Controllino-Gründer Marco Riedesser startet Indiegogo-Kampagne ab 249 Euro netto

A Friend: Tiroler Startup baut KI-Plüschroboter auf OpenClaw-Basis, Lieferung erst 2027

© A Friend / Beans & Bits

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Ein weiches Ding mit leuchtendem Gesicht, das zuhört, antwortet und sich merkt, was man ihm erzählt: So stellt sich ein Tiroler Team den KI-Assistenten der Zukunft vor, und lässt ihn von der Crowd vorfinanzieren.

Am Donnerstag um 18 Uhr startet die Beans & Bits GmbH aus Kematen in Tirol die Indiegogo-Kampagne für A Friend. Hinter dem Unternehmen steht Marco Riedesser, der mit Controllino bereits eine Arduino-kompatible Industriesteuerung aus Innsbruck auf den Markt gebracht hat, ebenfalls mit Crowdfunding-Start. A Friend ist etwas völlig anderes: ein physischer KI-Begleiter, der laut Unternehmen seit zwei Jahren in Entwicklung ist. Funktionsfähige Entwicklungsgeräte gibt es, ein fertiges Serienprodukt noch nicht. Der Versand ist für das zweite Quartal 2027 vorgesehen.

Was der kleine Plüschroboter können soll

A Friend verbindet einen weichen Körper mit Katzenohren, ein beleuchtetes Gesicht mit Pixel-Augen und Sprachinteraktion. Man spricht das Gerät mit einem selbst gewählten Namen an, es antwortet mit Stimme, das Gesicht zeigt Reaktionen an. Der Kern ist die Erinnerungsfunktion: A Friend soll behalten, was man ihm erzählt, und in späteren Gesprächen daran anknüpfen, als „vertraute, greifbare Anlaufstelle für Gedanken und Dinge, die man sich merken möchte“, statt dafür eine weitere App zu öffnen. Im Alltag soll das Gerät wecken, To-dos durchgehen und priorisieren helfen, beim Kochen assistieren, Filme empfehlen, als Radio und Lautsprecher für Playlists oder Hörbücher dienen, Kalendertermine anlegen und Nachrichten vorformulieren. Es soll mehr als 20 Sprachen beherrschen und, so Riedesser in einem Podcast, auch widersprechen können, statt wie viele KI-Companions allem zuzustimmen. Die Hüllen lassen sich tauschen, um Farbe und Design zu wechseln.

A Friend core unit with interchangeable soft shells
Das Innenleben von A Friend mit tauschbaren Hüllen. © A Friend / Beans & Bits

Bei der KI setzt das Startup auf ein offenes Modell. A Friend lässt sich per API-Schlüssel mit einem unterstützten externen KI-Anbieter verbinden, ein Abo beim Hersteller ist dafür nicht nötig. Der jeweilige Anbieter rechnet die API-Nutzung dann separat ab, ein bestehendes ChatGPT- oder Claude-Chat-Abo reicht dafür nicht automatisch. Wer es bequemer will, nutzt den optionalen Dienst A Friend Cloud: Drei Monate sind in den Kampagnenpaketen enthalten, danach kostet er 19 Euro pro Monat und Gerät, jederzeit kündbar. In beiden Fällen braucht das Gerät eine Internetverbindung. Technisch baut A Friend laut Hersteller auf OpenClaw auf, dem Open-Source-Framework für persönliche KI-Agenten.

Was es kostet

Die ersten 250 Geräte gibt es als Super Early Bird um 249 Euro, danach kostet ein Einzelgerät während der Kampagne 299 Euro, nach der Kampagne sind 349 Euro vorgesehen. Alle Preise verstehen sich netto, Umsatzsteuer und Versand kommen dazu, für Österreich landet das Early-Bird-Gerät damit bei knapp 300 Euro. Zum Vergleich: Der Friend-Anhänger des US-Gründers Avi Schiffmann, ein immer mithörender Companion ohne Stimme, kostet 129 Dollar (rund 111 Euro) und kam bei Rezensent:innen und in einer millionenschweren New Yorker U-Bahn-Kampagne so schlecht an, dass er inzwischen im Museum of Failure ausgestellt wird. Die KI-Gadgets Humane AI Pin und Rabbit R1 scheiterten 2024 ebenfalls an großen Versprechen und kleiner Leistung, Humane wurde später an HP verkauft.

Crowdfunding ist keine Vorbestellung

Der wichtigste Punkt für alle, die am Donnerstag zuschlagen wollen: Wer auf Indiegogo einzahlt, kauft kein Produkt, sondern finanziert ein Produkt in Entwicklung. Das Startup schreibt das selbst in seine Presseinformation: Der Liefertermin sei „eine Schätzung und kein garantierter Liefertermin“, Aussehen, technische Daten und Leistung könnten sich noch ändern, Fertigung, Tests und die Erfüllung regulatorischer Anforderungen stehen noch aus. Mit der Kampagne seien „Entwicklungs- und Lieferrisiken verbunden“.

Das ist kein Kleingedrucktes, sondern die Realität der Branche. Indiegogo und Kickstarter betonen in ihren Bedingungen, keine Shops zu sein, Rückerstattungen gibt es in der Regel nur, wenn das Startup sie freiwillig gewährt, und auch dann nur, solange Geld da ist. Laut einer Untersuchung des Wharton-Professors Ethan Mollick liefern rund 9 Prozent der erfolgreich finanzierten Kickstarter-Projekte ihre Belohnungen nie aus, rund drei Viertel sind verspätet. Gerade Hardware ist anfällig: Die Drohne Zano sammelte mehr als 2,3 Millionen Pfund und lieferte nie, die Indiegogo-SSD GigaDrive kam auf knapp 1,7 Millionen Dollar und ließ Unterstützer:innen laut TechRadar auch zehn Monate nach dem Liefertermin warten. Je erfolgreicher eine Kampagne, desto größer das Risiko, Projekte mit dem Zehnfachen ihres Ziels liefern nur halb so oft pünktlich, weil die Produktion in großen Stückzahlen ganz andere Probleme bringt als ein paar Dutzend Entwicklungsgeräte. Bei einem Gerät, das Mikrofon, Lautsprecher, Beleuchtung, Funk und einen weichen Körper vereint, kommen Zertifizierungen für CE und Funk dazu, die Zeit und Geld kosten. Dazu kommt ein Risiko, das Hardware-Crowdfunding von einem Kauf im Shop unterscheidet: Geht das Unternehmen vor der Auslieferung pleite, stehen Unterstützer:innen in der Insolvenz hinten an. Auch das Rücktrittsrecht von 14 Tagen, das bei Online-Käufen gilt, greift beim Crowdfunding nicht automatisch.

Was für A Friend spricht: Riedesser ist kein Erstgründer, sondern hat mit Controllino bereits ein Hardware-Produkt aus einer Kampagne in die Serienfertigung und in den Industrievertrieb gebracht. Das Team kommuniziert die Risiken ungewöhnlich offen und verzichtet auf das für Crowdfunding typische Versprechen, das Gerät sei „fast fertig“. Und das offene Modell mit eigenem API-Schlüssel macht A Friend weniger abhängig vom Überleben eines einzelnen Cloud-Dienstes als viele Konkurrenzprodukte. Ob das reicht, zeigt sich frühestens im Frühjahr 2027. Bis dahin gilt, was für jede Kampagne gilt: nur so viel einzahlen, wie man im schlimmsten Fall abschreiben kann.

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