Erst Skandinavien, jetzt UK und Japan: Regierungen raten zum Notvorrat
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Wasser, Konserven, Taschenlampe und Bargeld: Was lange als Hobby von Prepper:innen galt, wird zur offiziellen Regierungsempfehlung. Großbritannien hat vergangene Woche seine Bevölkerung aufgerufen, Vorräte für mindestens drei Tage anzulegen. Japan folgt kommenden Montag mit einem landesweiten Appell, der sogar eine Woche empfiehlt. Damit schließen sich zwei weitere große Staaten einer Entwicklung an, die in Skandinavien begonnen hat.
Großbritannien: Drei Tage ohne Strom und Wasser
Die britische Regierung hat die Kampagne „Be Ready“ gestartet, die auf drei Jahre angelegt ist. Laut der Mitteilung der Regierung sollen sich Haushalte darauf einstellen, drei Tage ohne Strom, Wasser, Telefon oder Internet auszukommen. Empfohlen werden unter anderem:
- Vorräte: Trinkwasser in Flaschen und haltbare Lebensmittel für drei Tage
- Ausrüstung: Taschenlampe, Batterien, ein Radio und Handdesinfektionsmittel
- Sonstiges: Bargeld, Medikamente, Kopien wichtiger Dokumente sowie Decken und warme Kleidung
Als Gründe nennt die Regierung Unwetter wie die Stürme des vergangenen Winters und die Waldbrände im Sommer, die Telefonnetze, Strom- und Wasserversorgung lahmgelegt haben. Verteidigungsminister Wes Streeting verwies zudem auf mögliche Störungen von Lieferketten durch feindliche Staaten oder Terrorist:innen. Sicherheitsminister Dan Jarvis betonte, Großbritannien schließe damit zu vielen europäischen Partnerländern auf. Die Drei-Tage-Empfehlung gibt es laut der Regierung etwa auch in Frankreich, Irland und den Niederlanden.
Japan: Lieber eine Woche als drei Tage
In Japan nimmt kommenden Montag eine neue nationale Katastrophenschutzbehörde ihre Arbeit auf. Zum Start will die Regierung Ministerien, Präfekturen und Bürger:innen dringend auffordern, sich mit Lebensmitteln, Wasser und Hygieneartikeln einzudecken. Katastrophenschutzminister Goshi Hosono nannte als Ziel mindestens drei Tage, idealerweise aber eine Woche.
Die neue Behörde soll sich um Katastrophen von nationalem Ausmaß kümmern. Dazu zählen ein großes Beben am Nankai-Graben vor der Pazifikküste, ein Erdbeben direkt unter Tokio und ein möglicher Ausbruch des Fuji. Für den Nankai-Graben schätzen japanische Behörden die Wahrscheinlichkeit eines Megabebens in den kommenden 30 Jahren auf 60 bis 90 Prozent oder mehr. Solche Ereignisse erforderten eine andere Art der Vorbereitung, sagte Hosono.
Skandinavien hat es vorgemacht
Neu ist die Idee nicht. Schweden verschickte bereits 2024 eine überarbeitete Broschüre mit dem Titel „Om krisen eller kriget kommer“ (Wenn die Krise oder der Krieg kommt) an alle Haushalte. Sie ist 32 Seiten lang und damit fast doppelt so umfangreich wie die Ausgabe von 2018. Gleich auf der ersten Seite steht der Satz, dass sich Schweden niemals ergeben werde, falls es angegriffen wird. Finnland bündelte seine Vorsorgetipps auf einer Website, Dänemark verschickte neue Empfehlungen, und Norwegen erhöhte die Empfehlung von drei Tagen auf eine Woche Selbstversorgung.
Auch die EU-Kommission rät seit dem Vorjahr allen Bürger:innen, einen Notvorrat für 72 Stunden anzulegen. Österreich ist dabei vergleichsweise streng: Das Innenministerium empfiehlt auf oesterreich.gv.at Lebensmittel und Wasser für 10 bis 14 Tage, als Richtwert 2,5 Liter Wasser pro Person und Tag. Dazu kommen Bargeld in kleinen Scheinen, eine Kochmöglichkeit ohne Strom und ein Radio mit Batterie oder Kurbel. Die Sorge vor einem Blackout hat in Österreich auch den Handel beschäftigt, der einen eigenen Vorsorgeplan für den Lebensmittelgroßhandel ausgearbeitet hat.
Warum gerade jetzt?
Eine konkrete Bedrohung nennt keine der Regierungen. Die Gründe für die Aufrufe sind vielfältig:
- Krieg und Sabotage: Die skandinavischen Länder verweisen auf Russlands Krieg gegen die Ukraine, die verschlechterte Sicherheitslage im Norden Europas und mutmaßliche Sabotage an Datenkabeln in der Ostsee.
- Cyberangriffe: Kurz vor dem britischen Aufruf hatten zwei von KI entdeckte, kritische Lücken in der Programmiersprache PHP Behörden in mehreren Ländern dazu gebracht, Websites vorsorglich vom Netz zu nehmen. In den Niederlanden war etwa das Bürgerportal DigiD offline.
- Extremwetter: Stürme, Hitze, Dürre, Überschwemmungen und Waldbrände legen immer öfter Strom- und Kommunikationsnetze lahm.
- Naturkatastrophen: In Japan steht vor allem die Gefahr großer Erdbeben, Tsunamis und Vulkanausbrüche im Vordergrund.
- Entlastung der Einsatzkräfte: Wer sich ein paar Tage selbst versorgen kann, entlastet im Ernstfall die Rettungsdienste, die sich dann um Menschen kümmern können, die mehr Hilfe brauchen.
Vorwurf der Panikmache
Nicht alle finden die Aufrufe gelungen. Als Streeting die Kampagne in der BBC-Sendung Question Time verteidigte, fragte ihn ein Zuschauer, ob das nicht reine Panikmache sei. Streeting wies das zurück: Die Menschen sollten wachsam, aber nicht beunruhigt sein. Er fragte vielmehr, warum Großbritannien so etwas nicht schon früher gemacht habe.
Grundsätzlichere Kritik kommt von Fraser Myers, Vizechefredakteur des britischen Magazins Spiked. Er wirft der Regierung vor, die Verantwortung für jahrelange politische Versäumnisse auf die Bürger:innen abzuwälzen. Als Beispiele nennt er die Energieversorgung, die Wasserinfrastruktur (in England wurde seit 1992 kein neues Reservoir mehr gebaut) und die geschwächte Landesverteidigung.

