Klimakrise

8 Millionen Superreiche stoßen mehr CO2 aus als 3,5 Milliarden Menschen

A Dassault Falcon private jet and a passenger van on the snowy tarmac of Engadin Airport
Private jet at Engadin Airport in Switzerland. © David Syphers / Unsplash

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Wer reich ist, heizt das Klima an und verdient danach am Wiederaufbau mit. Das ist die Kernaussage eines neuen Berichts von Oxfam, den die Hilfsorganisation kürzlich vor der UN-Klimakonferenz COP31 in der Türkei veröffentlicht hat. Laut dem Bericht „Disaster Divide“ verursachen die reichsten 0,1 Prozent der Weltbevölkerung, also rund acht Millionen Menschen, mehr CO2-Emissionen als die ärmsten 3,5 Milliarden Menschen zusammen.

Ein Superreicher, 400 Mal mehr Hitzewellen

Laut der Pressemitteilung von Oxfam stoßen die reichsten 0,1 Prozent mehr als dreimal so viel CO2 aus wie ganz Subsahara-Afrika mit seinen 1,3 Milliarden Einwohner:innen. Mit Hilfe von Klimamodellen hat Oxfam berechnet, wie stark einzelne Gruppen zu Extremwetter beitragen. Das Ergebnis:

  • Hitzewellen: Eine Person aus den reichsten 0,1 Prozent hat fast 400 Mal mehr zu extremen Hitzewellen beigetragen als eine Person aus der ärmeren Hälfte der Menschheit.
  • Erderwärmung: Das reichste Prozent ist für 20 Prozent der Erwärmung seit 1990 verantwortlich, pro Kopf rund 100 Mal mehr als die ärmere Hälfte.
  • Todesfälle: Die Emissionen des reichsten Prozents aus nur einem Jahr werden laut Oxfam 1,9 Millionen zusätzliche Hitzetote verursachen. 78 Prozent davon entfallen auf Länder mit niedrigem und unterem mittlerem Einkommen, die gemeinsam nur 8 Prozent der weltweiten Emissionen verursachen.
  • Schäden: Bis 2050 sollen die Emissionen des reichsten Prozents wirtschaftliche Schäden von fast 53 Billionen Dollar anrichten.
  • Privatjets: Alle Privatjets der Welt stoßen in zwei Sekunden mehr CO2 aus als eine Person aus der ärmeren Hälfte der Menschheit in einem ganzen Jahr.

Für Deutschland nennt Oxfam ebenfalls eine Zahl: 2025 starteten mehr als 55.000 Privatflüge von deutschen Flughäfen. „Überreiche treiben die Welt in den Klimakollaps“, sagt Manuel Schmitt, Referent für soziale Ungleichheit bei Oxfam Deutschland.

Gewinne mit der Zerstörung und dem Wiederaufbau

Der zweite Teil des Berichts dreht sich um die Frage, wer an der Klimakrise verdient. Laut Oxfam flossen 71 Prozent der Investitionen von 1.000 untersuchten Milliardär:innen in besonders klimaschädliche Branchen wie Öl, Gas und Chemie. Gleichzeitig wächst der weltweite Markt für Katastrophenhilfe und Wiederaufbau laut dem Bericht von 70 auf 92 Milliarden Dollar pro Jahr bis 2029.

Oxfam hat dafür einen „Destroy & Rebuild Index“ erstellt. Er listet 217 Konzerne, die sowohl in klimaschädlichen Branchen tätig sind als auch an Katastrophenschutz und Wiederaufbau verdienen. Die Vermögensverwalter BlackRock und Vanguard sind laut Oxfam an 92 Prozent dieser Firmen beteiligt, mit Investitionen von zusammen mehr als einer Billion Dollar. Oxfam-Chef Amitabh Behar wirft den Superreichen vor, gleich dreimal zu kassieren: an der Verschmutzung, an der Katastrophe und am Aufräumen danach.

Dass die Vermögen der Reichsten rasant wachsen, zeigte Oxfam schon in früheren Berichten. So hatten die reichsten Menschen ihr Vermögen seit 2020 mehr als verdoppelt.

Was Oxfam fordert

Von den Regierungen bei der COP31 verlangt Oxfam, die Reichen stärker zur Kasse zu bitten:

  • Steuern: dauerhafte Vermögens- und Einkommenssteuern für Superreiche, eine dauerhafte Steuer auf fossile Konzerne und hohe Abgaben auf Luxusgüter mit hohen Emissionen wie Privatjets.
  • Klimafinanzierung: deutlich mehr Geld für den Globalen Süden, vor allem als Zuschüsse statt als Kredite. Die Mittel für Anpassung an den Klimawandel sollen sich bis 2035 verdreifachen.
  • Konzernmacht: strengere Regeln für Unternehmen im Katastrophenschutz, beim Wiederaufbau und in der Lebensmittelversorgung.

„Wer die Klimakrise so stark befeuert, muss auch für ihre Bewältigung zahlen“, sagt Schmitt.

Die Breite der Gesellschaft emittiert mit

So eindrücklich die Zahlen sind, sie beruhen auf Schätzungen. Oxfam misst nicht, wie viel CO2 einzelne Menschen tatsächlich ausstoßen, sondern verteilt die Emissionen von Staaten anhand von Einkommensdaten auf verschiedene Gruppen. Die Daten dafür stammen unter anderem vom Stockholm Environment Institute und aus der World Inequality Database. In seiner Methodennotiz räumt Oxfam selbst ein, dass die Ergebnisse stark von den Annahmen zum Zusammenhang zwischen Einkommen und Emissionen abhängen. Bei den Milliardär:innen rechnet Oxfam zudem die Emissionen von Firmen deren Eigentümer:innen zu. Dieselben Emissionen tauchen in anderen Rechnungen aber auch bei den Kund:innen auf, die die Produkte kaufen.

Außerdem geht ein großer Teil der Emissionen auf die breite Mittelschicht zurück. Laut dem World Inequality Lab stieß das reichste Prozent der Welt im Jahr 2019 rund 17 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen aus. Die übrigen gut 80 Prozent kommen von allen anderen. Die Forscher:innen um den Ökonomen Lucas Chancel empfehlen deshalb, beim Klimaschutz die gesamte obere Hälfte der Weltbevölkerung in den Blick zu nehmen. Dazu zählt ein Großteil der Menschen in Europa.

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