hello again: Münchner Private-Equity-Investor EMERAM steigt mit zweistelligem Millionenbetrag ein
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Das oberösterreichische Scale-up hello again hat eine Wachstumsfinanzierung im zweistelligen Millionenbereich abgeschlossen. Investor ist die Münchner Beteiligungsgesellschaft EMERAM, wie das Unternehmen soeben mitgeteilt hat. Eine genaue Zahl nennt hello again nicht, nach Informationen von Trending Topics liegt der Betrag aber deutlich über zehn Millionen Euro, im mittleren zweistelligen Millionenbereich. EMERAM erhält dafür eine signifikante Minderheitsbeteiligung von mehr als 25 Prozent. Die Co-Founder und Initialinvestor:innen bleiben Mehrheitseigentümer:innen und steuern das Unternehmen weiter operativ. Das Kapital soll in den Ausbau der Marktposition in der DACH-Region, die Expansion in weitere europäische Länder und neue KI-Funktionen fließen.
Das ist für einen Private-Equity-Investor ungewöhnlich: Beteiligungsgesellschaften wie EMERAM übernehmen in der Regel die Mehrheit an ihren Portfoliounternehmen, um sie nach einigen Jahren mit Gewinn weiterzuverkaufen. Dass es bei hello again eine Minderheits- und keine Mehrheitsbeteiligung ist, hat laut Gründer und CEO Franz Tretter einen einfachen Grund: Es handle sich um eine Wachstumsfinanzierung, keinen Verkauf. „Wir wollen jetzt den nächsten Milestone in Europa knacken, das Timing könnte nicht besser sein“, sagt Tretter gegenüber Trending Topics. Das Geschäftsmodell von hello again ist dabei auf Wachstum bei den Kund:innen ausgelegt: Unternehmen zahlen eine monatliche Gebühr pro Kontakt, also je App-Nutzer:in, und damit mehr oder weniger nach Erfolg. Je mehr Menschen die Loyalty-App eines Betriebs nutzen, desto mehr verdient hello again mit.

1.000 Kund:innen und 18 Millionen App-Nutzer:innen
hello again wurde 2017 in Leonding bei Linz gegründet und betreibt eine White-Label-SaaS-Plattform für digitale Kundenbindung. Unternehmen aus Handel, Gastronomie, Bäckereien, Apotheken oder Freizeitbetrieben setzen damit eigene Loyalty-Apps mit Punktesystem, Gutscheinen und personalisierten Nachrichten auf. Zu den mehr als 1.000 Kund:innen zählen laut Aussendung Deichmann, Müller und L’Osteria, die Apps kommen auf rund 18 Millionen aktive Nutzer:innen in 28 Ländern.
Erst im Frühjahr hatte das Unternehmen die Marke von 1.000 Kund:innen und zehn Millionen Euro ARR gemeldet, damals mit rund 100 Mitarbeitenden und 15 Millionen App-Nutzer:innen. Zu den bisherigen Investor:innen gehören Business Angel Hansi Hansmann und Runtastic-Mitgründer Florian Gschwandtner. Gründer und CEO Franz Tretter war selbst Produktmanager bei Runtastic.
Mit dem frischen Kapital plant hello again unter anderem:
- AI-Autopilot: Eine KI erstellt auf Basis der Interessen einzelner Kund:innen automatisch die passende Nachricht und wählt den Versandzeitpunkt. Laut hello again steigert das den Umsatz im Schnitt um 8 Prozent.
- Partnervorteile: Neue Geschäftsmodelle sollen die mehr als 1.000 Kund:innen zu einer „Mittelstands-Allianz“ mit gegenseitigen Vorteilen vernetzen.
- Expansion: Nach der DACH-Region sollen gezielt weitere europäische Länder erschlossen werden.
