Idea meets Money: Bergfex-Gründer Markus Kümmel sucht in Graz nach Startups
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Drei Minuten, ein Pitch, und im Publikum sitzt einer, der das alles schon selbst durchgemacht hat: Bergfex-Gründer Markus Kümmel hat kürzlich bei „Idea meets Money“ in Graz elf jungen Startups zugehört, diesmal als potenzieller Investor. Im Schlossbergsaal der Steiermärkischen Sparkasse präsentierten die Teams ihre Geschäftsmodelle, von KI gegen Wasserverluste bis zur Knie-Analyse per Sensor.
Investment in die nächste Generation
Kümmel hat die Outdoor-Plattform Bergfex vor 27 Jahren gemeinsam mit Partnern gegründet. Heute beschäftigt das Grazer Unternehmen rund 30 Mitarbeiter:innen, ist in 18 Sprachen verfügbar und zählt zu den führenden Outdoor-Plattformen im Alpenraum. Seinen eigenen Lebenslauf bezeichnet er augenzwinkernd als vermutlich langweiligsten überhaupt, schließlich mache er seit fast drei Jahrzehnten dasselbe. Nun will er in die nächste Generation investieren: „Wenn die Idee, das Team und die Perspektive passen, bin ich immer offen dafür, selbst zu investieren und junge Unternehmen mit meiner Erfahrung zu unterstützen.“
Hinter dem Format stehen die Steiermärkische Sparkasse, das Gründerservice der Wirtschaftskammer Steiermark, die Businessplan-Initiative i2b und der Science Park Graz. Mitmachen dürfen Startups, die bereits einen funktionsfähigen Prototyp oder einen etablierten Leistungserstellungsprozess vorweisen, höchstens drei Jahre am Markt sind und Beteiligungskapital suchen.
Vorbereitung auf internationalen Wettbewerb
„Gute Ideen allein reichen nicht“, sagt Oliver Kröpfl, Vorstandsmitglied der Steiermärkischen Sparkasse. Es brauche neben Mut und Unternehmergeist auch fundiertes Know-how, tragfähige Geschäftsmodelle und „die richtige Finanzierung zur richtigen Zeit“. Martin Mössler, Geschäftsführer des Science Park Graz, sieht im Kurz-Pitch vor allem eine Übung für später: Die Teams müssten oft hochkomplexe Technologien in wenigen Minuten auf ihren wirtschaftlichen Kern verdichten. „Genau diese Fähigkeit brauchen sie später auch im internationalen Wettbewerb.“
Vier der elf Startups im Überblick
- Indigo Water: Ein erheblicher Teil des aufbereiteten Trinkwassers versickert durch undichte Leitungen. Das Startup von David Steffelbauer und Anna Robosch entwickelt eine hardwareunabhängige Softwareplattform, die vorhandene Daten von Wasserversorgern zusammenführt. Mithilfe von KI sollen Lecks lokalisiert und drohende Rohrbrüche früh erkannt werden. „Unser Ziel ist klar: Schäden erkennen, bevor wertvolles Trinkwasser verloren geht und teure Reparaturen notwendig werden“, sagt Steffelbauer.
- MotionSynq: Fünf tragbare Sensoren und biomechanische Analysen sollen Belastungsmuster, Asymmetrien und Bewegungsqualität sichtbar machen, der erste Fokus liegt auf dem Knie. Gründer Silvio Prskalo will Bewegungsanalysen aus dem Labor in den Alltag holen, damit Menschen ihre Gelenkbelastung verstehen, bevor Schmerzen auftreten. Das Kapital soll in den drahtlosen Prototyp, Pilotstudien und die biomechanische Validierung fließen. Eine Beteiligung ist laut Prskalo noch nicht vereinbart, erste Gespräche mit Investor:innen will er nun vertiefen.
- MRsafe: Lässt sich ein Implantat nicht eindeutig identifizieren oder fehlen verlässliche Infos zur MRT-Tauglichkeit, muss man Untersuchungen verschieben oder absagen. Die Plattform von Gründerin Stefanie Pirzl bündelt verifizierte Implantatdaten, technische Parameter und KI-gestützte Entscheidungshilfen. Sie will die aufwendige Suche in verschiedenen Dokumenten durch einen standardisierten digitalen Prozess ersetzen und so medizinisches Personal sowie Patient:innen entlasten.
- SimplyAI: Ralph und Christoph Stöckl entwickeln individuelle, lokal betriebene KI-Modelle und bieten einen technischen Audit für bestehende KI-Produkte an. Geprüft wird, ob ein System hält, was Anbieter versprechen, wie sicher die Daten sind und ob sich die Investition rechnet. Für Vertrieb, Marketing und die Produktisierung des Audits sucht das Duo Risikokapital im sechsstelligen Bereich. „Ein Investment passiert nie an einem Abend. Aber wir haben Interesse geweckt und erste weiterführende Gespräche vereinbart.“
Bootstrapping wird schwieriger
Kümmel kennt die andere Seite des Pitches gut: Anfang der 2000er warb er beim Vorläufer des Events selbst um Unterstützung. Damals sei der Begriff Startup in Österreich noch kaum gebräuchlich gewesen, kurz darauf platzte die Dotcom-Blase und mit ihr die Begeisterung vieler Kapitalgeber:innen für Internet-Geschäftsmodelle. Bergfex wuchs deshalb weitgehend aus eigener Kraft, Schritt für Schritt. Dieses Bootstrapping hält Kümmel im Technologiebereich heute nur noch eingeschränkt für möglich: „Die Märkte sind dichter geworden, die Konkurrenz ist schneller und in vielen Bereichen läuft man gegen die Zeit.“
Gleichzeitig beschleunige KI die Produktentwicklung enorm. Funktionen, für die Bergfex früher mehrere Monate brauchte, entstünden heute teils innerhalb weniger Wochen. Leichter sei das Gründen dadurch trotzdem nicht geworden, sagt Kümmel: „Die große Herausforderung ist heute aber, in einem sehr vollen Markt überhaupt wahrgenommen zu werden.“

