ASML kann gar nicht so viele Maschinen bauen, wie die KI-Branche will
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Wie lange der KI-Boom noch anhält, lässt sich am besten in Veldhoven ablesen: Die Kund:innen von ASML wollen dort bereits Maschinen für 2029 und 2030 bestellen. Der niederländische Chipmaschinen-Hersteller hat soeben die Zahlen für das dritte Quartal 2026 vorgelegt und dabei einen Rekordumsatz von 11,7 Milliarden Euro gemeldet. Das wichtigere Signal steckt aber im Ausblick: Die geplanten Produktionskapazitäten für 2027 und 2028 werden laut CEO Christophe Fouquet nicht reichen, um die Nachfrage zu decken.
Die Zahlen im Überblick
- Umsatz: 11,7 Milliarden Euro, ein Plus von rund 55 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal (7,5 Milliarden Euro) und 25 Prozent mehr als im zweiten Quartal
- Nettogewinn: 5,0 Milliarden Euro, mehr als doppelt so viel wie vor einem Jahr (2,1 Milliarden Euro)
- Bruttomarge: 57,5 Prozent, nach 54,0 Prozent im Vorquartal
- Verkaufte Systeme: 113 neue Lithografie-Maschinen, nach 86 im Vorquartal
- Service-Geschäft: 3,3 Milliarden Euro Umsatz mit Wartung und Upgrades der installierten Maschinen
- Ausblick viertes Quartal: 14,2 bis 15,2 Milliarden Euro Umsatz bei einer Bruttomarge von rund 57 Prozent
- Ausblick Gesamtjahr: 44 bis 45 Milliarden Euro Umsatz, die Untergrenze wurde von 43 Milliarden Euro angehoben. 2025 hatte ASML 32,7 Milliarden Euro umgesetzt
Mit den Gewinnen kauft ASML kräftig eigene Aktien zurück: Allein im dritten Quartal waren es rund 4,1 Milliarden Euro. Dazu kommt eine Zwischendividende von 1,88 Euro je Aktie. Die Aktie legte nach den Zahlen in Amsterdam um gut 2 Prozent zu, seit Jahresbeginn liegt sie rund 60 Prozent im Plus.
Warum ASML so wichtig ist
ASML ist das einzige Unternehmen der Welt, das EUV-Lithografie-Maschinen baut. Diese Anlagen belichten mit extrem ultraviolettem Licht winzige Strukturen auf Siliziumscheiben, und ohne sie lassen sich die modernsten Chips nicht herstellen: weder die KI-Beschleuniger von Nvidia, die TSMC in Taiwan fertigt, noch die Hochleistungsspeicher von SK Hynix und Samsung, die in jedem KI-Rechenzentrum stecken. Eine einzelne Maschine kostet je nach Modell weit über 100 Millionen Euro, die neueste High-NA-Generation mehrere hundert Millionen. Weil ASML auf ein Netz hochspezialisierter Zulieferer wie Zeiss (Optik) und Trumpf (Laser) angewiesen ist, lässt sich die Produktion nicht beliebig hochfahren. Damit ist das Unternehmen ein Nadelöhr der gesamten KI-Industrie, und zugleich Europas wertvollstes Tech-Unternehmen.
Was die Zahlen über die KI-Branche verraten
ASML gilt als Frühindikator für die Chipindustrie: Die Maschinen werden ein bis zwei Jahre vor der eigentlichen Chipproduktion bestellt. Wenn Halbleiterhersteller schon jetzt über Lieferungen für 2029 und 2030 sprechen, planen sie offenbar mit einem KI-Ausbau, der noch Jahre andauert. Die Prognosen der Kund:innen seien „vor allem von ihrer Einschätzung über Umfang und Dauer der KI-Investitionen getrieben“, so Fouquet.
ASML reagiert mit einem massiven Ausbau. 2027 soll die Kapazität für EUV-Maschinen der aktuellen Generation und für DUV-Immersionsanlagen um 30 Prozent steigen. Für 2028 prüft das Unternehmen bereits, ob es noch über die zuvor angepeilten weiteren 30 Prozent hinausgehen kann. Zum Vergleich: Erst vor wenigen Wochen sorgte die Angst vor einer KI-Bremse für Kursverluste bei Chipwerten. Die ASML-Zahlen deuten in die andere Richtung, ähnlich wie zuvor die Quartalszahlen von Nvidia.
Risiko China und skeptische Stimmen
Ein Risiko bleibt China: ASML rechnet damit, dass 2026 rund ein Fünftel des Umsatzes auf das Land entfällt, und in Washington liegt mit dem sogenannten Match Act ein Gesetzesentwurf auf dem Tisch, der den Verkauf von DUV-Maschinen nach China und sogar die Wartung bereits installierter Anlagen untersagen würde. Fouquet warnte, dass zu breite Exportbeschränkungen China nur dazu bringen würden, schneller eigene Alternativen zu entwickeln.
Auch bei Analyst:innen gibt es Vorbehalte. Die Investmentbank Jefferies etwa nennt die höheren Kapazitätspläne für 2027 und 2028 „weitgehend erwartet“ und rechnet damit, dass die Bewertungen von ASML und der gesamten Branche zyklisch weiter sinken, was das Kurspotenzial begrenze. Dazu kommt: Das Interesse an Bestellungen für 2029 und 2030 ist noch kein fester Auftrag, und gerade das Speichergeschäft gilt als stark zyklisch.
Die Konkurrenz
Bei EUV hat ASML keine Konkurrenz. Bei den älteren DUV-Maschinen konkurriert das Unternehmen mit den japanischen Herstellern Nikon und Canon, wobei Canon zusätzlich auf eine alternative Nanoimprint-Technologie setzt. In China arbeiten SMEE und Huawei an eigenen Lithografie-Anlagen, sind technologisch aber noch Jahre zurück. Unter den großen Chipausrüstern stehen Applied Materials, Lam Research und KLA neben ASML, sie liefern allerdings andere Schritte der Chipfertigung wie Abscheidung, Ätzen und Prüfung.

