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„Non-Red“ DefenseTech soll Taiwan gegen die Bedrohung aus China wappnen

Innotec Expo 2026. © Trending Topics
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Dass man auf einer Innovationsmesse zwischen niedlichen Robotern, smarten Spiegeln und KI-Startups plötzlich vor einem lebensgroßen Panzer und Abwehrgeschützen steht, wäre in Europa wohl ein Novum. Auf der Taiwan Innotech Expo in Taipeh gehört das fix zum Programm. Das Verteidigungsministerium ist eines von zwölf Ministerien, die die Messe gemeinsam ausrichten, und Verteidigung zählt zu den „Five Trusted Industries“, jenen fünf Schlüsselbranchen, die Präsident Lai Ching-te zur industriepolitischen Priorität erklärt hat. Ziel ist die 非紅供應鏈, also die China-freie Lieferkette.

Der Hintergrund ist bekannt. China erhöht seit Jahren den militärischen und politischen Druck auf die Insel, und US-Geheimdienste gehen davon aus, dass Peking seine Streitkräfte bis 2027 für eine mögliche Invasion bereit machen will. Taiwan antwortet mit einer Aufrüstung in bemerkenswertem Tempo: Für 2027 plant die Regierung Verteidigungsausgaben von mehr als 1,1 Billionen Taiwan-Dollar, umgerechnet rund 35 Milliarden US-Dollar. Das ist ein Plus von 16 Prozent und erstmals mehr als drei Prozent der Wirtschaftsleistung. Bis 2030 sollen es sogar fünf Prozent werden.

Ein wachsender Teil des Geldes soll in Technologie fließen, in der keine chinesischen Bauteile stecken. „Non-red supply chain“ heißt das Schlagwort, und es betrifft vor allem Drohnen, einen Markt, den China weltweit dominiert. Allein 2027 will das Verteidigungsministerium laut Taipei Times 42,1 Milliarden Taiwan-Dollar für Drohnen ausgeben.

Auf der Innotech Expo lässt sich besichtigen, wie weit die heimische Industrie auf diesem Weg schon ist und wo es noch hakt. Vier Beispiele.

AR-Helm macht die Panzerwand „durchsichtig“

Wer in einem gepanzerten Fahrzeug sitzt, sieht vom Schlachtfeld wenig: ein paar Sehschlitze, im besten Fall einen Monitor. Genau dort setzt ein „Augmented Reality Head-mounted Display System“ an, das das staatliche National Chung-Shan Institute of Science and Technology (NCSIST) in Taipeh zeigte. Das System kombiniert ein optisches Projektionsmodul im Helm mit Sensoren zur Bestimmung der Kopfposition und einem externen Beobachtungssystem. Dafür werden außen am Panzer vier Sensoren angebracht, deren Bilder zu einer 360-Grad-Ansicht zusammengesetzt werden. Blickt die Besatzung zur Seite, wandert das eingespielte Außenbild mit: Die Soldat:innen im Inneren schauen effektiv durch die Panzerung hindurch. Weil die Sensorik neben sichtbarem Licht auch Langwellen-Infrarot erfasst, funktioniert das auch bei Dunkelheit. Erprobt wird das System laut Liberty Times auf einem umgebauten Testfahrzeug vom Typ M60A3.

Innotec Expo 2026. © Trending Topics
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Für Schütz:innen liefert das Rundumbild eine zweite Funktion. Über die Panoramaansicht lässt sich die Umgebung nach Zielen absuchen, das Ergebnis wird an das Feuerleitsystem des Turms weitergegeben. Im Demovideo des NCSIST geht die Integration noch weiter: Dreht die Besatzung den Helm, schwenken Turm und Maschinengewehr synchron in dieselbe Richtung. Das Prinzip ist aus westlichen Programmen bekannt, etwa aus dem israelischen Iron Vision oder dem Helmsystem des F-35. Dass Taiwan eine eigene Variante in staatlicher Entwicklung vorzeigt, ist die eigentliche Botschaft: Schlüsselkomponenten sollen künftig im eigenen Land entstehen.

Zwei zentrale Fragen sind allerdings offen. Eine verlässliche Freund-Feind-Erkennung gibt es für das System noch nicht, die Einordnung der erfassten Ziele liegt also weiterhin bei der Besatzung. Außerdem ist ungeklärt, wie die außen montierten Sensoren vor Beschädigungen geschützt werden sollen. Gerade sie wären im Gefecht ein naheliegendes Ziel für gezielten Beschuss, und ein Treffer würde der Besatzung genau jene Rundumsicht nehmen, die das System verspricht.

KI-Kanone voller Sensoren

Das zweite Beispiel stammt aus der Wissenschaft: Die National Kaohsiung University of Science and Technology präsentierte gemeinsam mit ihrem Railway Technical Center ein „Multi-Sensor Fusion Target Tracking and Suppression System“, kurz AI-MFTSS. Konkret handelt es sich um ein Geschütz in der Bauform eines Maschinengewehrs, das mit einer umfangreichen Sensorik ausgestattet ist. Das System führt Daten aus elektrooptischen Kameras, Wärmebild, Radar und Funkaufklärung zusammen und legt eine KI-gestützte Objekterkennung darüber.

