Interview

move2pay: Vater-Tochter-Hit aus Vorarlberg verdrängte ChatGPT und Claude von Platz 1

Selfie of move2pay founders Mia and Karim Allouche next to a hand holding a phone with the move2pay app showing shopping credit
Image: move2pay

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Die mächtigsten KI-Konzerne der Welt wurden in den App-Store-Charts zeitweise von einem Vater und seiner Tochter aus Vorarlberg überholt.

Seit dem 19. Oktober stand move2pay sieben Tage lang auf Platz 1 der kostenlosen Top-Apps in Deutschland und Österreich, dazu auf Platz 1 in Gesundheit & Fitness, vor ChatGPT von OpenAI und Claude von Anthropic. Gebaut haben die App Karim und Mia Allouche, Vater und Tochter, ohne Investor:innen und ohne Milliardenbudget. Das Prinzip: Bewegung wird zu Einkaufsguthaben. Wer geht, läuft oder Rad fährt, bezahlt damit einen Teil seines Einkaufs bei 163 Partner-Shops. Nach dem Pitch bei „Die Höhle der Löwen“ ging es laut Unternehmen von 70.000 auf 330.000 Nutzer:innen in sieben Tagen, dazu kamen 300 Anfragen von Marken in 24 Stunden und 15.000 Bestellungen an einem Tag. Der in der Sendung vereinbarte Deal mit Frank Thelen über 350.000 Euro ist danach nicht zustande gekommen. Hinter move2pay steht die SVAX GmbH. Gründer und CEO Karim Allouche, früher Eishockeyspieler beim EHC Lustenau und EC Dornbirn, hat unsere Fragen schriftlich beantwortet.

Wie viel können sich User mit der App im Schnitt sparen? Wie viel ist beispielsweise ein Kilometer wert?

Karim Allouche: Bei Move2Pay wird Bewegung zu Einkaufsguthaben: 10.000 Schritte entsprechen beispielsweise 3 Euro. Bei einer angenommenen Schrittlänge von 70 Zentimetern sind das rund sieben Kilometer, rechnerisch also etwa 43 Cent pro Kilometer. Die App bewertet die erfassten Schritte beziehungsweise Aktivitäten. Dazu kommen Challenges und zusätzliche Belohnungen für regelmäßige Bewegung.

Je nach Partner und Aktion können User bis zu 50 Prozent des Produktpreises mit Bewegungsguthaben bezahlen. Ein konkretes Beispiel: Bei einem Produkt um 100 Euro und 50 Prozent Bewegungsanteil werden 50 Euro Guthaben eingesetzt. Dazu kommen 50 Euro Geldzahlung und 5 Euro Servicefee. Die tatsächliche Ersparnis beträgt damit 45 Euro gegenüber dem zugrunde gelegten Produktpreis (UVP).

Einen belastbaren Durchschnitt über sämtliche Einkäufe weisen wir derzeit noch nicht aus. Die individuelle Ersparnis hängt vom Einkauf, dem jeweiligen Bewegungsanteil und dem verfügbaren Guthaben ab.

Was haben Händler davon, Rabatte zu geben, und wie gewinnt ihr die Partner-Shops?

Händler gewinnen Zugang zu einer Community, die sich durch Bewegung aktiv Einkaufsguthaben erarbeitet. Daraus entsteht ein konkreter Anreiz, dieses Guthaben bei unseren Partnern einzusetzen. Für Marken ist Move2Pay damit ein zusätzlicher Vertriebs- und Kundenakquisekanal.

Anstatt ausschließlich im Voraus für Werbereichweite zu bezahlen, räumt der Händler den vereinbarten Bewegungsanteil bei einem tatsächlichen Verkauf ein. Er legt fest, welche Produkte teilnehmen und welchen Anteil die Kunden mit Bewegung bezahlen können. Gemeinsame Challenges, Platzierungen in der App und gezielte Kampagnen können die Nachfrage zusätzlich unterstützen.

Unsere Partner gewinnen wir über direkte Ansprache, persönliche Empfehlungen, unser Netzwerk und gemeinsame Marketingaktionen. Seit der TV-Ausstrahlung kommen zudem sehr viele Marken aktiv auf uns zu. Bekannte Partner wie SNOCKS, waterdrop und Ankerkraut helfen dabei, Vertrauen in das Modell aufzubauen.

Wie funktioniert euer Business Model? Wo generiert ihr die Umsätze?

Move2Pay ist ein Marktplatz, auf dem Menschen einen Teil ihres Einkaufs mit Bewegung bezahlen können. Der Partner-Shop ermöglicht den vereinbarten Preisnachlass, wir stellen die Plattform und die technische Abwicklung bereit.

Unsere zentrale Einnahmequelle ist eine Servicefee pro Bestellung. Sie beträgt 10 Prozent des tatsächlich mit Geld bezahlten Anteils, maximal 6,90 Euro. Bei 50 Euro Geldanteil erhält Move2Pay somit 5 Euro Servicefee.

Für neue Händlerpartnerschaften kommen, abhängig vom vereinbarten Paket, Onboarding- und laufende Plattformgebühren hinzu. Ergänzende Erlösmöglichkeiten entstehen durch buchbare Marketingmaßnahmen und Markenkooperationen.

Warum kam der Deal mit Frank Thelen letztendlich nicht zustande?

Wir haben uns in der Sendung mit Frank Thelen auf einen Deal verständigt. In den anschließenden Gesprächen haben sich unterschiedliche Vorstellungen zur strategischen Weiterentwicklung von Move2Pay gezeigt. Deshalb haben wir gemeinsam entschieden, die Beteiligung nicht umzusetzen.

Welche Faktoren neben „Die Höhle der Löwen“ haben zum App-Wachstum beigetragen? Marketing-Maßnahmen, Influencer?

