Übernahme

Schneider Electric kauft US-Softwarefirma PTC um 22,6 Milliarden Dollar

Schneider Electric headquarters in Rueil-Malmaison
Schneider Electric headquarters in Rueil-Malmaison. © Wilmotte & associés architectes / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

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Vom Stromschalter zur Konstruktionssoftware: Der französische EnergyTech-Konzern Schneider Electric übernimmt den US-Industriesoftware-Anbieter PTC für rund 22,6 Milliarden Dollar (rund 19,3 Milliarden Euro). Es ist die größte Übernahme in der Geschichte des Konzerns. Erst kürzlich hatte Schneider Electric angekündigt, den bulgarischen Smart-Home-Spezialisten Shelly um 1,2 Milliarden Euro kaufen zu wollen. Der PTC-Deal spielt aber in einer anderen Liga.

Die Eckdaten des Deals

Laut der offiziellen Mitteilung zahlt Schneider Electric 205 Dollar je PTC-Aktie, und zwar komplett in bar:

  • Preis: Der Eigenkapitalwert liegt bei rund 22,6 Milliarden Dollar, inklusive Schulden bei 23,7 Milliarden Dollar (rund 20,3 Milliarden Euro).
  • Prämie: Der Aufschlag beträgt 42,3 Prozent auf den letzten Schlusskurs.
  • Finanzierung: Schneider will 5 bis 6 Milliarden Euro über neue Aktien und 16 bis 17 Milliarden Euro über neue Schulden aufnehmen. Morgan Stanley und Société Générale stellen eine Brückenfinanzierung bereit.
  • Synergien: Bis zum dritten Jahr sollen 250 Millionen Euro an Kosten eingespart werden, beim Umsatz rechnet Schneider mit Synergien von rund 800 Millionen Euro.
  • Zeitplan: Abgeschlossen sein soll die Übernahme im dritten Quartal 2027. Zustimmen müssen noch die PTC-Aktionär:innen und die Wettbewerbsbehörden.

Was Schneider mit PTC vorhat

PTC aus Boston ist ein Schwergewicht der Industriesoftware. Das Unternehmen entwickelt Programme für computergestütztes Design (CAD) und für das Management des gesamten Produktlebenszyklus (PLM), mit denen etwa Autobauer, Luftfahrt- und Elektronikkonzerne ihre Produkte entwerfen und verwalten. PTC erzielte im Vorjahr rund 2,4 Milliarden Euro Umsatz bei einer bereinigten Marge von rund 40 Prozent und hat mehr als 30.000 Kund:innen sowie über 7.000 Mitarbeiter:innen.

Schneider Electric ist vor allem für Energiemanagement und Automatisierung bekannt, von Schaltern und Stromverteilern bis zu Rechenzentren. Mit PTC will der Konzern einen „digitalen Faden“ spannen, der Produktdesign, Maschinen, Fertigungsprozesse und Energiesysteme verbindet. „Gemeinsam schaffen wir das umfassendste Software- und KI-Kraftpaket der Branche“, sagt Schneider-CEO Olivier Blum. Kund:innen sollen ihre Systeme vom Design über den Bau bis zum Betrieb und zur Wartung mit mehr Intelligenz optimieren können.

Nach dem Abschluss soll Software rund 24 Prozent des Konzernumsatzes ausmachen, mit mehr als 15.000 Software-Mitarbeiter:innen und über 50.000 Software-Kund:innen. „Wir gewinnen erhebliche Größe und Ressourcen, um Innovation zu beschleunigen“, sagt PTC-Chef Neil Barua.

Der Preis für die Software-Wette

Billig ist die Wette nicht. Um die Übernahme zu stemmen, nimmt Schneider Electric Schulden von 16 bis 17 Milliarden Euro auf. Die Aktionär:innen müssen sich zudem gedulden: Das Aktienrückkaufprogramm soll in den Jahren 2027 und 2028 pausieren und erst danach wieder Fahrt aufnehmen. Gleichzeitig will der Konzern bis 2030 Unternehmensteile im Wert von 1 bis 1,5 Milliarden Euro verkaufen. Seine Kreditwürdigkeit im A-Bereich will Schneider trotzdem halten. Auf den Gewinn je Aktie soll sich der Deal im ersten Jahr nur leicht positiv auswirken, erst mit allen Synergien deutlich.

Wettrennen um die Industriesoftware

Schneider Electric folgt mit dem Deal einem klaren Trend in der Branche. Der Konzern hatte bereits 2023 den britischen Industriesoftware-Anbieter AVEVA vollständig übernommen. Auch Konkurrent Siemens kauft sich seit Jahren in den Markt ein und hat zuletzt den US-Simulationsspezialisten Altair um rund 10 Milliarden Dollar übernommen. Im Bereich CAD und PLM trifft Schneider mit PTC nun direkt auf Siemens, die französische Dassault Systèmes und den US-Anbieter Autodesk.

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