumänien: 92,7 (Waldbrand)
- Ravenna, Italien: 91,6 (Hitze)
- Cremona, Italien: 91,2 (Hitze)
- Caserta, Italien: 90,8 (Wasserknappheit)
- Serres, Griechenland: 90,7 (Wasserknappheit)
- Padova, Italien: 89,7 (Hitze)
- Rovigo, Italien: 89,4 (Hitze)
Hitze ist in 51 der 100 Regionen das führende Risiko, Wasserknappheit in 39, Waldbrand in 8 und Hochwasser in 2. Keine der Regionen hat nur ein Problem: Jede erreicht bei mindestens zwei Gefahren gleichzeitig hohe Werte.

Österreich auf Platz 294, Deutschland ab 105
Österreich und Deutschland stellen keine Region in den Top 100. Die am höchsten platzierte österreichische Region ist das Weinviertel nördlich von Wien auf Rang 294 von 1.165. In Deutschland liegt die Stadt Aschaffenburg mit Rang 105 knapp außerhalb der Top 100.
„Die Kommission wird sagen, welche Gebiete gefährdet sind. Unsere Karte zeigt, was dort physisch auf dem Spiel steht. Das sind zwei verschiedene Fragen, und Europa braucht auf beide eine Antwort“, sagt Franziska Walde, Managing Director von refinq. Ihr Co-Geschäftsführer Lukas Fischer ergänzt: „Wir veröffentlichen das vollständige Ranking und die Methode dahinter, nicht nur die Top 100. Jede und jeder kann nachsehen, wo die eigene Region steht.“ Auf einer interaktiven Karte lässt sich jede Region abrufen, mit einem Regler von heute bis 2080.
Exposition ist nicht Verwundbarkeit
Bewertet werden vier Gefahren: Hitze, Wasserknappheit, Waldbrand und Hochwasser. Die Daten stammen vom Copernicus Climate Change Service, aus dem Aqueduct-4.0-Datensatz des World Resources Institute und vom Joint Research Centre der EU-Kommission. Der kombinierte Wert ist der ungewichtete Mittelwert der vier Gefahren, bezogen auf das Jahr 2080 im Hochemissionspfad RCP8.5, gemessen an der Basisperiode 2006 bis 2025.
refinq betont selbst eine wichtige Einschränkung: Das Ranking misst, wie stark Klimagefahren auf das einwirken, was in einer Region gebaut ist. Es misst nicht, wie gut die Region darauf vorbereitet, finanziert oder geschützt ist. Die kommende Bewertung der Kommission zielt dagegen auf Verwundbarkeit und bezieht genau diese Faktoren ein. Eine Region kann bei refinq also weit oben stehen und trotzdem gut geschützt sein.
Das Startup dahinter
refinq wurde 2023 in Wien gegründet und bietet Unternehmen und Banken eine Plattform, die Klima-, Natur- und Transitionsrisiken auf Ebene einzelner Anlagen und Portfolios quantifiziert und daraus Berichte für Regulatorik wie CSRD und EU-Taxonomie ableitet. Zu Jahresbeginn hat das Startup eine Seed-Runde über 2,2 Millionen Euro abgeschlossen, angeführt vom aws Gründungsfonds und Symbia VC. Mit dem Ranking positioniert sich refinq nun in einem Feld, in dem sonst große Anbieter wie MSCI, Moody’s oder Munich Re Klimarisikodaten verkaufen, und zwar mit einem Datensatz, der bewusst offen zugänglich ist.

