Wärmepumpen

„Giftige, teure Droge“: Europa steigt vermehrt von Gas auf Wärmepumpen um

Air-to-water heat pump in front of a modern family home
An air-to-water heat pump in front of a family home. © alpha innotec on Unsplash

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Nichts verkauft Wärmepumpen so gut wie eine Gaskrise. Im ersten Halbjahr 2026 wurden in zwölf europäischen Ländern rund 1,163 Millionen Wärmepumpen für Wohngebäude verkauft, um 11 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum mit 1,048 Millionen Geräten. Das geht aus neuen Zahlen der European Heat Pump Association (EHPA) hervor. Der Verband sieht einen klaren Auslöser: Seit der Iran Anfang des Jahres die Straße von Hormus gesperrt hat, sind die Öl- und Gaspreise stark gestiegen.

„Europa beendet seine Abhängigkeit von einer giftigen, teuren Droge von zwielichtigen Lieferanten: Gas“, sagt EHPA-Generaldirektor Paul Kenny. Erfasst sind Österreich, Belgien, die Schweiz, Dänemark, Finnland, Frankreich, Deutschland, Italien, die Niederlande, Norwegen, Portugal und Schweden.

Nach dem Absturz geht es wieder bergauf

Der Aufschwung folgt auf eine schwierige Phase. 2024 waren die Verkäufe in 14 europäischen Ländern laut EHPA um 21 Prozent eingebrochen, von 2,8 auf 2,2 Millionen Geräte. Mindestens 4.000 Jobs in der Branche gingen damals verloren. Als Gründe nannte der Verband wechselhafte Förderpolitik, die schwache Wirtschaft und künstlich niedrige Gaspreise.

Heuer drehte sich das Bild schon früh. Im ersten Quartal stiegen die Verkäufe laut pv magazine in elf Ländern um 17 Prozent, angeführt von Frankreich, Deutschland und Polen. Über das gesamte Halbjahr hat sich das Wachstum mit 11 Prozent etwas abgeschwächt.

Einen besonders starken Schub erlebt Deutschland, wo das Thema Heizungstausch jahrelang politisch umkämpft war. Laut dem Bundesverband Wärmepumpe (BWP) wurden dort im ersten Halbjahr 195.000 Heizungswärmepumpen abgesetzt, um 40 Prozent mehr als im Vorjahr. BWP-Chef Martin Sabel führt das vor allem auf das „wachsende Bewusstsein der Verbraucher:innen für die Risiken einer Wärmeversorgung mit fossilen Brennstoffen“ und die staatliche Förderung zurück.

Österreich geht den umgekehrten Weg

Ganz anders sieht es in Österreich aus. Hier brachen die Verkäufe im ersten Halbjahr laut Zahlen des Verbands Wärmepumpe Austria, über die buildingTIMES berichtet, um 26 Prozent auf rund 18.000 Geräte ein. Bei den Split-Geräten lag das Minus sogar bei fast 37 Prozent. Hauptgrund ist die unsichere Förderlage, schon im ersten Quartal hatte die EHPA den Rückgang mit dem Wegfall staatlicher Förderungen erklärt. Die Gaskrise allein reicht offenbar nicht, um den Wegfall staatlicher Zuschüsse auszugleichen.

Der Knackpunkt ist der Strompreis

Aus Sicht der Branche entscheidet sich die Zukunft der Wärmepumpe am Verhältnis von Strom- zu Gaspreis. Und das ist in den meisten EU-Ländern ungünstig. Laut EHPA wird Strom häufig höher besteuert als Gas, was ihn um ein Mehrfaches teurer macht. Auch die EU-Kommission räumt im Aktionsplan zur Elektrifizierung ein, dass Strom für Endverbraucher:innen „in den meisten Mitgliedstaaten höher besteuert wird als Gas“, berichtet Forbes. Für Haushalte ist Strom demnach im Schnitt rund 2,5 Mal so teuer wie Gas.

Die Kommission will das ändern. Ihr Aktionsplan sieht vor, den Anteil von Strom am Energieverbrauch von heute 23 auf 46 Prozent bis 2040 zu verdoppeln. Steuern auf Strom sollen nicht höher sein als auf Gas, und die Netzentgelte sollen so umgebaut werden, dass flexible Verbraucher wie Wärmepumpen profitieren. Die EHPA fordert nun alle Regierungen auf, dem Beispiel der Niederlande und Belgiens zu folgen und Steuern von Strom auf fossile Brennstoffe zu verlagern. „Je früher Strom die günstigste Lösung wird, desto schneller werden wir sauber“, so Kenny.

Die Gegenposition: Politik bremst, Einstimmigkeit fehlt

Ob der Trend hält, ist allerdings offen. Die Reform der EU-Energiesteuerrichtlinie, die eine Angleichung verbindlich machen würde, braucht die Zustimmung aller 27 Finanzministerien. Genau daran ist sie seit Jahren gescheitert. Laut Forbes haben bisher nur Frankreich, die Niederlande, Belgien und Dänemark kleinere Korrekturen umgesetzt.

In Deutschland erlaubt das neue Gebäudemodernisierungsgesetz zudem wieder den Einbau von Gas- und Ölheizungen. Der BWP warnt deshalb, dass ohne Entlastungen beim Strompreis die Dynamik verloren gehen könnte. Und das Beispiel Österreich zeigt, wie schnell der Markt einbricht, wenn Förderungen wegfallen. Auch vom Rekordniveau ist die Branche noch entfernt: 2023 wurden in 14 Ländern 2,8 Millionen Geräte verkauft, aufs Jahr hochgerechnet kämen die zwölf Länder heuer auf gut 2,3 Millionen.

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