Circular Innovation Award: refurbed und byeagain unter Österreichs prämierten Kreislauf-Champions
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Aus alten Gipsplatten werden neue, aus Retouren wieder Ware und aus Restmüll wieder Glas. Der Circular Innovation Award Austria hat in der vergangenen Woche im Wiener Haus der Industrie erstmals Unternehmen ausgezeichnet, die mit Kreislaufwirtschaft Geld verdienen. Aus 57 Einreichungen wählte eine internationale Jury fünf Kategoriesieger:innen und zwei Sonderpreisträger:innen. Unter ihnen sind das Wiener Scale-up refurbed, der Glashersteller Vetropack und das Grazer Startup byeagain.
Hinter dem Award stehen das Circular Economy Forum Austria, die Kanzlei Schiefer Rechtsanwälte und die Raiffeisen-Landesbank Steiermark. Die Patronanz hat das Landwirtschafts- und Klimaschutzministerium (BMLUK) übernommen, die Startup-Kategorie unterstützt die Wirtschaftsagentur Wien.
Die Preisträger:innen 2026
- Circular Business Model Innovation: refurbed. Der Marktplatz für generalerneuerte Elektronik ist in 24 Ländern aktiv und baut sein Trade-In-Programm aus, über das gebrauchte Geräte zurück in den Kreislauf kommen. Erst kürzlich wurde bekannt, dass refurbed heuer erstmals mehr als 100 Millionen Euro Umsatz machen dürfte.
- Circular Industry Innovation: Vetropack Austria. Mit „Rezon“ hat Vetropack laut eigenen Angaben die weltweit erste Mehrweg-Glasflasche in gehärteter Leichtbauweise entwickelt. Sie braucht weniger Material und übersteht mehr Umläufe.
- Technological Circularity Breakthrough: Brantner Green Solutions. Die GLASY-Technologie holt Glas aus der Restmüllverwertung zurück und macht es wieder für die Verpackungsindustrie nutzbar. Die Lösung ist bereits industriell im Einsatz.
- Circular Startup of the Year: byeagain. Das Grazer Startup bereitet nicht standardisierte Retourware mit KI-gestützten Prozessen auf und bringt sie als „Refurbishment-as-a-Service“ zurück in den Handel.
- Circular Collaboration Award: GzG Gipsrecycling. Das Joint Venture von PORR, Saint-Gobain Austria und Saubermacher betreibt Österreichs erste Gips-zu-Gips-Anlage. Aus alten Gipskartonplatten wird dort Rohstoff für neue Produkte.
Dazu kommen zwei Sonderpreise der Jury. Den Preis für Social Circular Impact erhielt BauKarussell, das beim Rückbau großer Gebäude Bauteile und Materialien wiederverwendet und dafür sozialwirtschaftliche Betriebe einbindet. Als Circular Pioneer wurde der Textildienstleister Salesianer ausgezeichnet, der mit seinem Mietmodell für Berufskleidung und Wäsche seit Jahren auf Pflege, Reparatur und lange Nutzung setzt. Selbst die Trophäen sind zirkulär: Die materialnomaden haben dafür alte Pokale zu zerlegbaren Unikaten umgebaut.
Drei Ministerien, ein Ziel
„Wir holen Unternehmen vor den Vorhang, die mit konkreten Lösungen zeigen, dass Kreislaufwirtschaft wirtschaftlich tragfähig und wettbewerbsrelevant ist“, sagt Karin Huber-Heim, Präsidentin des Circular Economy Forum Austria.
Per Videobotschaft meldeten sich auch zwei Bundesminister und eine Staatssekretärin zu Wort. „Die Transformation hin zu einer kreislauffähigen Wirtschaft ist ein zentraler Baustein für einen resilienten und zukunftsfähigen Standort Österreich“, sagt Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig. Infrastrukturminister Peter Hanke nennt ein konkretes Ziel: „Bis 2035 soll Österreich bei der zirkulären Materialnutzung unter den Top 3 Europas sein; bis 2029 stehen dafür im Rahmen der Industriestrategie 2035 2,6 Mrd. Euro an Fördermitteln bereit.“ Und Staatssekretärin Elisabeth Zehetner betont: „Eine wettbewerbsfähige Kreislaufwirtschaft ist eine echte wirtschaftliche Chance für Österreich.“
Wie weit Österreich noch von den Top 3 entfernt ist
Der Weg dorthin ist allerdings weit. Laut der Europäischen Umweltagentur stammten 2023 erst 14,3 Prozent der in Österreich eingesetzten Materialien aus Recycling. Das ist zwar mehr als doppelt so viel wie 2010, reicht laut EEA aber nicht, um die Ziele zu erreichen. Die heimische Kreislaufwirtschaftsstrategie peilt bis 2030 eine Quote von 18 Prozent an.
An der Spitze Europas liegen ganz andere Werte. Laut Eurostat führten 2024 die Niederlande mit 32,7 Prozent, gefolgt von Belgien mit 22,7 und Italien mit 21,6 Prozent. Der EU-Schnitt lag bei 12,2 Prozent. Für einen Platz unter den Top 3 müsste Österreich seine Quote also in weniger als zehn Jahren deutlich erhöhen.
Die nächste Runde des Awards ist bereits fix: Einreichungen für 2027 sind ab April möglich.

