Geely kauft sich bei Nio ein: 30 Prozent am Akkutausch-Netz für 1,9 Milliarden Euro Bewertung
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Nio hat jahrelang Milliarden in Akkuwechselstationen versenkt, jetzt steigt ausgerechnet der Konkurrent Geely ein. Der chinesische Autokonzern übernimmt 30 Prozent an Nio Power, der Lade- und Akkutausch-Sparte des E-Auto-Herstellers, wie Nio in einer Aussendung mitteilt. Die Sparte wird dabei mit rund 16 Milliarden Yuan (rund 1,9 Milliarden Euro) bewertet. Für Nio, das seit Jahren Verluste schreibt, ist es die bisher größte Kapitalspritze für sein teuerstes Alleinstellungsmerkmal.
Bargeld plus Tochterfirma
Geely zahlt nicht nur mit Geld. Der Konzern, zu dem auch Volvo, Polestar und Lotus gehören, bringt seine Tochter Yiyi Internet Technology aus Chongqing ein, die Akkutausch für gewerbliche Flotten wie Taxis betreibt, und legt 640 Millionen Yuan (rund 77 Millionen Euro) in bar drauf. Die Eckpunkte des Deals:
- Beteiligung: Geely hält nach dem Closing 30 Prozent an Nio Power, Nio China 63,6 Prozent, ein bestehender Investor 6,4 Prozent.
- Erfolgsklausel: Verfehlt das Geschäft operative Meilensteine, kann Geelys Anteil auf mindestens 20 Prozent sinken.
- Option: Innerhalb von zwei Jahren kann Geely weitere 640 Millionen Yuan nachschießen und auf 34 Prozent aufstocken.
- Gegengeschäft: Nio China erhält 10 Prozent an Geelys Ladesparte Haohan Energy, die im Gegenzug Ladeinfrastruktur von Nio übernimmt.
Beide Transaktionen stehen noch unter dem Vorbehalt der Behördengenehmigung.
Das Netz, das keiner nachbauen wollte
Nio betreibt in China nach eigenen Angaben rund 4.000 Wechselstationen, an denen ein leerer Akku in wenigen Minuten gegen einen vollen getauscht wird. Heuer sollen laut CnEVPost mindestens 1.000 weitere dazukommen, bis 2030 will das Unternehmen auf 10.000 Stationen wachsen. Dazu kommen einige Dutzend Stationen in Europa, unter anderem in Deutschland, den Niederlanden und Norwegen.
Das Problem: Ein solches Netz ist extrem kapitalintensiv, und es rechnet sich nur, wenn genug Autos es nutzen. Geely und Nio hatten bereits Ende 2023 eine Kooperation für gemeinsame Akkustandards vereinbart, jetzt wird daraus eine Kapitalbeteiligung. Geely will künftig sowohl Pkw als auch Nutzfahrzeuge mit tauschbaren Akkus anbieten, die an Nios Stationen andocken können. Für Nio bedeutet das mehr Auslastung, für Geely den Zugang zu einer Infrastruktur, deren Aufbau Jahre gedauert hätte.
CATL und BYD fahren andere Strategien
Beim Akkutausch ist Nio nicht mehr allein. Batterieriese CATL baut mit „Choco-Swap“ ein eigenes Netz auf und hat dafür Partner:innen wie Changan und Sinopec gewonnen. BYD setzt dagegen auf das Gegenteil und will mit Laden bei bis zu 1.500 Kilowatt den Tausch überflüssig machen, wie wir kürzlich berichtet haben. Ironischerweise arbeitet auch Geely selbst an Schnellladetechnik mit KI-gesteuerten Ladesäulen.
Geely fährt damit zweigleisig: Schnellladen für die eigenen Marken, Akkutausch über die Beteiligung an Nio. Ob sich die Wette auszahlt, hängt davon ab, ob chinesische Autokäufer:innen den Tausch weiterhin dem Laden vorziehen, wenn dieses irgendwann nur noch fünf Minuten dauert.