Die Sendung war ein enormer Beschleuniger. Wir hatten aber bereits davor eine Community und ein Netzwerk an Markenpartnern aufgebaut. Zum Wachstum tragen mehrere Maßnahmen bei: Social Media, Creator- und Influencer-Kooperationen, gemeinsame Aktionen mit unseren Partner-Shops sowie PR und Performance-Marketing.

Eine wichtige Rolle spielen unsere Markenbotschafter Steffen Baumgart und Gernot Kulis. Mit Aktionen wie „Baumgart bewegt“ verbinden wir ein gemeinsames Bewegungsziel mit einem konkreten Einkaufsvorteil. Auch Kooperationen mit Marken wie SNOCKS oder Ankerkraut bringen das Konzept in bestehende Communitys.

Hinzu kommen persönliche Empfehlungen: Die Idee, sich durch Alltagsbewegung einen Teil des nächsten Einkaufs zu erarbeiten, lässt sich leicht weitererzählen. Die starke Sichtbarkeit in den App-Store-Charts hat diesen Effekt zusätzlich unterstützt. In den sieben Tagen rund um die Ausstrahlung ist unsere Nutzerzahl von rund 70.000 auf rund 330.000 gestiegen. Welcher einzelne Kanal welchen Anteil daran hatte, lässt sich derzeit noch nicht belastbar beziffern. Entscheidend war das Zusammenspiel aus TV-Reichweite, Social Media, Markenkooperationen und der Aktivierung unserer Community.

Wie seid ihr generell auf die Idee gekommen?

Die Grundfrage war: Wie können wir Menschen dazu motivieren, sich im Alltag mehr zu bewegen, und ihnen dafür einen unmittelbar spürbaren Mehrwert geben? Aus meinem eigenen Hintergrund im Eishockey weiß ich, wie wichtig Bewegung ist. Gleichzeitig erreicht man mit sportlichen Leistungszielen längst nicht alle Menschen.

Wie groß der Handlungsbedarf ist, verdeutlicht der WHO-Bericht „Global status report on physical activity“, der im Oktober 2022 veröffentlicht wurde. Darin prognostiziert die WHO für den Zeitraum 2020 bis 2030 weltweit fast 500 Millionen neue Fälle vermeidbarer, nichtübertragbarer Erkrankungen aufgrund von Bewegungsmangel, sofern sich das Aktivitätsniveau nicht verbessert. Die damit verbundenen Behandlungskosten wurden auf rund 27 Milliarden US-Dollar jährlich geschätzt.

Unser Ansatz ist, Bewegung mit etwas zu verbinden, das für fast jeden relevant ist: der eigenen Kaufkraft. Wer zu Fuß einkaufen geht, mit dem Hund spaziert oder Sport macht, kann sich damit einen Teil seines nächsten Einkaufs erarbeiten. Das macht den Nutzen greifbar und schafft einen zusätzlichen Anreiz, Bewegung dauerhaft in den Alltag einzubauen.

Auf Händlerseite gibt es gleichzeitig den Bedarf, neue Kunden zu gewinnen. Move2Pay verbindet diese beiden Interessen: Menschen bekommen einen konkreten Vorteil für ihre Bewegung, Marken einen zusätzlichen Zugang zu potenziellen Kunden.

Welchen Hintergrund habt ihr? Das klingt nach einem durchaus durchdachten Marketing-Konzept, um eine solche App in die breite Masse zu bekommen.

Ich komme ursprünglich aus dem Leistungssport, bin seit vielen Jahren Unternehmer und habe Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern und rund 40 Millionen Euro Umsatz aufgebaut, eines davon habe ich 2013 verkauft. Erfahrungen im Aufbau von Unternehmen, im Vertrieb und in der Führung bringe ich deshalb mit.

Meine Tochter Mia bringt als Co-Founderin die Perspektive ihrer Generation sowie ihre Erfahrung mit Content und Social Media ein. Diese Verbindung ist für uns wertvoll: unternehmerische Erfahrung auf der einen Seite und ein unmittelbares Verständnis dafür, wie junge Menschen kommunizieren und welche Inhalte sie erreichen, auf der anderen. Dazu kommt unser Team für Technologie, Design und Content.

Das Marketing ist bewusst aufgebaut: Markenpartnerschaften schaffen attraktive Einkaufsmöglichkeiten und bringen eigene Communitys mit. Persönlichkeiten wie Steffen Baumgart und Gernot Kulis machen das Konzept bekannt. Challenges geben Menschen einen konkreten Anlass, die App auszuprobieren und regelmäßig zu nutzen.

Die breite Ansprache steckt aber bereits in der Produktidee: Man muss kein Leistungssportler sein, um mitzumachen. Bewegung im Alltag reicht aus. Diese niedrige Einstiegshürde und der verständliche finanzielle Vorteil sind aus unserer Sicht wesentliche Voraussetzungen dafür, viele Menschen zu erreichen.

Welche Unternehmen waren beziehungsweise sind es, und welcher Leistungssport?

Ich bin beziehungsweise war Eigentümer unter anderem der ovis Holding GmbH inklusive ihrer Beteiligungen, der ADM Netzwerk GmbH und der SVAX GmbH, dem Unternehmen hinter move2pay.

Als ich mit 10 Jahren aus Tunesien nach Österreich gekommen bin, hat mich mein Nachbar mit zum Eislaufen genommen. Danach haben die Eishockeyspieler trainiert. Ich bin direkt mit aufs Eis und wollte nie wieder runter. Das war der Start von 20 Jahren Eishockey, in denen ich für den EHC Lustenau oder den EC Dornbirn und die österreichischen Nachwuchs-Nationalteams (U16 bis U20) gespielt habe.

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