Der Anspruch: Zielerfassung und Bedrohungsbewertung bei jedem Wetter und bei mehreren Objekten gleichzeitig, abgestimmt über Land-, See- und Luftplattformen hinweg. Die Waffe erfasst und verfolgt Ziele selbstständig, die Entscheidung zum Schuss trifft aber ein Mensch: Ein:e Bediener:in muss den Einsatz freigeben. Auch hier bleibt die Freund-Feind-Erkennung eine Schwachstelle, was die menschliche Kontrollinstanz umso wichtiger macht.

Innotec Expo 2026. © Trending Topics
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Drohnen mit fast vollständig taiwanischen Bauteilen

Wie aus Forschung ein Geschäft wird, zeigt Coretronic Intelligent Robotics, eine Tochter des Display- und Projektorherstellers Coretronic. Das Unternehmen präsentierte eine KI-gestützte Objekterkennung mit dynamischer Positionsbestimmung für Drohnen: Die Software erkennt bewegliche Ziele in Echtzeit, verfolgt sie kontinuierlich und übermittelt ihre Position.

Bemerkenswert sind vor allem die Zahlen dahinter. Laut TechNews stammen mehr als 98 Prozent der Bauteile aus Taiwan, und das Verteidigungsministerium hat bereits Serienaufträge über mehr als 3.000 Mikro- und Aufklärungsdrohnen erteilt. Zusätzlich kooperiert das Unternehmen mit US-Firmen und verkauft seine Produkte an Polizei und Feuerwehr. Das läuft unter dem Schlagwort „non-red supply chain“, gemeint ist eine Lieferkette ohne chinesische Komponenten. Dieses Verkaufsargument zieht auch in Europa, wo Behörden und Armeen zunehmend darauf achten, woher die Elektronik in ihren Drohnen kommt.

Wie dringend Taiwan beim Thema Drohnen nachrüsten muss, zeigt ein Rückschlag auf der Abwehrseite: Ein Beschaffungsprojekt der Armee für stationäre Drohnenabwehr wurde laut Liberty Times aufgelöst, nachdem die Anlagen des Herstellers bei den Abnahmetests durchgefallen waren. Dabei sollen handelsübliche Drohnen die Abwehr sogar durchflogen haben.

Die Seagull-Drohne etwa kommt mit diesen Spezifikationen:

Merkmal SEAGULL
Drohnentyp Hybrid-VTOL
Abmessungen 237 × 350 × 49 cm (H × B × L, laut Vorlage)
Maximales Startgewicht (MTOW) 45 kg
Reisegeschwindigkeit 72 bis 100,8 km/h; Standard: 86,4 km/h
Maximale Flugstrecke Über 480 km
Schutzart IP54
Flugzeit Über 6 Stunden
Maximale Windbeständigkeit Böen bis 54 km/h (Beaufort 7)
Navigationssystem GPS/RTK
EO-Kamera 4K, 20-facher optischer Zoom
IR-Kamera Auflösung: 640 × 512 Pixel; Hybridzoom: 6-fach+
Gewicht (zweite Angabe in der Vorlage) 1.400 g
Laserentfernungsmessung Maximale Distanz: 2 km; Genauigkeit: ±3 m
Steuerbereich des Gimbals Neigung: +45° bis −90°; Schwenkung: −175° bis +175°
Bildqualität NIIRS 6
KI-Tracking Zielidentifizierung, Zielerfassung und Zielverfolgung
Kommunikation SDR + MESH (optional)
Seagull drone. © Trending Topics
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Ein eigenes Triebwerk für Marschflugkörper

Das vierte Beispiel ist auf den ersten Blick das unscheinbarste, industriepolitisch aber vielleicht das wichtigste: Das NCSIST zeigte mit dem PSD-250 ein kleines Turbostrahltriebwerk aus eigener Entwicklung. Solche Antriebe kommen in schnellen, größeren Drohnen und Marschflugkörpern zum Einsatz, wo Elektromotoren an ihre Grenzen stoßen.

Das Institut betont vor allem, dass das Triebwerk ohne ausländische Zulieferer auskommt. Dazu kommen laut NCSIST ein niedriger Treibstoffverbrauch, geringe Kosten und ein hohes Schub-Gewichts-Verhältnis, außerdem sei das PSD-250 für die Serienfertigung ausgelegt. Genau dieser Punkt ist entscheidend: Antriebe gelten weltweit als Engpass in der Drohnenproduktion, und wer sie selbst bauen kann, macht seine gesamte Lieferkette weniger angreifbar. Für Taiwan ist ein eigenes Triebwerk damit ein Stück strategischer Unabhängigkeit.

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