OpenAI testet ein ChatGPT ohne Work-Tab und ein gemeinsames Kontingent mit Codex

ChatGPT legt Chat und Work zusammen und folgt dem Drehbuch von Claude

Image: Solen Feyissa / Unsplash

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Vier Monate nach dem Start von ChatGPT Work schafft OpenAI den Work-Tab wieder ab, und folgt damit zum zweiten Mal in diesem Jahr dem Drehbuch von Anthropic.

In einer Mail an Abonnent:innen kündigt OpenAI an, in den kommenden Wochen zunächst mit einer kleinen Gruppe von Nutzer:innen ein „einheitliches Nutzererlebnis“ zu testen, das die Tabs Chat und Work in ChatGPT zusammenführt. Die Idee: Eine Frage durchdenken und sie anschließend direkt umsetzen lassen, „alles an einem Ort“. Nutzer:innen sollen Dateien und Plugins einbinden und ChatGPT bitten können, eine Website zu bauen, eine Präsentation zu erstellen oder Aufgaben im Web zu erledigen, ohne vorher zwischen Chatbot und Agent zu wählen. Codex, das Coding-Werkzeug, bleibt in der Desktop-App ein eigener Bereich. Das Feedback der Testgruppe will OpenAI nutzen, bevor der Umbau für alle kommt.

Ein Kontingent für ChatGPT und Codex

Der zweite Teil der Mail dürfte für mehr Diskussionen sorgen. Im Rahmen des Umbaus wird die Nutzung von ChatGPT und Codex künftig auf ein gemeinsames Kontingent angerechnet. Bisher liefen Chat, Work und Codex mit getrennten Zählern, dazu kamen eigene Limits für Bilder, Sprache und Datei-Uploads. OpenAI betont, man bereite die Umstellung „sorgfältig“ vor und gehe davon aus, dass die meisten Nutzer:innen nicht häufiger als bisher warten müssen, bis ihr Kontingent zurückgesetzt wird. Der Verbrauch hänge vom Modell und von der Aufgabe ab: Fortgeschrittenere Modelle und komplexe Agenten-Aufgaben kosten mehr. Die unbegrenzte Nutzung von Instant, dem schnellen Standardmodell, bleibt im Plan enthalten und wird nicht angerechnet. Unter Einstellungen und Nutzung soll künftig zu sehen sein, wie viel vom Gesamtkontingent übrig ist und wann es zurückgesetzt wird. Wer leer ist, kann warten, upgraden oder Credits kaufen.

Ganz überraschend kommt der Schritt nicht. Tibo Sottiaux, der bei OpenAI ChatGPT und Codex verantwortet, hatte Anfang Oktober im Podcast von Lenny Rachitsky angekündigt, die Oberflächen Chat und Work zusammenzulegen. Kurz darauf tauchte bei einzelnen Abonnent:innen im Checkout ein Hinweis auf, wonach ab Dezember ein Limit für ChatGPT und Codex gilt. Auf Reddit sammelten die Threads dazu binnen Stunden hunderte Stimmen, die meisten Kommentare drehten sich um die Frage, wie genau gezählt wird, einzelne Plus-Nutzer:innen kündigten an, zu kündigen. OpenAI hat beim Thema Limits einen Ruf zu verlieren: Beim Start von ChatGPT Work im Juli wurden die Kontingente für Work und Codex zweimal an einem Tag zurückgesetzt, im August gab es bis zu 50 Prozent mehr Nutzung obendrauf. Als Puffer vor der Zusammenlegung hat OpenAI die Work- und Codex-Kontingente für die Pro-Tarife (Pro 100, Pro 200 und Pro 500, also 100, 200 und 500 Dollar pro Monat, rund 86, 172 und 430 Euro) kürzlich verdoppelt.

Anthropic hat das schon hinter sich

Wer das Muster kennt, erkennt es sofort. Als OpenAI im Juli ChatGPT Work startete, war das eine Kopie von Claude Cowork, das Anthropic Anfang des Jahres eingeführt hatte, nahezu Feature für Feature: Agent statt Chatbot, Ergebnisse statt Antworten, angebundene Apps statt isolierter Konversation. Und auch der nächste Schritt ist bereits vorgezeichnet. Anthropic hat Mitte September die Tabs Chat und Cowork in Claude zusammengelegt. Nutzer:innen wählen seither keinen Modus mehr, Claude entscheidet selbst, ob eine Frage eine schnelle Antwort braucht oder ein mehrstufiger Auftrag mit Recherche, Code und Dateien ist. Anthropic begründete den Schritt damit, dass Kund:innen oft nicht wussten, welchen Tab sie wählen sollten. Gleichzeitig kamen Docs und Slides als Beta dazu, Claude Code blieb, wie Codex jetzt bei OpenAI, ein eigener Bereich.

Auch beim Kontingent war Anthropic früher dran. Bei Claude zählt laut der Support-Dokumentation sämtliche Aktivität auf die Nutzungslimits des Plans, längere Agenten-Aufgaben mit Websuche, Code und Dateien verbrauchen mehr als eine kurze Frage. Dass Claude Code seit seiner Aufnahme in die Pro- und Max-Abos dasselbe Fünf-Stunden- und Wochenlimit wie der Chat nutzt, hat Anthropic ebenfalls Kritik eingebracht, Vielnutzer:innen beklagen regelmäßig, dass eine Coding-Session das Chat-Kontingent leert. Anthropic reagierte im Frühjahr mit verdoppelten Fünf-Stunden-Limits und temporär höheren Wochenlimits. Genau dieses Spannungsfeld, ein Topf für alles und die Frage, wie teuer eine Agenten-Aufgabe darin ist, holt OpenAI jetzt ein.

Warum beide das Gleiche tun

Hinter dem Gleichschritt steckt dieselbe Rechnung. Agenten, die stundenlang arbeiten, Websites bauen und im Browser klicken, verbrauchen ein Vielfaches an Rechenleistung gegenüber einem Chat, bei Claude Cowork war laut Branchenschätzungen von fünf- bis zwanzigfachem Verbrauch die Rede. Getrennte Töpfe für Chat, Agent und Coding lassen sich kaum sauber bepreisen, ein gemeinsames Kontingent verschiebt die Entscheidung, wofür die Rechenleistung ausgegeben wird, zu den Nutzer:innen. Für OpenAI kommt hinzu, dass Codex nach eigenen Angaben über fünf Millionen Menschen pro Woche nutzen und damit zum Kostenfaktor geworden ist. Gleichzeitig ist der Mode-Wechsel, bei dem Nutzer:innen vorab entscheiden müssen, ob sie einen Chatbot oder einen Agenten brauchen, ein Produktproblem, das beide Anbieter lieber dem Modell überlassen.

Die Gegenrechnung kommt von den Nutzer:innen selbst. Wer bisher ein Plus-Abo um 20 Dollar (rund 17 Euro) für Chat und nebenbei Codex nutzte, hatte faktisch zwei Kontingente, künftig ist es eines. OpenAIs Zusage, dass „die meisten“ nicht häufiger warten müssen, lässt offen, was mit dem Rest passiert, und der Verweis auf zukaufbare Credits deutet an, wo die Reise für Vielnutzer:innen hingeht. Dass Instant unbegrenzt bleibt, mildert das für Gelegenheitsnutzer:innen ab, nicht aber für jene, die ChatGPT Work genau deshalb abonniert haben, weil es mit den stärksten Modellen stundenlang arbeitet. Ob OpenAI damit besser fährt als Anthropic, dessen Limit-Debatten seit Monaten andauern, zeigt sich, sobald die kleine Testgruppe größer wird.

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