Bestätigt

„Tokens sind zentrale Währung“: Stripe kauft OpenRouter für 7,5 Milliarden Dollar

© Stripe
© Stripe

Trending Topics auf Google als bevorzugte Nachrichtenquelle festlegen.

Der Zahlungsdienstleister Stripe übernimmt das AI-Startup OpenRouter. Das haben beide Unternehmen soeben bekannt gegeben. Zum Kaufpreis machen die Beteiligten offiziell keine Angaben, laut einem Bericht der „New York Times“ liegt er bei 7,5 Milliarden Dollar. Andere Medien berichteten zuvor von einem Volumen von mehr als 7 Milliarden Dollar. Die Transaktion steht noch unter den üblichen Abschlussbedingungen, der Vollzug wird laut OpenRouter „in den kommenden Wochen“ erwartet.

Was OpenRouter macht

OpenRouter wurde Anfang 2023 gegründet und betreibt eine Art Zwischenschicht zwischen Entwicklerinnen, Entwicklern und der wachsenden Zahl an KI-Modellen. Statt einzelne Schnittstellen von OpenAI, Anthropic, Google, Meta oder chinesischen Anbietern separat anzubinden, greifen Kundinnen und Kunden über eine einzige API auf mehr als 400 Modelle von über 80 Anbietern zu. Das System entscheidet dabei pro Anfrage, welches Modell zum Einsatz kommt, und berücksichtigt dafür Faktoren wie Komplexität der Aufgabe, Preis, Geschwindigkeit und Verfügbarkeit.

Nach eigenen Angaben verarbeitet die Plattform inzwischen mehr als 10 Billionen Tokens pro Tag und wird von über 10 Millionen Entwicklern und Unternehmen genutzt, darunter NVIDIA, Zoom und Lovable. Das Inferenz-Volumen habe sich seit der Gründung jedes Jahr mindestens verzehnfacht, heißt es im Blogeintrag des Unternehmens. Das Team umfasst derzeit rund 90 Personen.

Bekannt ist OpenRouter auch als Datenquelle: Weil das Unternehmen offenlegt, welche Modelle wie stark genutzt werden, gelten seine Rankings in der Branche als einer der wenigen öffentlichen Indikatoren dafür, wie sich Marktanteile zwischen den Modellanbietern verschieben. Erst kürzlich zeigten die Zahlen etwa, wie stark chinesische Modelle in der globalen Token-Ökonomie zulegen. Zuvor war das Startup mit einer Finanzierungsrunde über 113 Millionen Dollar zum Unicorn geworden.

Was Stripe damit vorhat

Stripe begründet den Zukauf damit, dass Tokens für Unternehmen, die mit KI arbeiten, zur zentralen Kostengröße geworden seien. Der Konzern hatte zuletzt bereits Produkte wie Token Billing eingeführt, um Firmen bei der Abrechnung und Steuerung ihrer KI-Ausgaben zu unterstützen. Die Optimierung von Tokens sei aber mehr als eine reine Kostenfrage, argumentiert das Unternehmen: Die Matrix aus Modellwahl, Aufgabe, Geschwindigkeit und Preis mache es schwierig, Kosten und Leistung in Echtzeit auszubalancieren, zumal laufend neue Modelle erscheinen und Preise angepasst werden.

„Tokens sind die zentrale Währung für Unternehmen, die mit KI bauen, und es ist klar, dass das reale wirtschaftliche Potenzial davon abhängen wird, knappe Rechenressourcen gut zu nutzen“, sagt Patrick Collison, Mitgründer und CEO von Stripe. „Stripe baut die ökonomische Infrastruktur für KI, und gemeinsam mit OpenRouter werden wir Unternehmen helfen, ihre Profitabilität zu maximieren, indem sie ihre Anfragen intelligent routen und ihre Tokens effizient einsetzen.“

Was der OpenRouter-CEO sagt

OpenRouter-Mitgründer und CEO Alex Atallah begründet den Verkauf mit einer geteilten Ausrichtung beider Unternehmen. „Stripe hat über ein Jahrzehnt lang vertrauenswürdige, neutrale Infrastruktur für Unternehmen gebaut, und OpenRouter wurde nach derselben Philosophie aufgebaut“, sagt er. „Wir glauben, dass Intelligenz multi-model sein wird: Kein einzelnes Modell wird für jede Aufgabe optimal sein, und Entwickler brauchen eine neutrale Ebene, um sie alle zu orchestrieren und zu verwalten. Der Zusammenschluss mit Stripe erlaubt es uns, diese Mission zu beschleunigen.“

In einem Blogeintrag geht Atallah ausführlicher auf die Entscheidung ein. Es gebe „nur wenige Unternehmen auf der Welt“, an die man verkauft hätte, schreibt er, die eigene Marktposition mache das Argument für Unabhängigkeit stark. Ausschlaggebend seien die Erfahrung von Stripe mit globaler Infrastruktur, das Kundennetzwerk sowie der Umgang mit Betrug und Missbrauch gewesen, ein Thema, das für KI-Unternehmen zunehmend schwieriger werde. Für bestehende Nutzerinnen und Nutzer soll sich vorerst nichts ändern: gleicher Name, gleiches Produkt, gleiche Roadmap, bestehende Integrationen bleiben unverändert. Die Routing-Entscheidungen würden weiterhin allein danach getroffen, was für die Nutzer am besten sei, und nicht zugunsten eines bestimmten Modells, Anbieters oder Mutterkonzerns, betont Atallah.

Parallele Verhandlungen mit PayPal

Für Stripe ist es einer der größten Zukäufe der Firmengeschichte. Das Unternehmen, das jahrelang vor allem als Zahlungsinfrastruktur für Online-Shops und Plattformen bekannt war, positioniert sich damit klar im KI-Stack. Parallel dazu verhandelt Stripe gemeinsam mit dem Finanzinvestor Advent über eine Übernahme von PayPal im Volumen von rund 53 Milliarden Dollar, die Gespräche dazu laufen weiter.

Für den Markt der KI-Infrastruktur bedeutet der Deal, dass eine der wenigen unabhängigen Vermittlungsschichten zwischen Modellanbietern und Anwendungen künftig zu einem großen Fintech-Konzern gehört. Ob die von OpenRouter betonte Neutralität unter dem neuen Eigentümer erhalten bleibt, dürfte für Modellanbieter wie für Kunden zur zentralen Frage werden.

Rank My Startup: Erobere die Liga der Top Founder!
Werbung
Werbung

Specials unserer Partner

Die besten Artikel in unserem Netzwerk

Deep Dives

Wasner + Steinschaden | Der KI Podcast

News, Modelle, Strategien

#glaubandich CHALLENGE 2027

Österreichs größter Startup-Wettbewerb - Top-Investoren mit an Bord
© Wiener Börse

IPO Spotlight

powered by Wiener Börse

RankMyStartup.com

Steig' in die Liga der Top Founder auf!

2 Minuten 2 Millionen | Staffel 13

Alle Startups | Alle Deals | Alle Hintergründe

Future{hacks}

Zwischen Hype und Realität

Trending Topics Tech Talk

Der Podcast mit smarten Köpfen für smarte Köpfe

Weiterlesen