Amazon sperrt Muse-Agent und grätscht Zuckerberg ins geplante Business-Modell
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Meta will mit seinem KI-Agenten Muse Geld verdienen, wenn Nutzer:innen einkaufen, doch der größte Onlinehändler der westlichen Welt hat die Tür bereits zugemacht. Bei der Entwicklerkonferenz Meta Connect hat Mark Zuckerberg am Mittwoch erstmals skizziert, wie sich der persönliche Agent finanzieren soll: nicht über Werbung oder Abos allein, sondern über eine Beteiligung an den Transaktionen, die Muse für seine Nutzer:innen abwickelt.
„Wir glauben, dass sich Muse für euch finanziell auszahlen wird. Und dafür stehen wir ein, indem wir Muse für eine riesige Menge an Tokens kostenlos machen, in der Erwartung, dass wir langfristig durch eine kleine Gebühr auf Transaktionen profitieren“, sagte Zuckerberg. Wie hoch diese Gebühr ausfällt, welche Transaktionen darunter fallen und ab wann sie eingehoben wird, hat Meta bisher nicht verraten.
Was die Gratisversion beinhaltet
Muse ist Anfang September in den USA gestartet, als App für iOS und Android, im Web unter muse.ai sowie in WhatsApp. Der Agent schreibt und verschickt E-Mails, bucht Reisen, füllt Formulare aus, erstellt Einkaufslisten und kauft ein. Er arbeitet auch weiter, wenn die App geschlossen ist, und meldet sich, sobald er eine Freigabe braucht, wie Trending Topics berichtete.
In der kostenlosen Version sind 100 Millionen Tokens pro Woche enthalten, das ist für einen Consumer-Dienst ein ungewöhnlich großzügiges Kontingent. Wer mehr braucht, kann auf zwei Bezahlstufen wechseln: „Power“ kostet 20 US-Dollar (rund 17 Euro) im Monat und bietet 500 Millionen Tokens pro Woche, „Maximum“ kostet 100 US-Dollar (rund 85 Euro) monatlich und umfasst drei Milliarden Tokens pro Woche. Eine Kreditkarte muss allerdings auch für die Gratisversion hinterlegt werden, Meta nutzt das zur Altersprüfung und gegen Missbrauch.
Das großzügige Freikontingent ist Teil der Rechnung: Je mehr Menschen Muse nutzen und über den Agenten einkaufen, desto mehr Transaktionen kann Meta später mit einer Gebühr belegen. Der Start verlief jedenfalls erfolgreich: Muse hat ChatGPT als meistgeladene Gratis-App in Apples App Store abgelöst.
Warum Muse in Europa fehlt
Europäische Nutzer:innen gehen vorerst leer aus. Meta selbst spricht in der Ankündigung nur davon, dass Muse „in den USA ausgerollt“ wird, eine Begründung oder einen Zeitplan für Europa gibt es nicht. Trending Topics hatte bereits zum Start über die Beschränkung auf die USA berichtet.
Naheliegend sind regulatorische Gründe. Ein Agent, der Zugriff auf E-Mails, Kalender, Zahlungsdaten, Gesundheits-Apps sowie Instagram- und Facebook-Konten hat, berührt gleich mehrere EU-Regelwerke. Die DSGVO setzt der Verarbeitung sensibler Daten und automatisierten Entscheidungen mit finanziellen Folgen enge Grenzen. Der AI Act bringt Transparenzpflichten, etwa wenn ein Agent im Namen einer Person E-Mails verschickt. Und als Gatekeeper im Sinne des Digital Markets Act darf Meta Daten aus unterschiedlichen Diensten nur mit ausdrücklicher Einwilligung zusammenführen. Die Verknüpfung von WhatsApp, Instagram und Muse ist aber ein zentraler Teil des Konzepts. Meta hat in der Vergangenheit bereits mehrfach KI-Funktionen in Europa später oder eingeschränkt gestartet, zuletzt auch das Bildmodell Muse Image.
Amazon dreht den Zugang ab
Noch bevor Zuckerberg das Geschäftsmodell auf der Bühne erklären konnte, bekam es bereits einen Dämpfer. Am vergangenen Wochenende, nicht einmal zwei Wochen nach dem Start, sperrte Amazon den Agenten aus. Wer seither versucht, über Muse bei Amazon einzukaufen, sieht einen Hinweis, dass „der fortgesetzte Zugriff durch einen nicht autorisierten KI-Agenten gegen die Nutzungsbedingungen von Amazon verstößt“.
Amazon begründet den Schritt laut Forbes damit, dass Meta nie um Erlaubnis gefragt habe, der Bot sich beim Surfen nicht zu erkennen gebe, auf Bestellhistorien zugreife und offenbar Zugangsdaten der Kund:innen speichere. „Drittanbieter-Anwendungen, die im Namen von Kund:innen bei anderen Unternehmen einkaufen, sollten offen agieren und die Entscheidung von Dienstanbietern respektieren, ob sie teilnehmen wollen oder nicht“, so ein Amazon-Sprecher. Meta hat sich dazu bisher nicht öffentlich geäußert.
Beobachter:innen sehen hinter der Sperre auch wirtschaftliche Motive. Amazons Werbegeschäft setzte im vergangenen Jahr rund 68 Milliarden US-Dollar (etwa 58 Milliarden Euro) um, ein großer Teil davon über gesponserte Produkte auf der eigenen Plattform. Ein KI-Agent, der für Nutzer:innen sucht und kauft, sieht diese Anzeigen nicht. Tech Times weist zudem darauf hin, dass Amazons eigener Einkaufsagent „Buy for Me“ auf fremden Händlerseiten ohne vorherige Zustimmung einkauft, Händler müssen dort aktiv widersprechen.
Direkter Einfluss aufs Geschäftsmodell
Für Meta ist die Sperre mehr als ein Imageproblem. Ein Modell, das auf Transaktionsgebühren basiert, funktioniert nur dort, wo Händler den Agenten auch zulassen. Fällt der größte Onlinemarktplatz der USA weg, fehlt ein erheblicher Teil der Käufe, an denen Meta mitverdienen könnte.
Meta reagierte mit Partnerschaften: Bei Connect verkündete Zuckerberg Kooperationen mit Walmart, Best Buy, Gap, Sephora und Wayfair, dazu Anbindungen an Expedia und Instacart sowie Zahlungsintegrationen mit Stripe, Shopify, Shop Pay und PayPal. Amazon fehlt auf der Liste. An der Börse wurde der Konflikt ebenfalls registriert, die Amazon-Aktie gab laut 24/7 Wall St. in den Tagen rund um die Sperre um rund 3,5 Prozent nach, während Walmart zulegte.
Wettbewerb um den Einkaufsagenten
Meta ist nicht allein mit der Idee, am agentischen Einkauf mitzuverdienen. OpenAI bietet in ChatGPT bereits Direktkäufe bei Partnerhändlern an und kassiert dafür eine Gebühr von den Händlern, Google baut Einkaufsfunktionen in Gemini und die Suche ein. Perplexity liegt mit seinem Browser-Agenten Comet schon länger im Rechtsstreit mit Amazon, der Konzern setzt dort inzwischen vor allem auf seine Nutzungsbedingungen. Amazon wiederum setzt mit Rufus und „Buy for Me“ auf eigene Agenten. Der Fall Muse zeigt, dass die Frage, welche Agenten wo einkaufen dürfen, zunehmend darüber entscheidet, welche Geschäftsmodelle im Agentenzeitalter tragfähig sind.

