Investment

Berkshire Hathaway steckt weitere 330 Millionen Dollar in Tractive-Käufer Bending Spoons

Bending Spoons CEO Luca Ferrari with crossed arms in front of a green plant wall with the Bending Spoons lettering
Bending Spoons CEO Luca Ferrari. © Bending Spoons

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Die Investment-Legende Berkshire Hathaway kauft sonst Versicherungen, Eisenbahnen und Coca-Cola, jetzt setzt sie verstärkt auf einen Software-Aufkäufer aus Mailand. Wie Bending Spoons soeben mitteilte, investiert der Konzern weitere 330 Millionen Dollar (rund 294 Millionen Euro) in das Unternehmen, das zuletzt unter anderem den oberösterreichischen Haustier-Tracker-Hersteller Tractive übernommen hat. Bereits beim Börsengang im Juli hatte Berkshire 600 Millionen Dollar investiert. Insgesamt hält die Holding damit nach Abschluss der Transaktion rund 4 Prozent an Bending Spoons.

So läuft der Deal

Bending Spoons gibt dafür im Rahmen einer Privatplatzierung 10 Millionen neue Aktien zu je 33 Dollar an Berkshire aus. Der Abschluss steht noch unter den üblichen Bedingungen. Das frische Geld soll die finanzielle Flexibilität erhöhen und vor allem weitere Übernahmen ermöglichen. „Bending Spoons prüft laufend M&A-Möglichkeiten, und unsere Pipeline ist weiterhin stark“, sagt Mitgründer Francesco Patarnello, der bei Bending Spoons die Akquisitionen verantwortet. CEO Luca Ferrari nennt Berkshire eine langjährige Inspiration für das Unternehmen.

An der Börse kam die Nachricht hervorragend an: Die an der Nasdaq gelistete Aktie legte laut Reuters im frühen Handel um rund 40 Prozent zu. Mit einem Kurs von zeitweise mehr als 51 Dollar ist Bending Spoons damit an der Börse rund 31 Milliarden Dollar (etwa 27,6 Milliarden Euro) wert, deutlich mehr als die 18,4 Milliarden Dollar beim Börsengang im Juli. Berkshire hat sich die neuen Aktien damit günstig gesichert: Der Preis von 33 Dollar liegt sogar unter dem Schlusskurs vom Vortag von knapp 38 Dollar.

Ein Konzern, der Software-Marken einsammelt

Bending Spoons verfolgt ein ungewöhnliches Geschäftsmodell. Das Unternehmen kauft etablierte, oft stagnierende Internetmarken, baut sie technisch und organisatorisch um und investiert die Erträge in die nächste Übernahme. Verkauft hat es nach eigenen Angaben in mehr als zehn Jahren noch keine wesentliche Beteiligung. CEO Ferrari beschreibt das Modell als Mischung aus Private-Equity-Firma und Google.

Zum Portfolio zählen inzwischen AOL, Vimeo, Evernote, Eventbrite, WeTransfer, Brightcove, Airtable und Tractive, für das Bending Spoons rund 900 Millionen Dollar bezahlte. Erst kürzlich kündigte der Konzern die Übernahme des Whiteboard-Anbieters Miro für 1,355 Milliarden Dollar an, einen Bruchteil der einstigen Bewertung von 17,5 Milliarden Dollar. Beim Börsengang im Juli hatte Bending Spoons rund 1,68 Milliarden Dollar eingesammelt.

Warum Berkshire einsteigt

Für Berkshire Hathaway, das seit Jahresbeginn von Greg Abel als Nachfolger von Warren Buffett geführt wird, waren Tech-Investments lange die Ausnahme. Die bekannteste ist der Milliarden-Einstieg bei Apple, das bis heute die größte Aktienposition des Konzerns ist. Zuletzt hat Berkshire aber auch bei Google kräftig zugegriffen: Noch unter Buffett stieg die Holding im dritten Quartal 2025 bei der Google-Mutter Alphabet ein. Im zweiten Quartal 2026 hat Berkshire die Position laut Pflichtmitteilung an die US-Börsenaufsicht um 83 Prozent auf rund 106 Millionen Aktien aufgestockt. Mit einem Wert von etwa 37,8 Milliarden Dollar ist Alphabet damit nach Apple und American Express die drittgrößte US-Aktienbeteiligung von Berkshire. Bending Spoons passt ebenfalls ins Beuteschema: Das Unternehmen kauft Firmen mit loyalen Nutzer:innen und stabilen Einnahmen zu niedrigen Preisen und macht sie profitabler. Das erinnert an die klassische Berkshire-Strategie, solide Geschäfte günstig zu erwerben und langfristig zu halten.

Die Kehrseite: Harte Einschnitte

Das Modell hat allerdings auch Kritiker:innen. Nach Übernahmen baut Bending Spoons regelmäßig massiv Personal ab, so etwa bei Evernote und WeTransfer. Auch bei Tractive soll der neue Eigentümer laut Berichten die Hälfte der Belegschaft streichen. Kund:innen klagen zudem immer wieder über Preiserhöhungen und eingeschränkte Gratis-Angebote nach Übernahmen, etwa bei Evernote.

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