Seed-Runde

Sabi: 50 Millionen Dollar für eine Kappe, die Gedanken lesen soll

Sabi campaign image showing a man in a knit cap at a desk with the slogan Just think
Sabi wants to turn thoughts into A.I. prompts © Sabi

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Tippen ist mühsam, Sprechen in der U-Bahn peinlich, also soll künftig das Denken reichen: Das Startup Sabi aus dem Silicon Valley baut eine Baseballkappe, die Hirnsignale in Text und Befehle für KI-Assistenten übersetzen soll. Dafür hat Sabi soeben eine Seed-Finanzierung über 50 Millionen Dollar (rund 45 Millionen Euro) eingesammelt. Angeführt wird die Runde von Khosla Ventures, dazu kommen Accel, Initialized Capital, DST Global, Collaborative Fund, Ascend und der frühere OpenAI-Produktchef Kevin Weil.

EEG ohne Gel und Operation

Technisch setzt Sabi auf Elektroenzephalografie (EEG), also das Messen elektrischer Hirnaktivität. Klassische EEG-Hauben brauchen Kontaktgel und sitzen eng auf der Kopfhaut. Sabis Sensoren sollen dagegen berührungslos durch die Haare hindurch messen, auf eine Distanz von bis zu fünf Millimetern. Jeder Sensor ist nur ein bis fünf Millimeter groß, laut Forbes sollen bis zu 100.000 davon in eine Kappe passen. Dazu hat Sabi einen eigenen EEG-Chip entwickelt, der in internen Tests mehr als 50-mal so energieeffizient sein soll wie ein gängiges Standardbauteil von Texas Instruments. Mit dem Handy oder Laptop verbindet sich die Kappe drahtlos, ähnlich wie Kopfhörer.

Die eigentliche Arbeit macht ein KI-Modell. Sabi trainiert ein sogenanntes Brain Foundation Model mit mehr als 100.000 Stunden an EEG-Aufnahmen von Proband:innen, die sich Wörter vorstellen oder mentale Aufgaben lösen. Nach Angaben des Startups ist das der größte bekannte Datensatz dieser Art. Die Kappe soll drei Dinge können: gedachte Wörter als Text auf den Bildschirm bringen, trainierte Gedankenbefehle an KI-Assistenten weiterreichen und vorhersagen, welche Tasten man als nächstes drücken will. „Wir bauen eine schnellere Schnittstelle, die weder eine Operation noch ein Labor braucht“, sagt CEO und Mitgründer Rahul Chhabra.

Erste Demo auf der CES

Hinter Sabi stehen neben Chhabra der Mitgründer und CTO Atmadeep Banerjee, der als Co-Autor an der Studie MindEye mitgearbeitet hat, die aus nicht-invasiven Hirnscans gesehene Bilder rekonstruiert. Das Team kommt unter anderem von Kernel, Apple, Microsoft, Meta und Nike. Einen ersten Prototyp will Sabi auf der Elektronikmesse CES im Jänner in Las Vegas zeigen, Geräte für eine Warteliste sind in Vorbereitung. Einen Preis nennt das Startup noch nicht. Die Hirndaten sollen bereits im Sensor verschlüsselt werden und auch verschlüsselt verarbeitet werden, sodass die Server die Rohsignale nie zu sehen bekommen.

Wettlauf ums Gehirn

Sabi ist nicht allein. Elon Musks Neuralink setzt auf Implantate und wurde im Vorjahr mit 9 Milliarden Dollar (rund 8 Milliarden Euro) bewertet, OpenAI-Chef Sam Altman hat mit Merge Labs einen eigenen Neuralink-Rivalen angeschoben. Meta verkauft bereits ein Armband, das Muskelsignale am Handgelenk ausliest, und forscht an Hirn-zu-Text-Systemen.

Genau diese Forschung zeigt, wie groß die Hürde für Sabi ist. In einer Studie von Meta mit 35 Proband:innen lag die Fehlerquote bei der Entschlüsselung getippter Buchstaben aus EEG-Signalen im Schnitt bei 67 Prozent, zwei von drei Zeichen waren also falsch. Deutlich besser schnitt die Magnetoenzephalografie (MEG) mit 32 Prozent ab, die aber einen raumfüllenden Scanner braucht. Gemessen wurde dabei mit klassischem EEG direkt auf der Kopfhaut, Sabi will sogar durch die Haare hindurch messen. Unabhängige Messwerte zur Genauigkeit der Sabi-Kappe gibt es bislang keine.

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