Cross River

X Money: Elon Musks Bezahldienst baut auf Bank-as-a-Service-Anbieter auf

X Money. © X / Canva
X Money. © X / Canva

Musks „Everything App“ ist jetzt auch eine Bank. Der Zinssatz liegt weit über dem Markt, die Aufsicht ist ausgedünnt, und das Institut, bei dem das Geld tatsächlich liegt, kennt man aus Konsentbescheiden der US-Einlagensicherung FDIC.

Vier Jahre nach der Twitter-Übernahme hat Elon Musk das Versprechen eingelöst, das er von Anfang an gegeben hat: X bietet seit Montag seinen zahlenden US-Abonnentinnen und -Abonnenten der Premium- und Premium+-Stufen den Banking-Dienst X Money an – der bisher größte Schritt in Richtung jener WeChat-artigen „Everything App“, von der Musk seit 2022 spricht. Vorausgegangen waren eine geschlossene Beta ab Mai 2025 und ein erweiterter Test ab März 2026.

Was X Money ist

Technisch ist X Money ein Dollar-Konto samt Karte, eingebaut in den Social-Feed. Nutzerinnen und Nutzer können Guthaben halten, Peer-to-Peer-Zahlungen senden, Rechnungen bezahlen, Überweisungen tätigen und Schecks verschicken, ohne die App zu verlassen. Geld geht direkt an das @-Handle einer anderen Person, ohne Transfergebühr; Gehälter sollen bis zu zwei Tage vor dem regulären Zahltag ankommen.

Dazu kommt eine virtuelle oder physische Visa-Debitkarte aus Metall – die „X Card“ – mit Apple-Wallet- und Google-Pay-Unterstützung, 3 Prozent Cashback auf berechtigte Käufe, gebührenfreien Abhebungen und der Option, das eigene X-Handle auf die Karte zu drucken. Die Absicherung läuft über Passkeys statt Passwörtern, dazu kommen individuell setzbare Transaktionslimits. Neukundinnen und Neukunden bekommen zum Einstieg 15 Dollar aufs Konto.

Bemerkenswert ist, was fehlt: Trotz jahrelanger Spekulationen gibt es weder Krypto-Anbindung noch einen eigenen Stablecoin. X Money ist, zumindest vorerst, ein konventionelles Girokonto in einem unkonventionellen Gehäuse.

Der Lockvogel: bis zu 6 Prozent

Das eigentliche Akquise-Instrument ist der Zins. X wirbt mit einer Verzinsung von bis zu sechs Prozent pro Jahr – deutlich über den rund vier bis fünf Prozent der konkurrenzfähigsten US-Tagesgeldkonten und weit über den Sätzen der großen traditionellen Banken. Der Haken steht im Kleingedruckten: Den Spitzensatz bekommen Premium+-Abonnentinnen und -Abonnenten direkt, Premium-Kundinnen und -Kunden erst, wenn sie Bedingungen zum Gehaltseingang erfüllen.

Der Zins ist damit kein Sparprodukt, sondern ein Bindungsinstrument. Er kostet entweder das teurere Abo oder die Bereitschaft, das Gehaltskonto in ein soziales Netzwerk zu verlegen – im Zweifel beides.

Und er wirft eine ökonomische Frage auf, die X bis heute nicht beantwortet hat. Senatorin Elizabeth Warren, ranghöchste Demokratin im Bankenausschuss des US-Senats, formulierte sie in einem Brief an Musk vom 14. April so: Es sei unklar, mit welchen riskanten Investments, welcher aufdringlichen Datenmonetarisierung oder welchen sonstigen Kunstgriffen X Money oder die Partnerbank Cross River diese Rendite erwirtschaften wollten, wenn der Ziel-Leitzins bei 3,5 bis 3,75 Prozent liege. Warren bat um schriftliche Antworten bis 21. April – veröffentlicht wurde bislang keine.

Wer das Geld eigentlich hält

X ist keine Bank und hat keine Banklizenz. Die Einlagenkonten liegen bei der Cross River Bank, einem FDIC-Mitgliedsinstitut in New Jersey; die reguläre Einlagensicherung greift bis 250.000 Dollar pro Einleger. Darüber hinaus bewirbt X ein Cash-Sweep-Programm, das Guthaben über ein Netz von Partnerbanken streut und so mit bis zu 10 Millionen Dollar Absicherung wirbt. Diese Zahl ist Marketing mit Bedingungen: Die Deckung hängt an konkreten Voraussetzungen und greift nur, wenn Partnerbanken tatsächlich ausfallen.

Auch geografisch ist das Angebot löchrig. X Payments hält Money-Transmitter-Lizenzen in 41 Bundesstaaten plus Washington, D.C. New York und Massachusetts fehlen; New Yorker Abgeordnete drängten die dortige Aufsicht Berichten zufolge, X eine Lizenz zu verweigern.

Warum Cross River in der Kritik steht

Cross River aus Fort Lee, New Jersey, ist einer der bekanntesten Banking-as-a-Service-Anbieter der USA – die Bank hinter zahllosen Fintech-Frontends. Das Institut wickelt Kredite und Zahlungen für mehr als 80 Technologiepartner ab, und die Kundenliste liest sich wie ein Who’s who der US-Fintech-Szene: In einer eigenen Aussendung vom März 2026 nennt Cross River unter anderem X, Upgrade, Upstart, Trustly, Stripe, Plaid, DailyPay, Coinbase, Checkout, Bill.com, Best Egg und Affirm als Partner.

Coinbase nutzt die Bank für seine Fiat-On- und Off-Ramps, Affirm für die Kreditinfrastruktur seines Buy-now-pay-later-Geschäfts; weitere Kreditpartner sind Upstart, Rocket Loans und das frühere Kabbage. Cross River war überhaupt eine der ersten Banken, die Krypto-Firmen bedienten, als traditionelle Häuser wegen pauschaler Krypto-Verbote abwinkten – Coinbase gehörte zu den frühesten Kunden aus dem Sektor. Als 2023 mit Silvergate, Silicon Valley Bank und Signature Bank drei Krypto-nahe Institute binnen einer Woche kollabierten, sprang Cross River ein: Stablecoin-Emittent Circle wechselte für die automatisierte Abwicklung von USDC zu der Bank (mehr dazu hier).

Das Institut wurde in seiner Series D im März 2022 mit über drei Milliarden Dollar bewertet – 620 Millionen Dollar, angeführt von Andreessen Horowitz und Eldridge, mit T. Rowe Price, Whale Rock und Hanaco; frühere Geldgeber waren KKR, Battery Ventures und Ribbit Capital. Zuletzt bereitete Cross River einen Börsengang vor, es wäre die erste Notierung einer VC-finanzierten Bank seit Jahren.

Banking as a Service in der Kritik

Verbraucherschützer kritisieren Banking-as-a-Service-Modelle generell als „Rent-a-Bank“ – als Konstruktion, bei der eine bundesstaatlich beaufsichtigte Bank ihre Lizenz verleiht, damit Fintechs Zinsobergrenzen und andere Regeln einzelner Bundesstaaten umgehen können. Cross River weist den Begriff scharf zurück: Kein Institut solle eine Fintech-Partnerschaft ohne vollständige Kontrolle über sämtliche Aktivitäten eingehen, argumentiert die Bank, und Skeptiker verkürzten ein komplexes Thema zu einer Unterstellung in böser Absicht. Cross River positioniert sich als „compliance-forward“ und grenzt sich von reinen BaaS-Middleware-Plattformen ab, weil es direkte Beziehungen zu den Aufsehern unterhalte.

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