SpaceX drosselt Starlink für ukrainische Drohnen, Kiew vermutet Absicht
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Ein Tempolimit aus dem All, und an der Front fallen Drohnen aus: SpaceX hat die Starlink-Verbindungen für das ukrainische Militär ohne Vorwarnung eingeschränkt. Betroffen sind die Starshield-Terminals, die Militärversion von Starlink, die auf Drohnen und Fahrzeugen montiert sind. Sie funktionieren laut Präsidentenberater Serhii Beskrestnov nur noch bis zu einer Geschwindigkeit von 160 Kilometern pro Stunde zuverlässig, berichtet Reuters. Mehrere Einsätze mussten abgebrochen werden.
Was an der Front passiert
Die Starshield-Terminals sind für die Ukraine zentral: Über sie werden Drohnen in Echtzeit gesteuert, etwa bei Angriffen auf russische Nachschublinien oder beim Abfangen russischer Kampfdrohnen mit Strahltriebwerk. Laut einer ukrainischen Armee-Einheit brachen die Verbindungen schon bei 110 bis 120 Kilometern pro Stunde für 10 bis 20 Sekunden ab. Die Drohnen flogen weiter, ließen sich aber kaum noch steuern. Der Aktivist Serhii Sternenko berichtet unter Berufung auf Militärquellen sogar von Ausfällen ab 60 bis 70 Kilometern pro Stunde.
Laut ukrainischem Verteidigungsministerium hat sich die Verbindung im Laufe des Tages wieder stabilisiert, die Obergrenze von 160 Kilometern pro Stunde bleibt aber bestehen. Das Ministerium verhandelt nach eigenen Angaben mit SpaceX, um solche plötzlichen Einschränkungen künftig zu verhindern.
„Das kann kein Zufall sein“
In Kiew glaubt man nicht an ein technisches Problem. Die Maßnahme könne „kein Zufall sein“, sagte Beskrestnov dem Kyiv Independent und verwies auf die politische Lage. US-Präsident Donald Trump hatte zuvor eine „Energie-Waffenruhe“ ausgerufen und die Ukraine gedrängt, ihre Angriffe auf russische Ölraffinerien einzustellen. Berichten zufolge drohte er damit, Geheimdienstinformationen zurückzuhalten. Belege für einen Zusammenhang mit der Starlink-Drosselung gibt es allerdings nicht, das Weiße Haus hat sich nicht geäußert.
Auch aus Polen kam scharfe Kritik. Außenminister Radosław Sikorski fragte Musk auf X, ob er wieder Politik mit seinen Produkten mache. Polen finanziert die Starlink-Nutzung der Ukraine nach früheren Angaben Sikorskis mit rund 50 Millionen Dollar (etwa 45 Millionen Euro) pro Jahr.
Die Gegenposition: Musk verweist auf das US-Militär
Elon Musk weist die Verantwortung von sich. Über Einschränkungen bei Geschwindigkeit oder Nutzung der Starshield-Terminals entscheide das US-Militär und letztlich der Präsident, so Musk. Starlink dürfe zudem nur für zivile oder defensive Zwecke eingesetzt werden, nicht für offensive Militäroperationen. Eine offizielle Begründung von SpaceX gibt es bislang nicht.
Europas Abhängigkeit von Musk
Der Vorfall zeigt erneut, wie abhängig die Ukraine und damit auch Europa von der Infrastruktur eines einzelnen US-Unternehmers sind. Echte Alternativen gibt es bislang kaum. Eutelsat betreibt mit OneWeb zwar ein eigenes Satellitennetz im niedrigen Erdorbit, hat aber deutlich weniger Satelliten im All. Das geplante EU-Satellitennetz IRIS² soll erst gegen Ende des Jahrzehnts einsatzbereit sein. Die Ukraine arbeitet deshalb auch an eigenen Lösungen: Das ukrainische Verteidigungs-Tech-Unternehmen Stetman entwickelt mit UASAT-NANO ein unabhängiges Satellitenkommunikationssystem. Europäische Raumfahrt-Startups wie Isar Aerospace bauen derweil eigene Trägerraketen, um Satelliten unabhängig von SpaceX ins All bringen zu können.

