Sport-Business

Mbappés Mao-Meme kostet La Liga den chinesischen Markt

Empty stands of the Santiago Bernabéu stadium in Madrid with the Real Madrid CF lettering
Image: Vienna Reyes / Unsplash

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Ein Lacher über ein Meme reicht, und die zweitwichtigste Fußballliga Europas verschwindet aus dem größten Fernsehmarkt der Welt.

Seit zwei Wochenenden zeigt Chinas Staatsfernsehen CCTV keine Spiele der spanischen La Liga mehr. Am Sonntag fehlte auch Racing Santander gegen Real Madrid im Programm, obwohl, oder gerade weil, Kylian Mbappé dort traf. Der Grund ist ein Video, das Ende Oktober viral ging: In einer im Frühjahr aufgezeichneten Folge des französischen Podcasts „The Bridge“ sagt der Real-Stürmer, das lustigste Meme über ihn zeige sein Gesicht auf „irgendeinem Typen, ich glaube, er ist ein chinesischer Diktator“, und lacht. Gemeint war Mao Zedong. Was in Europa als harmlose Anekdote durchgeht, ist in China ein Tabubruch, und die Reaktion folgte binnen Stunden.

Was seither passiert ist

Die China Media Group, Betreiberin des Staatsfernsehens, setzte am Montag darauf alle La-Liga-Übertragungen und alle Werbespots mit Mbappé aus, noch bevor eine Entschuldigung vorlag. Entschuldigungen von Mbappé, Real Madrid und der Liga seien „absolute Voraussetzung“ für weitere Gespräche, hieß es. Die Getränkegruppe Dongpeng, deren Elektrolytdrink mit KI-generierten Mbappé-Spots während der WM beworben wurde, kündigte den Vertrag „mit sofortiger Wirkung“ und verwies auf eine „Null-Toleranz-Politik“ gegenüber Verhalten, das nationale Gefühle verletzt. Der Milchkonzern Mengniu und die Käsemarke Milkground folgten. Laut Le Monde waren allein die Verträge mit Dongpeng und Mengniu rund 50 Millionen Yuan wert, rund 6,7 Millionen Euro. Dior, Rimowa, Nike, Hublot und On Running löschten Mbappé-Inhalte von ihren chinesischen Social-Media-Konten. Die Plattform Xiaohongshu fror sein Konto mit mehr als einer Million Follower:innen ein, auf Weibo kann ihm niemand mehr folgen, und im Adidas-Flagshipstore in Pekings Sanlitun-Viertel gibt es laut AFP zwar weiterhin Real-Trikots, aber keines mit seinem Namen. Der Clip selbst wurde von chinesischen Plattformen gelöscht, chinesische Medien verurteilten die Aussage, ohne sie zu wiederholen. Diskutiert wird trotzdem, nur verschlüsselt: „Schau dir einfach einen Renminbi-Schein an, dann verstehst du es“, schrieb ein Nutzer laut dem Newsletter Eye on Digital China, auf den Banknoten ist Maos Porträt abgebildet.

Mbappé entschuldigte sich am Dienstag auf Französisch, Mandarin und Englisch: Sein Kommentar sei „unbedacht“ gewesen, er habe auf ein Bild von sich selbst reagiert und verstehe, dass er „viele Menschen in China verletzt“ habe. Real Madrid entschuldigte sich am Mittwoch „beim chinesischen Volk“ und betonte seinen „tiefen Respekt“ vor China, seiner Geschichte und Kultur. Liga-Präsident Javier Tebas schrieb persönlich an die China Media Group, traf Chinas Botschafter in Spanien, um „Lösungen zu finden“, und erwägt laut Reuters eine Reise nach China. Die Antwort aus Peking blieb kühl: Das Außenministerium nehme die Entschuldigungen „ernst“, CCTV ließ wissen, Mbappé werde „an seinen Taten gemessen“. Einen Termin für die Rückkehr der Liga ins Programm gibt es nicht.

Was für La Liga auf dem Spiel steht

Die Liga nennt China einen „strategischen Partner“, und das hat einen Preis. Die internationalen TV-Rechte der La Liga waren in der Saison 2024/25 laut Liga-Angaben 748 Millionen Euro wert, China und die USA finanzieren davon den Großteil. Erst im Sommer hatte sich der Streamingdienst Migu des Staatskonzerns China Mobile die exklusiven Digitalrechte bis 2029/30 gesichert. Schätzungen beziffern das Geschäft der Liga in China auf bis zu 116 Millionen Dollar (rund 103 Millionen Euro) pro Saison. Ein Insider sagte der Zeitung El Mundo, auf dem Spiel stehe „ein bedeutender Teil des Geschäfts von La Liga“. Real Madrid erzielt laut Marca 10 bis 15 Prozent seiner Trikot- und Merchandising-Umsätze in China und hat mit Hisense, Kaiyun Sports und Linglong Tire mehrere chinesische Sponsoren. Migu zeigte am Wochenende zwar die meisten Spiele weiter, nahm aber Racing gegen Real aus dem Programm, und Nutzer:innen berichten, dass Clips von Mbappés Toren im Clásico aus der Plattform verschwunden sind.

Für Tebas ist der Fall doppelt heikel, weil er mit Real Madrid seit Jahren im Machtkampf um die Zukunft des spanischen Fußballs liegt. Diesmal zogen beide an einem Strang und entschuldigten sich innerhalb von 48 Stunden. Das unterscheidet den Fall vom Präzedenzfall NBA: Als Rockets-Manager Daryl Morey 2019 die Proteste in Hongkong unterstützte, stellte sich die Liga hinter seine Meinungsfreiheit. CCTV strich die NBA daraufhin für mehr als ein Jahr aus dem Programm, Commissioner Adam Silver bezifferte den Schaden auf „Hunderte Millionen Dollar“, Vorbereitungsspiele kehrten erst im Vorjahr nach China zurück.

Wie lange der Bann dauern könnte

Ob die schnelle Unterwerfung hilft, ist offen. Der Sportkommentator Yan Qiang sagte Al Jazeera, eine Entschuldigung bedeute „nicht unbedingt das Ende der Geschichte“, kurzfristig sei er „sicher nicht optimistisch“. Adam Zhang von Key-Solution Sports Consulting sieht in schneller, aufrichtiger Reue zumindest den ersten Schritt, der über die Dauer des Sendeverbots entscheide. Die Politikwissenschaftlerin Debby Chan von der Australian National University beschreibt das Muster als „Spirale der Empörung“, getrieben von Konsumnationalismus: Marken kündigen, bevor der Staat etwas anordnen muss.

Dagegen spricht die Interessenlage auf chinesischer Seite. China Mobile hat für die Migu-Rechte gerade erst bezahlt und zeigt die Liga weiter, nur ohne Real Madrid. Auch die Fans sind nicht verschwunden: Mbappé war in China bis vor zwei Wochen einer der beliebtesten Spieler überhaupt, die „Diktator-Mbappé“-Memes stammten ursprünglich von chinesischen Fans selbst und spielten auf seine Macht bei Paris Saint-Germain an. Das Außenministerium wich Fragen nach den Maßnahmen gegen Spieler und Liga aus, was Beobachter:innen als Zeichen deuten, dass Peking die Eskalation nicht selbst vorantreibt. Für La Liga bleibt vorerst nur, abzuwarten, und für Mbappé die Erkenntnis, dass im wichtigsten Wachstumsmarkt des Fußballs ein Lacher mehr kostet als ein verschossener Elfmeter.

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