Gegenüber Trending Topics präzisiert Tretter die Eigentümerstruktur: Die Gründer:innen sowie Hansmann und die Runtastic-Investoren „bleiben in der klaren Mehrheit und im Driver Seat“. Der Auswahlprozess sei ungewöhnlich verlaufen: „Wir hatten fünf Termsheets am Tisch liegen, was nicht normal ist in der aktuellen Zeit. Also hatten wir das Glück, uns für den perfekten Investor entscheiden zu dürfen.“ Entscheidend seien laut Aussendung „die kulturelle Passung, die persönliche Chemie sowie die Kombination aus Unterstützung und konstruktivem Anspruch“ gewesen. „Wir können jetzt noch stärker Gas geben und die Expansion in Europa vorantreiben, was richtig Spaß macht“, so Tretter. Ziel sei, hello again „zum Player #1 in Europa im Bereich der digitalen Kundenbindung“ zu machen.
Wer EMERAM ist
EMERAM wurde 2012 in München gegründet, unter anderem vom früheren Metro-Chef Eckhard Cordes und Christian Näther, der zuvor bei Apax Partners war. Die Gesellschaft hat Büros in München und Kitzbühel und verwaltet nach eigenen Angaben ein Vermögen von über 800 Millionen Euro. Ihr erster Fonds war rund 400 Millionen Euro schwer, seit 2023 investiert EMERAM aus einem zweiten Fonds. Das Profil ist klassisches Mid-Market-Private-Equity: Beteiligungen an etablierten mittelständischen Unternehmen im deutschsprachigen Raum, mit Fokus auf Technologie und Software, Value-added Services sowie Konsumgüter. Startups im eigentlichen Sinn finanziert EMERAM selten, hello again ist als profitables Scale-up mit zehn Millionen Euro ARR ein typischer Kandidat.
Das aktuelle Portfolio umfasst laut EMERAM neun Unternehmen in den Bereichen Digitalisierung, Gesundheit und Energiewende, darunter:
- sofatutor: Berliner Online-Lernplattform, Einstieg 2021.
- CoCoNet: Plattform für digitales Firmenkunden-Banking.
- Solar Manager: Schweizer Anbieter von Energiemanagement-Systemen für Eigenheime.
- Garderos: Sichere Datenkommunikation für kritische Infrastruktur.
- Hochfrequenz: Beratung und digitale Lösungen für Energieversorger.
- Provital: Hunde- und Katzenfutter.
Zu den vollständigen Exits zählen der Softwareanbieter Matrix42 (verkauft an Corten Capital), das Schweizer Sensorik-Unternehmen Xovis (verkauft an Capvis), die Digitalagentur diva-e, die Klinik-Software Meona, die Süßwarenkette Hussel und der Immobiliendienstleister Officium. Für die Portfoliounternehmen tritt EMERAM nach eigener Beschreibung als „Business Development Partner“ auf, der neben Kapital auch operative Unterstützung und Zukäufe organisiert.
„Mit hello again investieren wir in ein starkes Team, eine skalierbare Technologie und eine klare europäische Wachstumsvision“, sagt Matthias Obermeyr, Partner bei EMERAM. Man wolle das Unternehmen beim Ausbau in der DACH-Region, bei der Internationalisierung, bei KI-gestützten Lösungen und beim Aufbau einer integrierten Vorteilswelt für Partner unterstützen.
Wettbewerb um die Kundenkarte
Im Markt für digitale Kundenbindung konkurriert hello again mit einer Reihe von Anbietern. In der DACH-Region gehören dazu etwa Payback als klassisches Multipartner-Programm sowie SaaS-Anbieter wie Piggy aus den Niederlanden oder Yoyo Wallet. International drängen Plattformen wie Punchh (Teil von PAR Technology) oder Thanx in die Gastronomie. hello again positioniert sich dazwischen: als White-Label-Lösung, bei der die Marke des Kunden im Vordergrund steht, mit Fokus auf mittelständische Betriebe, für die eine eigene App-Entwicklung zu teuer wäre.

