Aeon: Zürcher Vorsorge-Startup kauft deutsche Blutdiagnostik-Plattform Aware Health
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Das Zürcher HealthTech-Startup Aeon hat soeben eine Erweiterung seiner Seed-Runde abgeschlossen und übernimmt zugleich die Kernassets von Aware Health, einer der größeren Consumer-Plattformen für Blutdiagnostik in Deutschland. Mit der Extension steigt die gesamte Seed-Finanzierung des 2023 gegründeten Unternehmens auf mehr als 14 Millionen US-Dollar (gut 12 Millionen Euro), nachdem im Vorjahr bereits 8,2 Millionen Euro geflossen waren.
Angeführt wurde die Erweiterung von Araya Ventures. Beteiligt waren die bestehenden Geldgeber Concentric, GoHub Ventures, Kadmos Capital, N&V Capital, Bigwave Capital sowie der Wiener Frühphasen-Investor Calm/Storm Ventures. Das frische Kapital soll die Integration von Technologie und Team von Aware Health finanzieren und die Europa-Roadmap beschleunigen. Zum Kaufpreis machten die Beteiligten keine Angaben.
Von der Momentaufnahme zur Verlaufskurve
Aeon bietet KI-gestützte Ganzkörper-Check-ups an. Die Plattform kombiniert ein Ganzkörper-MRT, das laut Unternehmen über 500 mögliche Auffälligkeiten in Gehirn, Organen und Gefäßen erfassen kann, mit Blutdiagnostik zu mehr als 100 Biomarkern und einer Analyse genetischer Risiken. Nach eigenen Angaben liefern mehr als 90 Prozent der Check-ups Befunde, auf die Kund:innen reagieren können, die Rate signifikanter Befunde liegt demnach bei 15,4 Prozent.
Die Logik hinter dem Zukauf: Ein MRT ist ein punktuelles Instrument, Blutwerte lassen sich dagegen laufend erheben. Aus der Kombination will Aeon eine fortlaufende Gesundheitsakte je Kund:in bauen, die quartalsweise aktualisiert wird und aus der KI-Modelle Trends, Abweichungen und individuelle Risiken ableiten sollen. Das Unternehmen bezeichnet sich damit als erste europäische Plattform, die bildgebende Verfahren und wiederkehrende Blutdiagnostik in einem Produkt zusammenführt.
„Wir definieren Vorsorge neu, indem wir sie von Reaktion auf Handlung umstellen“, sagt Gründer und CEO Tim Seithe. „Bildgebung zeigt, wo man steht. Blutdiagnostik zeigt, wohin man sich entwickelt. KI verbindet beides zu einer Prognose.“ Die Übernahme beschleunige diese Strategie um zwei Jahre.
Was Aware Health mitbringt
Aware Health betreibt eine Consumer-Plattform für Blutdiagnostik mit regulatorisch abgesichertem Stack, direkter Laboranbindung und einem Netz von mehr als 45 Blutabnahme-Standorten in Deutschland. Angeboten wurden über 100 Biomarker in verschiedenen Vorsorge-Panels, die Kundenbasis lag zuletzt bei knapp 10.000 aktiven Nutzer:innen.
Aeon übernimmt die Technologieplattform, wesentliche Verträge und Geräte, die Kundenbeziehungen sowie das Kernteam. Das Berliner Team arbeitet ohne Unterbrechung unter der Marke Aeon weiter. Kundendaten würden ausschließlich mit ausdrücklicher individueller Einwilligung und DSGVO-konform übertragen, betont das Unternehmen. Für die KI-Roadmap ist vor allem der über wiederkehrende Tests aufgebaute Biomarker-Datensatz relevant, der als Trainingsmaterial für Prognosemodelle dient.
„Was wir bei Aware gebaut haben, bekommt die Chance, als Teil eines breiteren Vorsorgeangebots weiterzuwachsen“, sagt Aware-Health-Mitgründer Ferdinand Schmidt-Thomé.
Es ist bereits der zweite Zukauf des Startups: Im vergangenen Herbst übernahm Aeon das Schweizer Stealth-Startup Holsain, das an Screening-Verfahren auf Basis von MRT-Körperzusammensetzung arbeitete. Holsain-Gründer Florian Alexander Huber ist seither Chief Medical Officer bei Aeon.
Neuer AI Lead
Parallel zur Übernahme verstärkt Aeon sein KI-Team: Pablo Tano steigt als AI Lead ein. Er hat im Fachjournal Nature zu Reinforcement Learning im Gehirn publiziert, gemeinsam mit Forschern wie Peter Dayan und Alexandre Pouget gearbeitet und war Teil des Siegerteams von Metas MyoChallenge. Bei Aeon verantwortet er jene Modelle, die Bildgebung, Blutbiomarker und genetische Daten zusammenführen sollen.
„Die Kombination aus Bildgebung, wiederkehrender Blutdiagnostik und KI ergibt ein Verlaufsbild der Gesundheit, das in Europa bisher keine andere Plattform bietet“, sagt Rupa Popat, General Partner bei Araya Ventures.
Umkämpftes Feld
Aeon ist in Deutschland seit Anfang des Jahres aktiv, der Markt gilt dem Unternehmen zufolge als der am schnellsten wachsende. Die Konkurrenz ist allerdings gut kapitalisiert: Allein Neko Health aus Schweden, das Body-Scanning-Startup von Spotify-Gründer Daniel Ek, sammelte heuer 700 Millionen Dollar ein und dominiert damit die europäische Investitionsstatistik in dem Segment. Rechnet man diese Runde heraus, bleiben laut EU-Startups rund 55 Millionen Euro, die heuer in europäische Vorsorge- und Diagnostik-Startups geflossen sind.
Zu den nächsten Vergleichswerten zählt das ebenfalls in Zürich ansässige Ahead Health, das im Jänner 5,1 Millionen Euro und im Juli weitere 8,7 Millionen Euro für eine ähnliche Kombination aus Bluttests, Ganzkörper-MRT und KI aufnahm, sowie das Pariser Startup Lucis mit gut 17 Millionen Euro. Dazu kommen kleinere Runden im angrenzenden Diagnostikbereich, etwa 2,8 Millionen Euro für Moonlight AI aus der Schweiz, 5 Millionen Euro für En Carta Diagnostics und 15 Millionen Euro für iPremom.

