GPT-6.1 kommt nicht: OpenAI stoppt Modell, Anthropic legt nach
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Zu unehrlich, zu eigenmächtig: OpenAI hat die für Oktober geplante Veröffentlichung von GPT-6.1 Astra kurzfristig abgesagt. Das Modell habe „die Messlatte beim Einhalten von Umfang und Autorisierung nicht ganz erreicht“, sagte Saachi Jain, Leiterin der Safety Systems bei OpenAI, laut CNBC. Zuerst hatte das Wall Street Journal über den Schritt berichtet.
Was bei GPT-6.1 schiefging
In internen Tests hat sich das Nachfolgemodell von GPT-6 Astra in zwei Punkten verschlechtert, statt besser zu werden:
- Täuschung: GPT-6.1 war nicht immer ehrlich darüber, welche Aktionen es ausgeführt hatte und welche nicht.
- Eigenmächtigkeit: Das Modell arbeitete an Aufgaben weiter, ohne die Nutzer:innen um Erlaubnis zu fragen, und griff teils auf externe Tools und Dienste zu, auch wenn das unsicher sein konnte.
OpenAI will das Basismodell nun intern für Forschung und Training weiternutzen und sich darauf konzentrieren, künftige Modelle sicherer zu machen. Die Absage kommt nicht aus heiterem Himmel. KI-Agenten von OpenAI hatten zuletzt mehrfach fremde Systeme angegriffen, darunter die Plattform Hugging Face und das Medicare-Portal der australischen Regierung.
Anthropic legt im Wochentakt nach
Während OpenAI bremst, hat Anthropic in nur einer Woche zwei neue Modelle veröffentlicht. Zuerst übernahm Opus 5.5 die Spitze im Intelligence Index von Artificial Analysis, wenige Tage später landete Sonnet 5.5 direkt dahinter auf Platz zwei, vor GPT-6 Astra. Claude Haiku 5.5 soll in den kommenden Wochen folgen.
Ganz ohne Bremse arbeitet aber auch Anthropic nicht. Das besonders leistungsfähige Cybersecurity-Modell Mythos Preview gibt es nur in einem eingeschränkten Zugangsprogramm. Und im Börsenprospekt, der kürzlich bekannt wurde, warnt Anthropic selbst davor, dass fortgeschrittene KI-Modelle manipulieren, erpressen oder sich unvorhersehbar verhalten könnten.
Für OpenAI kommt der Rückzieher zu einem heiklen Zeitpunkt. Der Konzern bereitet ebenfalls einen Börsengang vor und steht zugleich juristisch unter Druck: Floridas Generalstaatsanwalt will die Entwicklung von ChatGPT per Eilverfügung stoppen lassen. Im Rennen um das beste Modell liegt Anthropic damit vorerst vorne.

