Spectral: Wiener Startup macht alte Fassaden zum Solarkraftwerk
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Solarpanels gehören aufs Dach? Das Wiener Startup Spectral macht gleich die ganze Fassade zum Kraftwerk und hat soeben seine „Structural Solar Façade“ präsentiert. Das System ersetzt die herkömmliche Fassadenverkleidung durch halbtransparente Photovoltaik-Module und lässt sich laut dem Unternehmen auch an bestehenden Gebäuden mit wenig Aufwand nachrüsten.
Strom von der Kühlhalle
Die erste Anlage hängt an der Eisfabrik in Wien-Brigittenau, wo sie laut der Presseaussendung von Spectral seit September Strom produziert. Die Eckdaten des Pilotprojekts:
- Fläche: 24 Quadratmeter mit 32 Modulen
- Leistung: 1.840 Watt Peak
- Transparenz: 50 Prozent, damit Tageslicht durch die Fassade dringen kann
- Technik: Dünnschichtmodule aus Cadmiumtellurid im Format 60 mal 120 Zentimeter auf einer leichten Stahl-Unterkonstruktion
Die Stadt Wien unterstützt das Projekt im Rahmen ihrer Sonnenstrom-Offensive ideell, also ohne direkte Förderung. Bei der Statik war das Ingenieurbüro Bollinger + Grohmann beteiligt, die Detailplanung stammt von Werner Sobek, montiert hat die Montron GmbH.

Fassade als Schattenspender
Das Herzstück ist ein eigenes Montagesystem, mit dem sich die Module schnell und mit minimalen Eingriffen an bestehenden Gebäuden befestigen lassen. Neben dem Strom soll die Fassade auch als Sonnenschutz dienen und Gebäude in immer heißeren Sommern beschatten, während durch die halbtransparenten Module weiterhin Licht ins Innere fällt. Als Zielgruppe nennt Spectral Industrie-, Logistik- und Bürogebäude, öffentliche Bauten und mehrgeschossige Wohnhäuser, sowohl im Neubau als auch bei der Sanierung.
Hinter Spectral stehen die Architektinnen Zsuzsa Péter und Anna Gulinska, die das Unternehmen Anfang 2024 als spectral design GmbH gegründet haben und je zur Hälfte besitzen. Ihr Ansatz: Solaranlagen sollen Teil der Architektur sein und eine eigene ästhetische Qualität haben. „Systeme wie dieses könnten das Aussehen unserer Gebäude und Städte in einer nachhaltigeren Zukunft mitgestalten“, sagen die beiden Gründerinnen.
Die Konkurrenz in der Gebäudehülle
Spectral ist nicht allein auf dem Markt für gebäudeintegrierte Photovoltaik. In Österreich fertigt etwa Ertex Solar in Amstetten seit Jahren Solarglas für Fassaden und Glasdächer, in der Schweiz ist Megasol mit farbigen Fassadenmodulen aktiv, und der kanadische Hersteller Mitrex bietet Solarpaneele an, die wie Ziegel, Stein oder Metall aussehen. Spectral setzt dagegen auf eine sichtbare, halbtransparente Konstruktion, die bestehende Fassaden überzieht, statt sie zu imitieren.
Weniger Strom pro Quadratmeter
Ein Selbstläufer ist die Solarfassade allerdings nicht. Aus den Daten des Pilotprojekts ergeben sich rund 77 Watt Peak pro Quadratmeter. Klassische Dachmodule aus kristallinem Silizium kommen heute auf mehr als 200 Watt Peak pro Quadratmeter. Ein Grund ist die Transparenz von 50 Prozent: Was als Licht durch die Fassade fällt, wird nicht zu Strom. Dazu kommt, dass senkrecht montierte Module übers Jahr weniger Sonne einfangen als optimal geneigte Dachanlagen, dafür aber im Winter bei tief stehender Sonne vergleichsweise gut abschneiden. Zu Kosten und Preisen macht Spectral bisher keine Angaben.

